Pazifik Obama plant weltgrößtes Schutzgebiet im Ozean

Korallenriff vor dem Palmyra-Atoll im Pazifik

(Foto: J. Maragos / USFWS)

Sechs Mal so groß wie Deutschland soll das Refugium für bedrohte Arten werden: Ein unberührtes Areal im Pazifik will US-Präsident Obama für Fischfang sperren. Streit mit den Republikanern ist abzusehen.

Ein etwa zwei Millionen Quadratkilometer großes Gebiet im Pazifik soll von Fischfang und Rohstoffabbau künftig verschont werden. Wie die Washington Post unter Berufung auf Mitarbeiter des Weißen Hauses berichtet, will US-Präsident Barack Obama dort das größte Meeresschutzgebiet der Erde einrichten. Die Schutzzone wäre fast sechs Mal so groß wie Deutschland.

Mitten im Pazifik verwalten die Vereinigten Staaten ein enormes Hoheitsgebiet - die Howland-, Baker- und Jarvisinseln, die Atolle Johnston, Wake, Palmyra und das Kingman Reef. Obamas Vorgänger George W. Bush schuf dort bereits 2009 ein "Nationalmonument" und untersagte damit den Fischfang im engen Umkreis der Inseln. Dieses Schutzgebiet will Obama nun auf die beinahe zehnfache Fläche ausweiten, wie die Washington Post berichtet. Der Plan soll vermutlich auf der gegenwärtig stattfindenden "Our-Ocean"-Konferenz des Außenministeriums bekannt gegeben werden.

Karte der amerikanischen Außengebiete im Pazifik

(Foto: Tubs / CC-by-SA)

Die Inseln sind unbewohnt, abgelegen und äußerst artenreich. Millionen von Vögeln dienen sie als Brutstätten und Rastplätze, in den Gewässern tummeln sich seltene Meeresschildkröten, Delfine, Wale, Haie, Papageifische. Einige der vorgelagerten Korallenriffe sind mehr als 5000 Jahre alt. Die zwei Atolle Wake und Palmyra sind mit dem Flugzeug zu erreichen, die anderen Eilande lediglich per Schiff. Zu einigen Inseln dauert die Reise vom nächstgelegenen Hafen etwa acht Tage.

"In den amerikanischen Gewässern des Pazifik gibt es auch noch weitgehend intakte Korallenriffe", schwärmt der Umweltbiochemiker Peter Schupp vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg. "Auch die großen Raubfische, die vielerorts vor dicht besiedelten Inseln schon weggefangen wurden, kommen dort noch vor." So eine abgelegene Schutzzone sei jedoch sehr schwer zu überwachen. "Die Fischerei ist international", sagt Schupp. "Eine Fangflotte kann ein abgelegenes Gebiet relativ schnell leer fischen und weiterziehen." Bis das jemand merke und eigene Boote hinschicke, könnten die Fischer längst ganz woanders sein. "Eine Schutzzone macht nur Sinn, wenn man sie auch durchsetzt", sagt Schupp. Wenn dies gelinge, könne sie den Ökosystemen aber sehr zugute kommen.

Gesetz von 1906 als Grundlage

Dass Obama für die Maßnahme seine exekutiven Vollmachten nutzen möchte, dürfte in Washington für einigen Streit sorgen. Der republikanische Abgeordnete Richard Hastings nannte das Vorhaben in der Washington Post ein Zeichen für Obamas "imperiale Präsidentschaft". Der Plan müsse zuerst dem Kongress vorgelegt werden. Zudem ist auch die US-Thunfisch-Fangflotte in dem Gebiet aktiv. Welche kommerziellen Interessen von dem Schutzgebiet berührt wären, will die US-Regierung bis Ende des Jahres prüfen.

Der "Antiquities Act" von 1906 erlaubt US-Präsidenten, Stätten von kultureller Bedeutung zum "Nationalmonument" zu erklären und damit unter besonderen Schutz zu stellen. Ursprünglich sollten damit prähistorische Bauwerke von Indianern und Ausgrabungsstätten vor Plünderungen bewahrt werden. Schnell erweiterten die Präsidenten die Befugnisse auch auf wertvolle Naturräume. Theodore Roosevelt erklärte mit dem Gesetz etwa den Grand Canyon - mit 3200 Quadratkilometern ein sehr großes Gebiet - zum Nationalmonument. Der nun von Obama vorgeschlagene Schutzraum sprengt jedoch alle Dimensionen - falls er tatsächlich eingerichtet wird, wäre er mehr als doppelt so groß als alle anderen Nationalmonumente gemeinsam.

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Bereits am Montag hatte der Präsident von Kiribati, Anote Tong, auf der "Our-Oceans"-Konferenz zugesagt, kommerziellen Fischfang von spätestens 2015 an in einem Gebiet von der Fläche Kaliforniens in seinen Hoheitsgewässern zu untersagen.