Wenn es aber möglich ist, das größte Lexikon der Welt zu verfassen, ohne die Mitarbeiter dafür zu bezahlen, warum sollte es nicht eines Tages gelingen, mithilfe von Null-Euro-Jobbern Qualitätszeitungen zu verlegen oder besonders humane Krankenhäuser zu leiten? Vielleicht gibt es ja innere Belohnungssysteme, die wirkungsmächtiger sind als äußere.
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Noch scheuen sich die Wissenschaftler aus ihren Befunden politische Ratschläge abzuleiten. Sie befürchten, dass ihre Erkenntnisse von reinen Kostensparern instrumentalisiert werden könnten.
Belohnungen aufschieben
Mit ihnen ließe sich etwa die Forderung nach einem tief angesetzten Grundeinkommen für alle oder die Praxis der Dauerausbeutung hochmotivierter Arbeitskräfte und Praktikanten rechtfertigen. Diese Zurückhaltung ist vielleicht ein Grund, wieso in den größten Bereichen der Gesellschaft bislang alles beim Alten geblieben ist.
Ob Boni oder Orden, Preise oder Zertifikate - im Berufs- und Wirtschaftleben wimmelt es nur so von Belohnungen aller Art. Und in den Medien wird häufig der Eindruck erzeugt, als erkrankten Menschen an Depressionen, wenn sie nicht unmittelbar für ihr berufliches Tun belohnt würden. Solche Gratifikationskrisen seien schädlich für die Psyche.
Das Gegenteil ist wahr. Menschen lernen von Kindesbeinen an, Belohnungen aufzuschieben. Wenn dem nicht so wäre, gäbe es keine Menschen, die sechs Jahre studieren ehe sie Geld verdienen. Und erst recht gäbe es keine Häuslebauer, die sich 30 Jahre abmühen, um einen Kredit abzuzahlen. Die einfache Regel, wonach ein Mehr an Belohnung automatisch zu einem Mehr an Leistung führt, ist schlicht falsch.
Immerhin beginnen einige Ökonomen zumindest von der Idee einer simplen linearen Beziehung von Geld und Leistung abzurücken, so etwa Uri Gneezy von der University of California in San Diego. In einer seiner Untersuchungen analysierte er den Arbeitseifer von Kindern.
Er teilte 80 junge Probanden, die Geld für Krebskranke sammeln sollten, in drei Gruppen. Der ersten wurde erklärt, wie wichtig es sei, ehrenamtlich für einen guten Zweck zu sammeln. Sie bekam keine Belohnung. Die zweite Gruppe wurde minimal fürs Sammeln bezahlt, die dritte stattlich.
Wie auch klassische Marktheoretiker erwartet hätten, waren jene Kinder am fleißigsten, die man fürstlich entlohnte. Überraschend war hingegen, dass jene, die eine geringe Belohnung bekamen noch weniger motiviert waren als jene, an die gar nichts ausgezahlt wurde. Gneezy kam deshalb zu einer Folgerung, die neue Maßstäbe für Tarifverhandlungen setzen könnte: "Zahle genug oder zahle gar nichts."
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(SZ vom 01.09.2009/gal)
Großprojekte in Berlin
Warum Gehaltserhöhungen nicht motivieren sollen, verstehe ich nur bedingt. Bei Kindern kann ich mir hingegen vorstellen, dass sie es eher gewohnt sind für etwas belohnt zu werden, was sie nicht gern tun oder bisher nicht gut konnten. Werden sie nun plötzlich für etwas belohnt, was sie ohnehin von sich aus gern tun ist es demotivierend, weil die Belohnung mit Defiziten assoziiert wird.
Ich vermute hinter dem Versuch steckt eigentlich was ganz Anderes: Nicht die Belohnung als solche verdirbt die Freude - sondern der entstehende Zwiespalt in Zukunft nicht mehr so frei entscheiden zu können ob man ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt oder es läßt.
Es handelt sich also um den Verlust der Freiwilligkeit.
Aber diese Freiwilligkeit geht auch verloren wenn nur die Erwartungshaltung alleine im Raum steht. In einer "geldlosen" Gesellschaft hätten wir ja schon alleine die Erwartungshaltung der Geldfreiheit, welche die Freiwilligkeit untergraben würde.
Ob man als Kind der "Tante" aus dem 4 Stock die Kohlen gerne hochgetragen hatte - das hing letztendlich nur davon ab ob die Tante nett war oder nicht. Einer netten Tante half man auch ohne nur einen Gedanken an Geld zu verschwenden. Aber wenn man hier und da eine Tafel Schokolade oder 20 Ofg. zugesteckt bekam - war das sicher auch kein Motivationskiller.
Anders hätte die Sache halt erst dann ausgesehen wenn die Tante ein Miststück gewesen wäre. Dann hätte man nur geholfen weil die Eltern einem dazu verdonnert haben - oder weil man damit Geld verdienen konnte.
Na und jetzt übertragen wir das mal auf die Arbeitswelt. Dann kommen wir nämlich der Realität schon wieder ganz nahe: Stimmt das Betriebsklima - dann stimmt so oder so die Leistung. Und stimmt das Betriebsklima nicht - dann sind halt Geld oder die Furcht vor Arbeitslosigkeit ggf. die einzigen Gründe zu bleiben.
Aber fragen wir doch einfach mal einen 20-monate alten Knapp-nicht.-mehr-Säugling sie er das sieht. :)
Die Wissensseite der Süddeutschen Zeitung ist berühmt-berüchtigt für die absurdesten Meldungen aus der Welt der Wissenschaft. Neben dem Hypen biologistischer Erklärungen für menschliches Handeln, finden sich auch immer wieder Ergebnisse aus Versuchsanordnungen der Psycholog*innen, die einen in Erstaunen versetzen. Die neueste Erkenntnis lautet Geld macht faul (SZ vom 01.09.2009). Nun weiß ja der Volksmund so gut wie niemand sonst, dass Geld das eigentliche Schmiermittel der Marktwirtschaft ist. Ohne Geld oder finanzielle Anreize würde doch niemand arbeiten! Wohin mangelnde materielle Entlohnung führen würde, habe man in der DDR und der Sowjetunion ja schon gesehen.
Nun haben aber pikanterweise Harvard-Psychologen herausgefunden, dass Gehaltserhöhungen Motivation und Leistung senken können.
Die Versuchsanordnung, die die SZ zitierte, war die folgende: Vor 20 Monate alten Babys lassen die Versuchsleiter wie zufällig Bleistifte fallen und warten, wie die Babys darauf reagieren. Heben sie die Stifte auf oder lassen sie sie liegen? Die Psychologen teilten die Babys in zwei Gruppen auf. Die erste bekam fürs Aufheben einen Bauklotz geschenkt, die zweite Gruppe bekam nichts. Und nun die Überraschung: Die Hilfsbereitschaft der Kinder in der Bauklotzgruppe sank und zwar, so der Versuchsleiter, weil die Belohnung den natürlichen Altruismus der Kinder zerstören würde.
Nun stellen sich zunächst drei Fragen. Was haben Gehaltserhöhungen mit Hilfsbereitschaft zu tun, was Bleistift aufheben mit Altruismus und 20 Monate alte Babys mit Menschen, die soeben eine Gehaltserhöhung bekommen haben? Nun, nichts. Das aber ficht weder die SZ noch die Psychologen an, die es gleichermaßen beherrschen, noch die unterschiedlichsten Phänomene in einen Topf zu werfen. Also machen sie erstmal munter weiter mit noch anderen faszinierenden Forschungen und ihren Ergebnissen: Kinder, die Süßigkeiten fürs Puzzlen bekamen, verloren schneller die Lust am Puzzlen als jene, die leer ausgingen und ein Psychologe aus Stanford hat sogar noch herausgefunden, dass sich die Fähigkeit von Kindern, Denksportaufgaben zu lösen, auf eine ganz einfache Weise zerstören lässt: indem man ihnen eine Belohnung verspricht. (SZ) Die einfache Erklärung, dass man Kinder mit Süßigkeiten oder anderen Spielzeugen von der ursprünglichen Aufgabe schlicht ablenkt, ist ---- Weiterlesen auf www.junge-linke.net
kann ich sagen, dass ich eines meiner mein hobbies zum beruf machen durfte und jetzt der punkt gekommen ist, an dem zum teil wirklich aus freude pflicht geworden ist. das liegt aber in keinster weise am geld(!!), sondern an zeitlichen/ terminlichen zwängen und an vorgegebene rahmenbedingungen, an die man gebunden ist. ich arbeite in einem kreativen beruf und auch hier erfahre ich oft genug frust, da ich die arbeit, die ich sehr gerne verrichte leider oft immer unter druck ausüben muß! hier liegt das problem und nicht bei der bezahlung. in meiner freizeit habe ich einen ganz anderen spielraum und kann mir alles so gestalten wie ich möchte, aber nicht wenn es um aufträge geht und der faktor geld/zeit(effizienz) ins spiel kommt, also sobal ökonimische interessen im spiel sind, das hat aber in keinem fall mit belohnung bzw. geld zu tun. das ist einfach nur schwachsinn!!
ich könnte mich stundenlang aufregen über diesen hirnverbrannten unfug. herzlichen dank an alle, die sich hier geäußert haben, dem gibt es ja eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. als angehöriger der generation prekariat ohne aussicht auf stabiles einkommen und altersvorsorge freue ich mich, dass so viele diesen lachhaften versuch, uns weismachen zu wollen, dass wir doch alle gern für lau arbeiten, genau da hin befördert haben, wo er auch hingehört: ins reich des wunschdenkens von geldgeilen managern und führungskräften, die lohnverzicht predigen und boni kassieren. mich würde interessieren, mit welchen materiellen anreizen man diese so genannten "wissenschaftler" dazu gebracht hat, sich vor deren karren spannen zu lassen. aber gottseidank haben wir ja jetzt eine bundesregierung, die die letzen noch offenen wünsche dieser herren und damen (aufweichung kündigungsschutz, noch mehr lohndumping, noch größere einkommensschere, steuerentlastungen für spitzenverdiener und mehrwertsteuererhöhung, denn irgendwer muss ja die milliarden zahlen, die man der hre in den rachen geschmissen hat) sicher diensteifrigst und in vorauseilendem gehorsam erfüllen wird. aber letztlich bin ich ja froh, dass das so ist, schließlich sieht man an all den 25 anderen quasi-sozialistischen eu-ländern mit mindestlohn, tarifverträgen, bildungsgerechtigkeit und existenzsichernden einkommen, dass der untergang des zivilisierten abendlandes nahe ist, weil da alle nur noch dickbäuchig, dekadent und faul in ihren sesseln rumhängen und aber auch rein gar nichts mehr arbeiten...
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