Madagaskar Neue Chamäleonzwerge entdeckt

Kein Wunder, dass die Tiere bislang übersehen wurden: Keine drei Zentimeter lang wird das Chamäleon "Brookesia micra", das deutsche Wissenschaftler auf der Insel vor der Ostküste Afrikas entdeckt haben. Die Art gehört damit zu den kleinsten Reptilien der Welt.

Wenn Tiere nur klein genug sind, finden wir sie häufig auch süß. Das gilt selbst für Reptilien, die solche Gefühle sonst weniger auslösen. So erscheint das Zwergchamäleon, das deutsche und amerikanische Forscher auf Madagaskar entdeckt haben, wirklich putzig, wie es da auf der Fingerkuppe eines Wissenschaftlers balanciert.

"Brookesia micra" weist eine Körperlänge von 16 Millimeter auf, mit Schwanz sind es nicht ganz drei Zentimeter. Die Winzlinge leben in der trockenen Laubstreu der Wälder und ernähren sich von noch kleineren Insekten oder Milben.

(Foto: dpa)

Maximal 1,6 Zentimeter lang werden die Körper der Männchen der Art Brookesia micra, weibliche Tiere werden in der Regel etwas größer. Die Gesamtlänge (Schnauze bis Schwanzspitze) beträgt bei beiden Geschlechtern höchstens 2,9 Zentimeter.

"Dass die kleinsten Arten vieler Tiergruppen vor allem auf Inseln zu finden sind, ist kein Zufall", sagt Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung in München, dessen Team die Zwergchamäleons entdeckt hat. Vielmehr sei "Insel-Verzwergung" es ein typisches Phänomen. Dieser "Inseleffekt" gilt als eine Anpassung an stark eingeschränkte Lebensräume. Allerdings betifft er normalerweise eher Tiere, die ursprünglich groß waren.

Dass B. micra so extrem klein ist, könnte Glaw zufolge an einem doppelten Inseleffekt liegen. Die Reptilien leben nicht auf Madagaskar selbst, sondern wenige Kilometer entfernt auf einem lediglich 115 Hektar großen Kalkfelsen. Möglicherweise stammen sie von einer im Laufe der Evolution bereits auf der Hauptinsel "geschrumpften" Art ab, und wurden auf der kleinen Insel noch kleiner.

Neben dem Winzling haben die Forscher drei weitere bislang unbekannte Zwergchamäleonarten aufgespürt. Da die Tiere tagsüber versteckt im Laub am Boden leben, für die Nacht aber in die Bäume steigen, suchten die Wissenschaftler mögliche Aufenthaltsorte mit Lampen und Fackeln ab.