Plötzlich reagierte Roche ganz schnell: "Die vollständigen Berichte für die Studien" würden "in Kürze auf einer passwortgeschützten Seite für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung stehen", versprach James Smith, für Tamiflu zuständiger medizinischer Leiter bei Roche, in einer schriftlichen Erwiderung im British Medical Journal. "
Anzeige
Darauf warten wir bis heute", sagt Chris Del Mar, Professor für Gesundheitswissenschaften im australischen Queensland und Jeffersons Co-Autor. Zwar sei kurz nach dem offiziellen Versprechen ein Passwort für eine Roche-Webseite bei ihm eingegangen. "Aber hinterlegt war dort nur etwa ein Viertel der von uns eingeforderten Daten aus den zehn Kaiser-Studien; die jeweils ersten von insgesamt vier oder fünf Protokoll-Modulen."
Jedes Modul habe ein anderes Thema, erläutert Tom Jefferson. "Da wir sie ja nicht kennen, wissen wir auch nicht mit Sicherheit, was in den Modulen steht, die uns nun seit einem Jahr vorenthalten werden."
Die Forscher vermuten unter anderem Informationen darüber, wie die ursprünglichen Fragestellungen der Studien aussahen und ob diese im Laufe des Versuchs abgewandelt wurden. Die ersten Module zeigten, dass mehr als die Hälfte der Ergebnisse in der Schublade verschwunden waren, so Jefferson: die Daten von 2691 der 4813 Studienteilnehmer.
Allzu häufig werden bei medizinischen Studien Fragestellungen im Nachhinein an die gewonnenen Daten angepasst. So lässt sich eine gewünschte Wirkung schließlich doch scheinbar beweisen, auch wenn es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Auch eine andere wichtige Frage würde Tom Jefferson gerne mit Hilfe fehlender Module beantworten: Weshalb wurden in den acht unpublizierten Studien so viel mehr Kranke als gewöhnlich positiv auf Influenza getestet? Es komme bei medizinischen Studien oft vor, dass es eine Vorauswahl der Probanden gebe, sagt er. In einem solchen Fall stehe dann in Frage, "ob die Ergebnisse dieser Versuche überhaupt auf die normale Bevölkerung übertragbar sind".
Schließlich treibt Tom Jefferson noch die Frage nach den Nebenwirkungen um. Die bisher publizierten Studien fanden entweder "keine" oder "keine mit Oseltamivir in Zusammenhang stehenden" schweren Nebenwirkungen. Allein in den offengelegten ersten Modulen aber finden sich zehn schwere Zwischenfälle bei neun Probanden, drei davon werden mit Tamiflu in Verbindung gebracht.
Psychotische Zustände bei Kindern
Dazu passt, dass japanische Ärzte während des H1N1-Ausbruchs im vergangenen Winter speziell bei Kindern, die mit Tamiflu behandelt wurden, gehäuft psychotische Zustände beobachtet hatten. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung erklärt das Unternehmen Roche, es gebe gar keine Datenlücke: "Roche glaubt, dass es alle die Daten zur Verfügung gestellt hat, die nötig sind, um die Fragen der Cochrane-Gutachter zu beantworten."
Der Konzern will bei künftigen Anfragen der Wissenschaftler erst deren Protokoll zu den neuen Tamiflu-Forschungen sehen, "damit wir entscheiden können, welche Daten sie für ihre Fragen brauchen". Das sei eine "verkehrte Welt", findet Tom Jefferson. "Seit wann entscheiden die Begutachteten, was der Gutachter sehen darf - und was nicht?"
Trotz der mühseligen Arbeit hat sich Jefferson für 2011 ein noch größeres Projekt vorgenommen. Im neuen Jahr plant er eine Bestandsaufnahme des Wissens über alle Influenzaviren-Hemmer, auch zwei neuere, die noch keine Zulassung haben, Peramivir und Laninamivir.
Zumindest die Datenlage zu Tamiflus Konkurrenten Relenza von Glaxo Smith Kleine sei auch nicht vertrauenerweckend, sagt er. "Überall haben wir Indizien für manipulierte Daten gefunden." Der größte Behandlungsversuch aus den USA, den Glaxo Smith Kline jemals für Relenza durchgeführt hat, habe übrigens keinen Effekt gezeigt, so Jefferson. "Und er wurde nie veröffentlicht."
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- WHO-Grippe-Richtlinien Empfehlung mit Geschmäckle 04.06.2010
- Medikamentenforschung Bestellte Wahrheit 08.09.2010
- Influenza Grippewellen zirkulieren zwischen den Metropolen 16.11.2011
- Der Nächste bitte! Ohne Erkältung durch Herbst und Winter 07.11.2011
- Influenza Ein Impfstoff gegen alle Grippeviren 07.02.2011
- Schweinegrippe Schutz durch die Infektion 11.01.2011
- Schweinegrippe Neue Saison, alter Erreger 11.01.2011
(SZ vom 17.12.2010/mcs)
Großprojekte in Berlin
Ich habe persönliche Erfahrungen seit 2006, bei mir und auch bei Patienten. Fälle von Psychosen habe ich bisher noch nie bobachtet, sie wären wahrscheinlich bei den Betroffenen auch ohne das Medikament beobachtet worden. Mehrmals habe ich verschiedene Grippeattacken von 2006 bis vor 1 Tag mit Tamiflu erfolgreich behandelt. Die Wirkung erfolgt fast sofort, am 3. Tag dürfte die Grippe vorbei sein, zur Sicherheit werden 5 Tage empfohlen. Hatte jetzt Freitag wieder eine schlimme Grippe, mit Tamiflu war bis So. schon wieder alles ok., jetzt am Montag bin ich wieder voll am arbeiten. Ich hab überhaupt in den 18 Jahren meiner Selbständigkeit nur 1/2 Tag wegen Krankheit gefehlt. Für Leute, die eine Grippe "selbst auskurieren" wollen und sich ruhig mal 5-7 Krankentage auf Kosten der übrigen Versicherten und Mitarbeiter in der Firma krankschreiben wollen ist da natürlich nichts. Auch bei meinen Patienten hatte ich nie Beschwerden.
http://en.wikipedia.org/wiki/New_Cross_double_murder
http://www.google.de/search?q=Gabriel+Ferez++Laurent+Bonomo&hl=de&lr=&client=opera&rls=de&as_qdr=all&prmd=ivnso&ei=8BwPTY-rI8KRjAfv__XEDg&start=10&sa=N
Absolut korrekt, was Sie schreiben. Nur es geht mit der Schamlosigkeit weiter: Siehe Schweinegrippe. Die Pharmaindustrie sitzt ebenfalls in der WHO, ergo hat man darauf gedrängt die Pandemie - Richtlinien so zu lockern, dass der Pandemiefall schon wesentlich früher ausgelöst wurde. Nachvollziehbar, weil man zu recht fürchtete, dass diese "Pandemie" auf der Südhalbkugel - dort ist Winter, wenn bei uns Sommer ist - gar keine war. Hinzu kommt, bezogen auf Tamiflu, dass der Patent-Inhaber der Fa. Hoffmann-La Roche die Lizenz entziehen wollte, weil dieser Konzern zu geringe Mengen in Europa verkauft hat. Da kam die Schweinegrippe gerade recht. Übrigens, bei diesem Schurkenstreich soll ein gewisser Herr Donald Rumsfeld - genau der - aktiv involviert gewesen sein. So habe ich jedenfalls in den Nachrichten gehört.
Es wäre gut zu wissen, wann und wo Herr Jefferson das gesagt oder geschrieben hat. Seine Kritik ist und die Diskussion um die Datentransparenz sind so neu nicht. Gibt es neue Daten, die den Vorwurf der Datenmanipulation belegen? Wenn ja wo?
Die einen zahlen, die anderen bekommen. Wenn es nicht genug ist, lassen sich neue Ängste und notfalls Viren finden, falls das Alarmsystem der hartnäckig Gesunden schon zu genau sortiert.
Die vielen Ärzte und anderen Heilkundigen, die sich tagtäglich den Kopf zerbrechen, wie sie ihren Patienten am besten helfen können, können nicht auch noch als Rechtfertigung dafür herhalten, dass mit krimineller Energie und einem entsprechenden organisatorischen Geschick, Milliarden aus einem System abgeschöpft werden. Mit den Beitragszahlungen könnte das Gesundheitsystem ganz andere Spielräume bekommen, würden die Hintertüren für kriminelle Machenschaften endlich verriegelt.
Die Macht der Abräumer auf Kosten der Gesundheit ist keine absolute Größe und kann sehr schnell auf ein harmloses Häufchen reduziert werden, wenn Ernst gemacht wird mit den gesetzlichen Möglichkeiten, die es längst gibt.
Dazu brauchen wir einen Konsens über Anspruch und angemessene Leistung und eine Regierung, die ernst macht mit ihrem Auftrag, der Allgemeinheit zuerst und vor allem zu dienen.
Paging