Golf von Mexiko Mysteriöses Fischsterben in Louisiana

Millionen Meerestiere treiben tot in einem Flussarm nahe dem Mississippi-Delta. Die Behörden vermuten einen Zusammenhang mit der Ölpest im Golf von Mexiko.

Von Camilo Jiménez

Millionen Meerestiere sind im alten Flussarm Chaland nahe dem Mississippi-Delta in den USA tot aufgefunden worden.

Die Wasserpolizei des Landkreises Plaquemines im Bundesstaat Louisiana verbreitete am Dienstag Fotos, auf denen ein Teppich lebloser Fische, Krebse, Krabben, Stachelrochen und Aale zu sehen war.

Sogar ein neugeborener Wal trieb an der Oberfläche des Gewässers. Vertreter lokaler Behörden forderten eine sofortige Aufklärung der Angelegenheit. Sie befürchten, dass das Massensterben im Zusammenhang mit der Ölpest im Golf von Mexiko steht.

Die Ursache des von US-Medien bereits als "Extreme Fish Kill" bezeichneten Phänomens ist bislang unbekannt. So ein massives Fischsterben findet in der Regel nur dann statt, wenn ein Sauerstoffmangel in seichtem Gewässer auftritt.

Dies könne Öl auf der Wasseroberfläche möglicherweise verursachen, sagte Ed Overton, ein Umwelt-Experte der Louisiana State University, am Mittwoch dem britischen Sender BBC.

Seit der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon senkten Mikroben den Sauerstoffgehalt in weiten Küstenabschnitten des Mississippi-Deltas, so Overton. Er weist allerdings auch auf weitere mögliche Ursachen hin. Warme Temperaturen und zu wenig Wind im August und September könnten ebenso zu einer Verringerung des Sauerstoffes im Wasser beitragen.

Der Landrat von Plaquemines, Billy Nungesser, der den Einsatz der Wasserpolizei am Dienstag leitete, sprach vom bislang größten Fischsterben an der Mündung des Mississippi.

Nungesser sieht den Verdacht auf einen Zusammenhang mit dem BP-Ölleck dadurch gestärkt, dass Ölfilme zwischen den Tier-Kadavern auf den Bildern zu erkennen seien.

Nungesser hat deshalb die US-Wetter- und Ozeanographiebehörde NOAA sowie die US-Umweltbehörde EPA um ausführliche Untersuchungen gebeten. Biologen des Amts für Erhaltung der Natur und ihrer Artenvielfalt in Louisiana sind bereits vor Ort und führen Tests mit den toten Tieren durch.

Nachdem die Ölbohrplattform Deepwater Horizon im vergangenen April in Folge einer Explosion untergegangen war, strömten 4,9 Millionen Barrel (780 Millionen Liter) Öl in das Meer.

Die daraus resultierende Ölpest bedrohte Meeresfauna und -flora im Golf von Mexiko sowie im Flussdelta des Mississippi. Das britische Unternehmen BP, in dessen Auftrag die Firma Transocean die Bohrinsel betrieben hatte, wird seitdem des Versagens und schwerwiegender Fehler bezichtigt.

Es ist wohl das erste Mal, dass sich ein solch massives Fischsterben an den Küsten Louisianas ereignet. Bewohner der von der Fischindustrie stark abhängigen Gegend beklagen bereits seit Monaten, wie heftig die Ölpest ihre Arbeit beeinträchtigt.

BP zahlte bislang Entschädigungen in Höhe von 347 Millionen Dollar an Betroffene in der Region.

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