Verdacht der Untreue Griechischer Chef-Privatisierer gibt auf

Schatten der Vergangenheit erschweren den Neuanfang: Takis Athanasopoulos ist für den Ausverkauf Griechenlands zuständig, zu dem die internationalen Geldgeber den Staat zwingen. Nun tritt er nach nur einem halben Jahr zurück - weil er Millionen Euro veruntreut haben soll.

Von Christiane Schlötzer

Der Chef der griechischen Privatisierungsbehörde, Takis Athanasopoulos, ist nach nur gut sechs Monaten im Amt am Samstagabend überraschend zurückgetreten, ebenso wie der Generalsekretär des Finanzministeriums, Giorgos Mergos. Die Spitzenbeamten reagierten damit auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue, wie die griechische Zeitung Kathimerini berichtete.

Die Vorwürfe betreffen die frühere Tätigkeit von Athanasopoulos und Mergos für den mehrheitlich staatlichen Stromkonzern DEI. Beide waren dort in verantwortlicher Position tätig, als im Jahr 2007 ein griechisches Privatunternehmen mit dem Bau eines 250 Millionen Euro teuren Gaskraftwerks auf der Insel Euböa beauftragt wurde. Aus dem Vertrag soll DEI ein Verlust von 100 Millionen Euro entstanden sein. Beide Männer bestreiten, zum Schaden des Staates gehandelt zu haben.

Insgesamt wird gegen elf frühere DEI-Verantwortliche ermittelt, unter ihnen ist auch der gegenwärtige Chef des größten griechischen Gewerkschaftsverbandes. Bei Untreue im Amt drohen hohe Haftstrafen. Ein Gericht in Thessaloniki hatte erst jüngst den langjährigen Ex-Bürgermeister der Stadt deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt. Laut Transparency International sind 2012 in Griechenland insgesamt 420 Millionen Euro Schmiergelder geflossen, nach 2011 noch 554 Millionen Euro.

Für die staatliche Privatisierungsbehörde ist der erneute Personalwechsel an der Spitze ein herber Schlag. Griechenland liegt bei der Privatisierung von Staatsbetrieben weit hinter den Zeitplänen von EU und Internationalem Währungsfonds zurück. Athanasopoulos wollte bis Ende April den Verkauf der Gaskonzerne Depa und Desfa über die Bühne bringen. Zu den Bietern gehören zwei russische Interessenten, darunter Gazprom. Eine Entscheidung wird mit Spannung erwartet. Premier Antonis Samaras hatte erst jüngst noch versucht, auch französische Firmen zu Geboten zu motivieren.

Finanzminister Giannis Stournaras will, wie es in Athen hieß, rasch einen neuen Chef der Behörde ernennen, der dann noch vom Parlament bestätigt werden muss.