SZ-Wirtschaftsgipfel Kardinal Marx: Grundeinkommen ist "das Ende der Demokratie"

  • Das bedingungslose Grundeinkommen wird von seinen Befürworten als eine mögliche Antwort auf die Digitalisierung gesehen, die in Zukunft etliche Jobs überflüssig machen könnte.
  • Münchens Erzbischof Kardinal Marx lehnt die Einführung eines Grundeinkommens ab. Er betont stattdessen den Wert regulärer Arbeitsverhältnisse für die Menschen.
Von Jan Schmidbauer, Berlin

Kardinal Reinhard Marx hat sich gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ausgesprochen. Sie wäre das "Ende der Demokratie", sagte der Erzbischof von München und Freising in einem SZ-Interview, das im Rahmen des Wirtschaftsgipfels der Süddeutschen Zeitung in Berlin stattfand.

Befürworter des Grundeinkommens halten das Modell für eine geeignete Antwort auf die Digitalisierung, die in Zukunft etliche Arbeitsplätze überflüssig machen könnte. Den Menschen ein festes Einkommen zur Existenzsicherung zu zahlen, sei jedoch keine Lösung für das Problem, sagte Marx. "Die Arbeit ist nicht irgendetwas. Es gehört zur Grundkonstitution des Menschseins, dass ich für mich und meine Familie etwas schaffe, das von Wert ist." Schon jetzt könne man sehen, welche politischen Folgen es habe, wenn Menschen sich nicht mehr gebraucht fühlen. Die Einführung eines Grundeinkommens sei vor diesem Hintergrund "demokratiegefährdend".

Der Erzbischof, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, warnt dennoch vor den Folgen der Digitalisierung. Man müsse darauf achten, dass der Mensch weiterhin die Computer kontrolliere und nicht anders herum. Es könne "eine Einschränkung der Freiheit sein, wenn nicht mehr wir fragen, was richtig ist, sondern die Maschinen uns diese Entscheidung abnehmen", sagte er auf einer Podiumsdiskussion, die vorab stattfand. Die Gesellschaft müsse sich fragen: "Was ist uns unsere Freiheit wert?"

Die Technik sollte allerdings differenziert betrachtet werden. "Das iPhone macht mich nicht weniger religiös", sagte Marx, der beim Gespräch immer wieder sein eigenes Smartphone hervorzog. Sorgen mache ihm allerdings, die "Instrumentalisierung der Religion" durch die neue Technik.

Einhaltung der Klimaziele ist "ethisch geboten"

Kritisch äußerte sich Marx auch über die ungleiche Verteilung von Vermögen. "Wir müssen die politischen Folgen der Ungleichheit im Auge behalten", sagte er. Sie sei ein wichtiger Grund für den zunehmenden Nationalismus in vielen Staaten. Diese Entwicklung sei besorgniserregend.

Marx kritisierte zudem die Auswirkungen des Kapitalismus auf das Klima. Man müsse "die ökologischen Folgen" ernst nehmen, sagte er vor dem Hintergrund der Weltklimakonferenz in Bonn, die am Freitag zu Ende ging. Die Einhaltung der Ziele von Paris sei "ethisch geboten".

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