Streit über Zwangsabgabe Zyperns Banken bleiben bis Dienstag geschlossen

Jetzt ist es offiziell: Angesichts der drohenden Staatspleite Zyperns bleiben die Banken des Landes noch bis Dienstag geschlossen. Gleichzeitig wird weiter nach Lösungen gesucht, um den Bankrott des Inselstaates doch noch abzuwenden.

Fliegt Zypern aus der Euro-Zone? Wendet sich der Staat Russland zu? Oder fügt das Parlament sich doch noch dem Druck Europas und segnet die Zwangsabgabe für die Kontoinhaber des Landes ab, damit die Euro-Hilfen fließen? Dass Zyperns Parlament das umstrittene Gesetz Dienstagnacht durchfallen ließ, verschärft die Unsicherheit über die Zukunft des Euro-Staates. Kein einziger Abgeordneter stimmte für das Gesetz.

  • Die Euro-Finanzminister verlangen, dass die Bankkunden - die größten Kapitalgeber der Institute - 5,8 Milliarden Euro beitragen sollen. Nur dann bekommt Zypern Notkredite aus dem Euro-Rettungsfonds in Höhe von zehn Milliarden Euro.
  • Zyprische Banken haben in der Vergangenheit mit hohen Zinsen und niedrigen Steuern Kapital angelockt - darunter wohl auch Schwarzgeld, vieles davon mutmaßlich aus Russland. Zyperns Finanzminister ist für Verhandlungen über Kapitalhilfen nach Moskau geflogen.

18:16 Uhr Banken bleiben bis kommenden Dienstag geschlossen

Jetzt ist es amtlich: Angesichts der drohenden Staatspleite Zyperns bleiben die Banken des Landes noch bis Dienstag kommender Woche geschlossen. Dies teilte die zyprische Zentralbank am Mittwochabend in Nikosia nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Banken hatten eigentlich am Donnerstag wieder öffnen sollen. 

16:44 Uhr Zahlenspiele in Zypern

Welche Sparer haben wie viel Geld auf zyprischen Konten? Die Analysten der Bank Barclays haben die EZB-Daten aufbereitet. Man sieht: 27 Prozent der Einlagen liegen auf Konten der Kleinsparer, mit Summen unter 20.000 Euro. Zahlen sie die Zwangsabgabe nicht, fallen 1,2 Milliarden Euro weg. Zypern soll insgesamt 5,8 Milliarden Euro zusammenbekommen. Würden alle Konten unter 100.000 Euro verschont - die Marke der gesetzlichen Einlagensicherung -, fehlten 2,1 Milliarden Euro. Die könnten dann die Reichen stemmen: 42 Prozent der Guthaben liegen auf Konten mit mehr als 500.000 Euro - insgesamt 28,7 Milliarden Euro. Mit dieser Summe könnte sich Zypern komplett sanieren, ohne Notkredite aus dem Euro-Rettungsschirm.

15:17 Uhr Zypern bespricht "Plan B" mit Frankreich

Die Kanzlerin bleibt hart, aber Frankreichs Regierung gilt als zugänglicher, wenn es um die Nöte der Krisenstaaten geht. Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades hat mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande über die Lage in seinem Land beraten. Im Mittelpunkt standen nach Angaben des Büros von Anastasiades die Bemühungen Zyperns, mit einem "Plan B" die nötigen 5,8 Milliarden zu finden, die Voraussetzung für weitere Hilfen der EU sind. Nikosia habe Paris um Hilfe gebeten, hieß es. Eine Regierungssprecherin hatte zuvor über die Zwangsabgabe auf zyprische Bankguthaben gesagt: "Die Geschichte zeigt, dass es ein Fehler war, das Projekt dem Parlament so vorzulegen, wie es die zyprische Regierung getan hat." Der Widerstand der Bevölkerung gegen die Belastung von Kleinguthaben sei legitim.

Wie könnte so ein Plan B aussehen? Die internationalen Kreditgeber verlangen, dass Zyperns "interne Ressourcen" in Höhe von 5,8 Milliarden Euro beisteuert. Diese Bedingung wird wohl kaum aufgeweicht. Die Summe könnte auch nur von Großinvestoren mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro kommen. Sie könnten das Geld wie bisher geplant als Steuer abgeben, die dann etwas über 15 Prozent betragen müsste. Zypern könnte ihnen jedoch etwas anbieten, um die Verluste auszugleichen: etwa Sparbriefe in gleicher Höhe, die das Geld jahrelang für die Banken sichern. Die Investoren kämen dann erst in fünf oder zehn Jahren wieder an ihr Geld - immerhin wäre es nicht weg. Die zyprischen Banken könnten sich in dieser Zeit erholen. Das ist das Modell, das der erfahrene Anwalt und Staatsschulden-Spezialist Lee Buchheit vorgeschlagen hat.

Um Geld für den Betrag von 5,8 Milliarden Euro zusammenzubekommen, könnte Zypern auch seine Staatsschulden später zurückzahlen und Privatisierungen vorantreiben. Das allein würde aber lange nicht reichen. Das Land könnte zudem seinen mutmaßlichen Gasschatz veräußern. Außerdem gibt es immer wieder Gerüchte, dass russische Investoren an einer Bank in Zypern interessiert sein könnten. Doch das dementiert Zypern scharf.

15:10 Uhr Welche Rolle spielt nun der Bundestag?

Ob Zypern an die zehn Milliarden an Notkrediten kommt, hängt auch davon ab, wie deutsche Abgeordnete entscheiden. Der Bundestag muss Zypern-Hilfen zweimal zustimmen - erst den weiteren Verhandlungen über Details eines Rettungspakets und später erneut dem endgültigen Hilfsprogramm. Zunächst muss aber das zyprische Parlament entsprechende Grundlagen beschließen. Das hatten die Abgeordneten am Dienstag aber abgelehnt. Sollte sich dort noch eine Mehrheit finden, bringt das Bundesfinanzministerium einen Antrag auf Zustimmung zu den grundsätzlichen Eckpunkten eines Hilfsprogramms in den Bundestag ein. Nachdem er zugestimmt hat, kann die Regierung mit den internationalen Geldgebern Details ausarbeiten. Dann muss der Bundestag abschließend über die konkreten Hilfen aus dem Rettungsfonds ESM abstimmen. Diese zwei Stufen schreibt das deutsche ESM-Gesetz vor. Anschließend kann der ESM-Gouverneursrat das Programm beschließen, sofern auch Parlamente in anderen Euro-Ländern das Rettungspaket bewilligt haben.

14:40 Uhr Schwedens Finanzminister: "Zypern bleiben nur noch die Strände"

Mögen die Strände in Zypern: Schildkröten

Mögen die Strände in Zypern: Schildkröten

(Foto: REUTERS)

Von der Steueroase zur Wellness-Oase: Zyperns Volkswirtschaft muss sich neu ausrichten, fordert der schwedische Finanzminister. Die Insel habe nur noch eine Wirtschaftsgrundlage: die schönen Strände. In Zypern gebe es "nur den Finanzsektor und Strände", sagte Anders Borg laut Svenska Dagbladet. "Jetzt, wo der Finanzsektor am Ende ist, gibt es nur noch die Strände."

13:23 Uhr Bis zu 20 Milliarden aus der Ukraine auf zyprischen Konten

Die Ukraine könnte von einer möglichen Pleite des Euro-Krisenlandes Zypern stärker betroffen sein als erwartet. Schätzungen ehemaliger Top-Banker zufolge haben Unternehmen und Privatleute aus der Ex-Sowjetrepublik zwischen 10 und 20 Milliarden Euro auf zyprischen Konten geparkt. Das könnte Verluste von bis zu 200 Millionen Euro für die Ukraine bedeuten, wie Medien in Kiew berichten. Zunächst war von niedrigeren Beträgen die Rede gewesen. Angeblich sollen viele ukrainische Kontoinhaber wegen ihrer slawischen Namen für Russen gehalten worden sein.

13:01 Uhr Banken könnten bis Dienstag geschlossen bleiben

Angst vor Panik: Die Banken auf Zypern bleiben mindestens bis Donnerstag geschlossen, möglicherweise sogar bis Dienstag, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf zyprische Offizielle. Nach der Zurückweisung des EU-Hilfspakets  durch das Parlament sieht der zyprische Innenminister Sokratis Hasikos zwei zyprische Großbanken vor dem Abgrund. Bei einer Telefonkonferenz am Dienstagabend hätten Troika-Vertreter "im Prinzip gesagt, dass die Bank of Cyprus und die Cyprus Popular Bank voraussichtlich nicht wieder öffnen werden".

11:58 Uhr Merkel: Vermögende sollen Zwangsabgabe zahlen

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) äußert sich erstmals zur Abstimmung im zyprischen Parlament. Merkel bedauert demnach das Nein der Abgeordneten. Die Euro-Gruppe habe klar gemacht, dass sie Sparguthaben bis 100.000 Euro nicht habe belasten wollen, sagte Merkel. Über diese Summe hinaus müssten Anleger aber einen Beitrag leisten. Der Bankensektor dürfe nicht außen vor bleiben.

Dass auch Sparer mit einem Vermögen unter 100.000 Euro zahlen sollen, hatte für viel Empörung gesorgt. Doch die Regierung in Zypern wollte offenbar Großinvestoren zulasten der Kleinsparer schonen, um die reichen Anleger nicht zu verschrecken. Merkel fordert Zypern auf, alternative Lösungsansätze zu präsentieren. "Wir werden jetzt sehen, welche Vorschläge Zypern der Troika macht", sagte sie.

Kurze Zeit später ergänzte sie, dass sie mit schwierigen Verhandlungen rechne: "Es liegen noch harte Gespräche mit Zypern vor uns", sagt Merkel vor Wirtschaftslenkern bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsverbandes DIHK in Berlin.

11:55 Uhr Deutschland kommt billig an Geld

Von der Unsicherheit in der Euro-Peripherie profitiert wieder einmal Deutschland. Der Bund konnte sich günstiger Geld leihen, weil Investoren in deutschen Staatspapieren vergleichsweise sichere Geldanlagen sehen. In der Versteigerung einer zehnjährigen Bundesanleihe begnügten sich Anleger mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,36 Prozent. Im Februar hatte Deutschland dafür noch 1,66 Prozent Zinsen bieten müssen. Insgesamt brachte die Versteigerung Deutschland knapp 3,4 Milliarden Euro ein. Die Nachfrage übertraf das Angebot um das 1,6-fache, die Auktion im Februar war 1,2-fach überzeichnet.

11:50 Uhr Der Bankier Gottes

Erzbischof Chrysostomos

Erzbischof Chrysostomos

(Foto: dpa)

Das Angebot von Erzbischof Chrysostomos II., seinem Land mit dem ganzen Vermögen der zyprisch-orthodoxen Kirche zu helfen, überbrachte er mit nationalistischen Untertöne. Seit längerem wettert er gegen die internationalen Geldgeber. Am Wochenende rief er zum Austritt aus der Euro-Zone auf. Nun sagte er nach seinem Treffen mit Präsident Nikos Anastasiadis: "Der gesamte Reichtum der Kirche steht dem Land zur Verfügung, damit wir auf unseren eigenen zwei Füßen stehen können und nicht auf denen von Ausländern." Chrysostomos  wehrt sich gegen Europas Eingriffe in das zyprische Finanzsystem - keineswegs ohne Eigeninteresse. Seine Kirche hält fast ein Drittel der Anteile an Hellenic, der drittgrößten Bank des Landes und ist damit größter Anteilseigner. Der orthodoxen Kirche gehört außerdem teilweise die größte Brauerei des Landes, KEO. Alles schöner Besitz - doch bei weitem nicht genug, um die Milliarden der Bankkunden und aus dem Euro-Rettungsfonds zu ersetzen, die Zypern dringend braucht.

11:09 Uhr EZB droht Zypern mit Banken-Infarkt

Euro-Symbol vor der EZB in Frankfurt

Euro-Symbol vor der EZB in Frankfurt

(Foto: Getty Images)

Laiki und Bank of Cyprus, die beiden größten Banken Zyperns haben sich verzockt. Mit hohen Zinsen lockten sie in- und ausländische Anleger, im Schnitt bot das Finanzsystem des Landes fast fünf Prozent pro Jahr. Das ist mehr als fünf Mal so viel wie viele deutsche Banken bieten. Zyperns Banken hatten also hohe Ausgaben. Doch die Einnahmen brachen weg, als sie wegen ihrer griechischen Staatsanleihen hohe Verluste erlitten. Nun hält nur noch die Europäische Zentralbank die beiden großen Banken des Landes am Leben, mit der sogenannten Emergency Liquidity Assistance, kurz ELA In der Bilanz der zyprischen Zentralbank sind die ELA-Milliarden im Punkt "Verbindlichkeiten im Intra-Euro-System" versteckt (PDF). Dort sind 7,5 Milliarden Euro genannt.

So versorgt die EZB Banken mit Geld, die nach den üblichen Spielregeln keins mehr bekommen. Es ist eine Ausnahme für Krisenstaaten. Jetzt wird sie zur Drohung: Die EZB mahnt Zypern, dass das Rettungspaket kommen muss - und damit auch eine Beteiligung der Sparer, die größter Kapitalgeber zyprischer Banken sind. Nachdem das Parlament die Zwangsabgabe abgeschmettert hat, erklärte die EZB zunächst, Zypern weiter mit ELA-Krediten zu vorsorgen, "innerhalb der bestehenden Regeln." An diesem Mittwoch berät der EZB-Rat der Nachrichtenagentur dpa zufolge, wie die Währungshüter weiter vorgehen wollen. Stoppt die EZB die ELA-Versorgung, wären die beiden Banken wohl sofort insolvent. Viele Sparer, von der zyprischen Rentnerin bis zum russischen Großinvestor, würden alles verlieren.

In einem Interview mit der Zeit weist EZB-Direktor Jörg Asmussen den Vorwurf zurück, die EZB setze Zypern unter Druck. Man habe lediglich "sachlich darauf hingewiesen", unter welchen Bedingungen die EZB ihre Hilfskredite vergeben könne. Er sagt aber auch: Die Notenbank könne "Notfallliquidität nur solventen Banken gewähren". Die Solvenz der zyprischen Banken müsse aber "als nicht gegeben angesehen werden, wenn nicht bald ein Hilfsprogramm für Zypern beschlossen wird, das eine rasche Rekapitalisierung des Bankensektors gewährleistet."

10:54 Uhr Euro-Gruppe bereit für Nottreffen

Die Euro-Gruppe steht für ein schnelles Treffen bereit, sollte Zypern einen Alternativplan zur Lösung seiner Finanzprobleme vorlegen. Die Euro-Finanzminister könnten sich noch diese Woche treffen, allerdings "nur wenn Zypern konkrete Vorschläge macht", sagte ein ranghoher Vertreter der Euro-Gruppe in Brüssel der Nachrichtenagentur AFP. Wann damit zu rechnen ist, sei "unklar, sicher aber nicht heute".

10:42 Uhr "So bleiben die Hände der Deutschen sauber“

Seine Stimme hat noch gefehlt: Paul Krugman, Nobelpreisträger und Blogger, hat immer eine pointierte Meinung, wenn es um Ökonomie geht. Natürlich auch, wenn es um Zypern und die Deutschen geht. In einem kurzen Satz-Stakkato fasst er seine Ansichten zusammen: "Die Deutschen wollen nicht, dass Zypern kollabiert/aus dem Euro geht, aber sie wollen auch nicht, dass deutsche Steuerzahler russische Geldwäscher retten. Sie haben also Zypern erpresst, dass zyprische Bankkunden russische Geldwäscher retten. So bleiben die Hände der Deutschen sauber." Krugman ist seit langem Kritiker der deutschen Krisenstrategie, überschuldete Staaten mit harten Sparprogrammen zu sanieren.

09:56 Uhr Ringen um den Moskau-Deal

Zypern hat sich noch nicht mit der russischen Regierung über die Verlängerung eines Kredits geeinigt. Es gebe noch keine Entscheidung, die Gespräche gingen weiter, sagte Finanzminister Michael Sarris nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Anton Siluanow in Moskau. "Wir hatten eine sehr ehrliche Diskussion, wir haben unterstrichen, wie schwierig die Lage ist", sagte Sarris. "Es gab keine Angebote, nichts Konkretes. Wir sind zufrieden mit einem guten Auftakt." Sarris hofft auf Hilfen aus Russland, nachdem das zyprische Parlament das Hilfspaket von EU, EZB und IWF abgelehnt hat. Der Staat bittet Russland um eine Verlängerung eines Kredits von 2,5 Milliarden Euro um fünf Jahre und um einen Zinsnachlass.

09:49 Uhr Hintergründe zu Zypern – Artikel von SZ-Autoren

09:36 Uhr Anleger auf Finanzmärkten entspannt

Die Ablehnung der Auflagen für EU-Hilfsgelder durch Zyperns Parlament hat die Dax-Anleger nicht irritiert. Der deutsche Leitindex legte zur Eröffnung um 0,6 Prozent auf 7995 Punkte zu. Zu den größten Gewinnern zählten Deutsche Bank und Commerzbank, die jeweils etwa zwei Prozent zulegten. Die Aktien der beiden Geldhäuser hatten in den vergangenen Tagen wegen des Streits um die Zwangsabgabe kräftig verloren.

09:35 Uhr Sprachlos

Wie sprachlos das zyprische "Nein" die internationalen Geldgeber machte, zeigt das Statement von Jeroen Dijsselbloem, Chef der Euro-Gruppe. Es besteht aus genau zwei nichtssagenden Sätzen: "Ich nehme die Entscheidung des zyprischen Parlaments zum Regierungsvorschlag über eine einmalige Stabilitäts-Steuer zur Kenntnis. Ich bestätige, dass die Euro-Gruppe bereitsteht, Zypern in seinen Reformbemühungen zu unterstützen und wiederhole die Position der Euro-Zone, wie ich sie gestern schon erklärt habe." (PDF)

09:24 Uhr Mit 80.000 Euro "nicht der Ärmste der Armen“

Grünen-Chef Cem Özdemir hält die geplante Zwangsabgabe in Zypern trotz der Ablehnung durch das dortige Parlament für richtig. "Der Eigenanteil Zyperns muss bleiben", sagte er im Deutschlandfunk. Allerdings müsse man Einlagen von mehr als 100.000 Euro noch stärker belasten als mit 9,9 Prozent wie bisher geplant. Ersparnisse unterhalb der 100.000 Euro-Grenze sollten Özdemir zufolge nicht komplett von der geplanten Zwangsabgabe ausgeschlossen werden: "Wer 80.000 Euro auf der hohen Kante hat, ist jetzt nicht der Ärmste der Armen", sagte er. "Wenn der einen Beitrag leistet, der vermutlich unterhalb dessen ist, was er an Zinserlösen hat, dann wird er nicht verarmen."

09:12 Uhr Hilfe von oben

Die zyprische Kirche bietet dem Staat zur Überwindung der Krise ihr gesamtes Geld an. "Die Kirche und die Klöster werden für die Rettung des Landes alles zur Verfügung stellen", sagte der zyprische Erzbischof Chrysostomos nach einem Treffen mit Staatspräsident Nikos Anastasiades. 

09:08 Uhr Banken bleiben bis Dienstag dicht

Die zyprischen Banken werden voraussichtlich bis Dienstag geschlossen bleiben. Zudem soll es für unbestimmte Zeit Einschränkungen für Überweisungen ins Ausland geben. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen der Regierung und der Zentralbank, offiziell wurde dies jedoch nicht bestätigt. Eine Erklärung solle am Mittwochnachmittag ausgegeben werden. Die Banken sollen auch am Donnerstag und Freitag geschlossen bleiben. Sie sind bereits seit fünf Tagen dicht. Die Commerzbank warnte bereits, dass Geld für Privatleute und Firmen knapp werden könnte.

08:57 Uhr EZB-Notkredite als Druckmittel

Druck auf Zypern, die Zwangsabgabe einzurichten, machen die reichen Euro-Staaten vor allem über die EZB. Sie drohen, die - offiziell unabhängige - Zentralbank werde ihre Kredit-Notversorgung ELA (Emergency  Liquidity Assistance) für zyprische Banken kappen. Das sagte am Morgen die österreichische Finanzministerin Maria Fekter. Auch Wolfgang Schäuble hatte Zypern Dienstagnacht im ZDF nochmals "erinnert",  dass einige Banken der Insel von der EZB abhängig seien.

08:45 Uhr Morgen in Nikosia

In Nikosia beginnt der Tag mit Geschacher und bestem Wetter, meldet Matina Stevis, Korrespondentin des Wall Street Journal.

08:34 Uhr Hoffen auf Russland

Zypern setzt nach der Ablehnung des Hilfspakets von EU, EZB und IWF auf Hilfen aus Russland. Er hoffe, dass noch heute eine Vereinbarung über einen russischen Kredit zustande komme, sagte Finanzminister Michael Sarris, der sich derzeit in Moskau aufhält. Er trifft dort Finanzminister Anton Siluanow. Zypern hatte Russland um die Verlängerung eines Kredits im Volumen von 2,5 Milliarden Euro um fünf Jahre sowie um einen Zinsnachlass gebeten.

08:10 Uhr Plan für den Ernstfall

Zypern arbeitet mit den internationalen Geldgebern an Notfallplänen, um den Bankensektor des Landes vor einem Kollaps zu bewahren und zu verhindern, dass zu viel Kapital ins Ausland geschafft wird. Dem Wall Street Journal zufolge sollen tägliche Abhebungen begrenzt werden, Überweisungen ins Ausland gedeckelt und verlangsamt werden. Der Zoll soll außerdem strenger überwachen, dass Passagiere nicht zu viel Bargeld ins Ausland transportieren. Der Internationale Währungsfonds arbeitet dem Bericht zufolge außerdem an einem Plan, die beiden größten Banken des Landes zu fusionieren, um sie zu retten: Laiki und Bank of Cyprus. Sie stehen ohne Notfallhilfe der EZB vor der Pleite. Allerdings ist unklar, inwieweit sich die europäischen Institutionen engagieren werden, wwenn das Parlament Brüssels Rettungsplan weiterhin ablehnt. Der zyprische Notenbankchef hatte am Dienstag gewarnt, nach Wiedereröffnung der Banken im Land könnten innerhalb kürzester Zeit zehn Prozent der Bankeinlagen aus dem Land gebracht werden.

08:03 Uhr Wem gehört das Geld auf Zyperns Konten?

Kurzer Überblick über das Geld auf zyprischen Konten: Ein Drittel der Guthaben von 68 Milliarden Euro sollen Ausländer halten, vor allem reiche Russen und Briten. Die Pro-Kopf-Einlagen in Zypern sollen nach Angaben aus Finanzkreisen bei 36.300 Euro liegen. Zum Vergleich: Im Euro-Durchschnitt hat ein Bürger etwa 18.600 Euro auf dem Konto, der deutsche Sparer hat 22.200 Euro. Deutsche Banken bieten bei Geldanlagen bis zu zwei Jahren Laufzeit einen Zins von durchschnittlich 1,57 Prozent, in Zypern sind es 4,43 Prozent.

07:57 Uhr Gabriel gibt Merkel Mitschuld an "Teilenteignung"

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel flankiert seinen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück bei dessen Angriff auf die Bundesregierung: "Angela Merkel ist mitverantwortlich dafür, dass in Zypern Kleinsparer die Zeche zahlen sollen - aber die Bankeigentümer ungeschoren davonkommen", sagte Gabriel Spiegel Online. Die Kanzlerin habe zugelassen, dass erstmals in der Euro-Krise Kontoinhaber "faktisch teilenteignet" würden. Die Situation trage "Merkels Handschrift".

07:53 Uhr Großbritannien fliegt Geld ein - aber nur für Briten

Ein Militärflugzeug der britischen Royal Air Force bringt eine Million Euro nach Zypern - in bar. Das Geld diene der Notversorgung von Soldaten und anderen Mitarbeitern des Militärs sowie ihrer Angehörigen, falls das Bargeld auf der Insel ausgehe, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Auf Zypern leben etwa 3500 britische Militärs, zudem Regierungsangestellte und Zehntausende britische Zivilisten. Die Soldaten sollen in Zukunft darüber entscheiden können, ob ihnen der Sold an britische statt zyprische Banken überwiesen werden soll.

07:52 Uhr Euro schwach, aber stabil

Der Kurs des Euro hat am Mittwochmorgen nach dem Scheitern des Rettungspakets für Zypern weiter unter 1,29 US-Dollar notiert. Am Dienstagnachmittag war der Euro vor der Parlamentsentscheidung bis auf 1,2846 US-Dollar gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit etwa drei Monaten.

07:44 Uhr Steinbrück attackiert Merkel und Schäuble

In Deutschland ist die Debatte über Zypern voll entbrannt und Teil des Bundestagswahlkampfes. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bezeichnet die Zwangsabgabe für kleine Sparer als "eklatanten politischen Fehler". Sie habe Ängste ausgelöst, die "die Krise noch verschärft" hätten. Steinbrück sagt, das Rettungspaket sei "unter maßgeblicher Mitwirkung von Finanzminister Schäuble und mit Billigung der Bundeskanzlerin" konstruiert worden. Steinbrück bekräftigte, dass auch Aktionäre und Anleger der Banken in Zypern zu beteiligen seien. Die Last dürfe "nicht allein dem Steuerzahler" aufgebürdet werden.