Steuerpläne von Donald Trump Trumps wirre Wirtschaftspläne

Ein heftiges Gewitter über Chicago: Trumps Wirtschaftspolitik könnte die USA in schwere Kapriolen stürzen.

(Foto: AFP)

Der US-Präsident will mit neuen Schulden und Steuersenkungen die Wirtschaft wachsen lassen und das Handelsdefizit abbauen. Aber all das gleichzeitig ist gar nicht möglich.

Kommentar von Nikolaus Piper

Zu den schönsten Begleiterscheinungen der Ära Trump gehört es, dass Journalismus wieder sehr spannend geworden ist. Trump und FBI-Chef James Comey, Trump und die geheimnisvollen Plaudereien mit dem russischen Außenminister - hier laufen die Washington Post und die New York Times zu Höchstform auf. Oder der Economist: Die Kollegen aus London hatten ein Interview mit Donald Trump, Finanzminister Steven Mnuchin und Wirtschaftsberater Gary Cohn gleichzeitig bekommen. Die Mitschrift stellte der Economist unredigiert ins Netz. Das Dokument lohnt die Lektüre, nicht nur aus ökonomischen Gründen.

An einer Stelle fragen die Interviewer den Präsidenten, ob er es denn okay finde, wenn seine Steuersenkungen, wie absehbar, das Haushaltsdefizit erhöhten. Das sei völlig okay, antwortet er, denn das Defizit werde ja nur zwei Jahre lang steigen. Dann fügt er den Satz hinzu: "We have to prime the pump", was man übersetzen könnte mit: "Wir müssen die Pumpe in Gang setzen." Eine schöne Metapher, von der Trump umgehend behauptete: "Ich habe (den Ausdruck) vor ein paar Tagen erfunden und ich dachte mir, der ist gut. Das ist es, was wir tun müssen."

Die Geschichte mag lustig sein. Sie hat aber auch einen ernsten Teil

Damit wurde aus dem Wirtschafts-Interview eine sehr typische Trump-Geschichte. Der Ausdruck priming the pump kommt ursprünglich aus der Landwirtschaft und bedeutet: eine Pumpe erstmals mit Wasser befüllen, damit sie in Gang kommt. Bereits in der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 wurde die Pumpe als Metapher auf die praktische Wirtschaftspolitik übertragen: Priming the pump bedeutet seither, dass der Staat Geld in die Hand nimmt, um die Konjunktur in Gang zu setzen, als Erstausstattung der Wirtschaft in einer Rezession gewissermaßen.

Der Präsident hat die Metapher also keinesfalls selbst erfunden. Sie war nachweislich schon unter den Präsidenten Herbert Hoover und Franklin D. Roosevelt in Gebrauch. Das Bild mit der Pumpe macht anschaulich, wie ein Konjunkturprogramm in der Tradition von John Maynard Keynes funktioniert. Vermutlich hat Donald Trump, so die freundliche Interpretation der New York Times, ganz einfach vor ein paar Tagen zum ersten Mal von der Metapher gehört und danach ernsthaft geglaubt, er habe sie erfunden.

Das ist der lustige Teil der Geschichte. Sie hat aber noch einen ernsten Teil. Das Interview des Economist macht deutlich, wie widersprüchlich die amerikanische Wirtschaftspolitik unter Trump geworden ist. Das fängt damit an, dass sich die Vereinigten Staaten, anders als zu den Zeiten, in denen die Metapher mit der Pumpe aufkam, nicht in der Rezession stecken. Im Gegenteil: Unter Trumps Vorgänger Barack Obama wurde eine große Depression abgewendet. Die Wirtschaft wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 2,3 Prozent, sie braucht keine Pumpe.