Quartalszahlen Deutsche Bank spart sich erfolgreich

Vor allem das Geschäft der Deutschen Bank in der Vermögensverwaltung läuft gut. Und auch das Investmentbanking hielt sich besser als erwartet.

(Foto: REUTERS)

Deutschlands größtes Geldhaus steht deutlich besser da als vor einem Jahr - vor allem dank eines rigiden Sparkurses. Hohe Steuern und juristische Risiken lasten aber auf dem Ergebnis.

  • Deutschlands größtes Kreditinstitut profitiert im zweiten Quartal vom laufenden Sparprogramm. Vor allem die Bereiche Vermögensverwaltung und Investmentbanking laufen gut.
  • Eine gestiegene Steuerlast sowie Rückstellungen für möglicherweise teure Rechtsstreitigkeiten drücken aber den Gewinn.
  • Entgegen Medienberichten steht aber keine Ausweitung des Sparprogramms auf dem Plan.
  • US-Behörden durchleuchten die Aktivitäten der Bank im Hochfrequenzhandel.

Quartalsergebnis besser als erwartet

Die Deutsche Bank hat ihre geschäftlichen Probleme im zweiten Quartal in den Griff bekommen. So steigerten die Frankfurter ihren Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 917 Millionen Euro. Damit übertraf das größte deutsche Geldhaus die Erwartungen von Analysten.

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Verantwortlich für das Ergebnis waren vor allem Kosteneinsparungen im Konzern. Zudem hielt sich das schwankungsanfällige Investmentbanking besser als gedacht. Deutliche Zuwächse gab es in der Vermögensverwaltung. Unter dem Strich stand aber dennoch ein deutlicher Rückgang des Netto-Gewinns um 29 Prozent auf 238 Millionen Euro. Das lag vor allem an einer wesentlich höheren Steuerlast als vor einem Jahr.

Keine weiteren Sparmaßnahmen

Über das laufende Programm hinaus seien aber keine weiteren Sparmaßnahmen geplant, hieß es am Dienstag weiter. Jüngste Medienberichte, wonach die Einschnitte nochmals vertieft werden könnten, seien "nicht korrekt", sagte der Finanzchef der Deutschen Bank, Stefan Krause, in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Das Geldhaus sehe sich beim laufenden Kostensenkungsprogramm auf Kurs. Bis Ende 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken. Bisher seien davon gut zwei Milliarden Euro geschafft. Zuletzt waren Berichte kursiert, wonach die Bank die Kosten bis Ende 2018 um zusätzliche 2,5 Milliarden Euro senken wolle.

Höhere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten

Zudem gab es dieses Mal erneut Aufstockungen bei den Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Sie wurden um 470 Millionen Euro auf 2,2 Milliarden Euro erhöht. Juristische Auseinandersetzungen bleiben einer der größten Unsicherheitsfaktoren für die Deutsche Bank: Im ersten Quartal hatte der Konzern noch darauf verzichtet, weiteres Geld zurückzulegen, nachdem zuvor einige wichtige Fälle durch teure Vergleiche gelöst und die Belastungen noch im vierten Quartal 2013 verbucht wurden.

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"Auskunftsersuchen" aus den USA

Zudem steht die Deutsche Bank genauso wie der Schweizer Konkurrent UBS nach eigenen Angaben wegen ihrer Rolle im Hochfrequenzhandel im Visier der Aufsichtsbehörden der USA. Die Frankfurter sprachen in ihrem Quartalsbericht von "Auskunftsersuchen" verschiedener Behörden und kündigten an, mit den Ermittlern zu kooperieren.

Zudem sei die Deutsche Bank auch von einer Sammelklage betroffen, die mehreren Banken Verstöße gegen die US-Wertpapiergesetze vorwirft. Zugleich berichtete die UBS von Untersuchungen der US-Behörden zu sogenannten "Dark Pools" und einer Sammelklage dazu. Dabei handelt es sich um von Banken betriebene anonyme Handelsplattformen, auf denen Käufer und Verkäufer ihre Orders nicht publik machen müssen, bevor sie ein Geschäft abgeschlossen haben. Genutzt werden die Börsen besonders von institutionellen Investoren, die große Aktienpakete unbemerkt kaufen oder verkaufen wollen. Bisher hatten Analysten nur spekuliert, dass die beiden Institute in die Ermittlungen verwickelt sein könnten.

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Lange Liste von Skandalen

Beobachter befürchten auch deshalb, dass Rechtsrisiken die Bank noch lange beschäftigen werden. So steht etwa in den USA noch eine Einigung im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze aus. Hinzu kommen weltweit laufende Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen von anderen wichtigen Finanzdaten - von Devisenkursen bis zu Preisen von Gold und Silber. Auch wegen möglicher Verstöße gegen US-Handelssanktionen bei Geschäften mit von den USA geächteten Staaten wie Iran droht eine Strafe.