Eine Analyse von Laura Gitschier

Kopierte Produkte sind ein einträgliches Geschäft für Fälscher - Staat und Wirtschaft werden massiv geschädigt. Der neueste Trend: gefälschte Lifestyle-Medikamente wie Viagra.

Hinter der Tür verbergen sich Schätze: "Hello Kitty"-Taschen, "Chanel"-Schminke, "Ferrari"-Jacken, dicke Pelzmäntel und goldene Rolex-Uhren - wie in einem gutausgestatteten Warenhaus. Überall in den Regalen glitzert und funkelt es. In der Ecke liegt dekadent ein ausgestopfter Puma.

Plagiat, Zoll, ddp

Illegale Produktkopien werden für deutsche Firmen und den Staat zu einem immer größeren Problem. (© Foto: ddp)

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Ein paar Räume weiter ein anderes Bild: Feinsäuberlich sortiert liegen hier dicht an dicht flache Briefumschläge, die so aussehen, als könnten sie Geburtstagskarten enthalten. An der Wand gegenüber: ordentlich gestapelte Kartons, Aktenordner.

Auf dem ersten Blick eine harmlose Szenerie. Ganz und gar nicht harmlos ist aber der Inhalt der Pakete. Beim Öffnen der Sendungen purzeln blaue Viagra-Pillen aus den beigefarbenen Umschlägen, runde Tablettendosen und gefälschte MP3-Player.

Das Jahr 2009 bot lukrative Monate für Fälscher - aber gleichzeitig auch für die Menschen vom Zoll. Im Vergleich zum Vorjahr meldet der Münchner Zoll im September bis jetzt schon genau so viele Aufgriffe wie im ganzen Vorjahr. Der Wirtschaftsschaden, der durch die entdeckten Waren verhindert wurde bis heute: rund 3,2 Millionen Euro - und das sind nur die Zahlen des Zolls der bayerischen Hauptstadt.

München ist kein Einzelfall. Hamburger Zöllner trauten diesen Sommer ihren Augen nicht: Im August fanden sie zwei große Container voller T-Shirts, Taschen, Gürtel und Schmuck, die aus China angeliefert wurden. Ein dicker Fang - sogar für die strapazierte Hamburger Behörde. Der verhinderte Schaden für die Wirtschaft: rund 400.000 Euro.

Ein paar Tage später bekamen auch die Dresdner Kollegen einen dicken Fisch an die Angel. Ein stattliches Sortiment an gefälschter Kleidung hatte sich ein 38-jähriger Mann zusammengestellt: In seiner Wohnung stapelten sich T-Shirts, Accessoires und Gürtel en masse, vorwiegend Kopien von Ralph Lauren und Dolce & Gabanna. Die Ware bot der Mann über Internet-Portale feil und gab sie - besonders dreist - als Originale aus. Mit den Plagiaten hatte er einen Umsatz von mehr als 750.000 Euro erzielt.

Drei Viertel aller Unternehmen betroffen

Produktplagiate werden für deutsche Unternehmen zunehmend zu einem Problem: Mehr als 75 Prozent aller Unternehmen sind regelmäßig von Fälschungen betroffen, wie die Agentur Fischer-Appelt ermittelt hat. Die Folgen sind massiv: Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gehen in Deutschland aufgrund der Markenpiraterie jedes Jahr gut 70.000 Arbeitsplätze verloren.

Der genaue volkswirtschaftliche Schaden durch Markenpiraterie ist schwer zu schätzen - auch wegen einer hohen Dunkelziffer. Der Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM), ein branchenübergreifender Verband deutscher und ausländischer Unternehmen, spricht deshalb auch von einer "Schattenwirtschaft".

Das Bundeswirtschaftsministerium hat einem aktuellen Forschungsbericht zufolge Piraterieschäden von bis zu 50 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft ermittelt. Der DIHK geht in seinen Hochrechnungen lediglich von 29 Milliarden Euro für die gesamte Wirtschaft aus. Egal wie hoch die Zahlen wirklich sind - sie tun weh: Durch die falschen Produkte gehen dem Staat Steuereinnahmen und Arbeitsplätze verloren, die Unternehmen büßen mit nicht gemachten Gewinnen und Marktanteilen.

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