Ökolandbau Bio-Bauer trifft Anleger

Bio-Gemüse wird immer beliebter. In Brandenburg tun sich Investoren und Bio-Bauern nun zusammen (Archivbild).

(Foto: dpa)
  • Die Preise für Ackerland sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass viele Bauern sich den Boden nicht mehr leisten können.
  • Nördlich von Berlin haben sich deshalb Bio-Landwirte und ökologisch orientierte Anleger zusammengetan, um Flächen zu kaufen und sie zu bewirtschaften.
  • Das Modell könnte Schule machen, der Bedarf dafür wäre da: Deutschland muss immer mehr Bio-Lebensmittel importieren.
Von Caspar Dohmen, Schorfheide

Die Schorfheide ist eine Kulturlandschaft wie aus dem Bilderbuch: viele Seen mit brütenden Kranichen, umrahmt von alten Buchenwäldern. Aber auch Ökobauern, die hier Angus-Rinder und schottische Hochland-Rinder züchten, prägen die Region. Einer von ihnen ist Stefan Palme. Der gebürtige Oberbayer hatte hier mit einem Partner 1996 das marode Gut Wilmersdorf übernommen und in einen ökologischen Vorzeigebetrieb verwandelt. Doch als Pachtverträge ausliefen, drohte ihm das Aus.

Die Bodenpreise haben sich mehr als versechsfacht

Der Bund wollte das Land nicht mehr verpachten, sondern verkaufen. Palme hätte zwar das Recht gehabt, einen Teil der Böden zu kaufen und bei Ausschreibungen mitzubieten, aber dafür fehlte ihm das Geld. Mitte der Neunzigerjahre hätte ein Hektar guten uckermärkischen Ackerbodens etwa 3000 Euro gekostet, sagt Palme. Heute seien es 20 000 Euro. Eine beträchtliche Rolle spielten dabei Spekulanten, die nach der Finanzkrise auf die Suche nach neuen Objekten gingen, und Agrarkonzerne, die auf den Anbau von Energiepflanzen setzen. Mais-Monokulturen bringen höhere Renditen als die Mischkulturen eines Biobauers, ergo kann man auch höhere Preise für Boden zahlen. Auch in der Uckermark gibt es riesige Maisfelder, auf denen die Giftspritze oft zum Einsatz kommt. Palme packte die Wut, weil sich alles nur noch ums Geld drehte und das umweltschonende Ökoland offenbar nichts mehr galt.

Wie ihm erging es zwölf anderen Bauern im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Aber anstatt zu resignieren, entwickelten sie eine Idee, die wegweisend für den ökologischen Anbau von Nahrungsmitteln sein könnte: ein Bündnis aus verantwortungsbewussten Anlegern und überzeugten Biobauern, die sich zum Ziel gesetzt haben, Ackerland dauerhaft für die ökologische Landwirtschaft zu sichern. Mit Hilfe eines Fonds, der ihre Flächen kauft. Das Besondere daran: "Wir wollten keine Anleger, die spekulieren und später Kasse machen wollen", erklärt Palme. Gesucht würden Leute, die diese Art der Landwirtschaft unterstützen wollten und sich mit einer maßvollen Rendite begnügten.

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Ein Fonds kauft das Land und verpachtet es an die Bauern

Die Bauern überzeugten auch die alternative GLS Bank von diesem Plan. 2009 gründete die Bank eine Biobodengesellschaft und legte einen Fonds auf. Nach kurzer Zeit hatten Anleger alle Genussscheine gezeichnet. Nach zweijährigen Verhandlungen bekam der Fonds den Zuschlag von der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG), die im Auftrag des Bundes das Land verkaufte. Die Bauern pachteten von dem Fonds das Land und verpflichteten sich für die Laufzeit des Pachtvertrags von 18 Jahren auf einen ökologischen Landbau. "Wer sich nicht an die Abmachung hält, erhält die Kündigung", sagt Palme. 600 Anleger machten bei diesem Projekt mit und sicherten so eine Fläche von 5000 Hektar für den ökologischen Landbau. Ein Anfang.

Viel mehr müsste geschehen, um alleine den Bedarf deutscher Verbraucher nach biologisch erzeugten Nahrungsmitteln aus der Heimat zu erfüllen. Heute importiert Deutschland die Hälfte der Biowaren, das gilt selbst für Möhren oder Äpfel, die hierzulande gut wachsen. Und die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird größer: Während der Biolebensmittelmarkt 2014 um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wuchs, nahmen die Anbauflächen hierzulande nur um 2,7 Prozent zu, so der Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft. Das Angebot sinkt auch, weil Ökobauern aufgeben, um wieder konventionell zu produzieren, zuletzt waren es 600. Das liegt daran, dass die Preise für konventionelle Ware gestiegen und die Förderungen für Biobetriebe vielerorts gesunken sind.

Die Landwirte setzen auf die Vernunft der Geldgeber

Die GLS Bank und die Schwesterstiftung Treuhand haben Ende April die Biobodengenossenschaft gegründet. Sie soll ebenso wie der Bodenfonds Ackerflächen kaufen und zu erschwinglichen Preisen an Ökobauern verpachten, sie geht noch einen Schritte weiter als bei dem Projekt in der Schorfheide. Die Genossenschaft soll nicht nur tätigen Biolandwirten aus der Patsche helfen, wie in der Schorfheide, sie soll auch selbst Bauernhöfe betreiben und dafür Bauern anstellen. Der Anfang ist gemacht. Drei Höfe in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wurden für die biologische Landwirtschaft gesichert. Die Initiatoren wollen damit gleich zwei Probleme lösen: "Biohöfe sichern, deren Besitzer in Ruhestand gehen und jungen Bauern eine Chance eröffnen, biologische Landwirtschaft zu betreiben", sagt Uwe Greff, Vorstand der Biobodengenossenschaft.

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Zu den ersten Profiteuren zählt der studierte Ökolandwirt Johannes Hoyme. Er stammt nicht aus einer Bauernfamilie und könnte sich einen eigenen Hof kaum leisten. Für ihn war die Stellenanzeige in einem Branchenblatt das "große Los. Jetzt betreibe ich Landwirtschaft, die mir am Herzen liegt", sagt der 33-Jährige, der den Hof Rothenklempenow gemeinsam mit seiner Frau und fünf Mitarbeitern betreibt und auf der Koppel 200 Rinder stehen hat.

Die Zinsen sind sehr bescheiden

Wer sich als Anleger an der Biobodengenossenschaft beteiligt, bekommt in der Anlaufphase keine Rendite. Selbst mittelfristig können die Geldgeber allenfalls mit einer bescheidenen Rendite rechnen, nominell sind das in der Regel ein bis zwei Prozent. Mehr als ein Werterhalt wäre damit selbst im Idealfall einer sehr geringen Inflationsrate kaum möglich. Mehr ist aber auch nicht drin, schlicht, weil die Kapitalrenditen in landwirtschaftlichen Betrieben gewöhnlich nur zwischen null und zwei Prozent liegen.

Mitglieder gewinnen will die Genossenschaft, indem sie Einzelne dazu ermuntert, Verantwortung für ihre Nahrung zu übernehmen. Weltweit gibt es heute eine Anbaufläche von 1,4 Milliarden Hektar. Umgelegt auf die etwa sieben Milliarden Menschen sind dies rein rechnerisch 2000 Quadratmeter Boden. Darauf müsse alles Platz haben, so Greff, was ein Mensch zum Leben brauche, ob Feldfrüchte, Gemüse oder Futter für das Vieh.

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