Neue Züge von Siemens vorgestellt Bahn frei für neue ICE 3

Die neueste Generation des ICE 3 in Frankfurt.

Keine Abteile, dafür mehr Sitzplätze im Bistro: Zwei Jahre zu spät präsentiert Siemens endlich die neuen ICE-Typen. Sie machen Bahnfahren für Rollstuhlfahrer und Blinde einfacher.

Von Daniela Kuhr

Es hat lange gedauert, sehr lange. Mit rund zwei Jahren Verspätung haben die Deutsche Bahn und der Zug-Hersteller Siemens am Dienstag mit einer Pressefahrt zwischen Frankfurt und Köln zum ersten Mal einen der neuen ICE-3-Züge vorgestellt, die seit einigen Wochen im Einsatz sind.

Anders als die bisherigen ICE-Züge haben sie keine Abteile mehr, sondern nur noch Großraumwagen. Im Bistro wurde auf den Bereich mit den Stehplätzen verzichtet, stattdessen gibt es 16 Sitzplätze. Vor allem für mobilitätseingeschränkte Reisende wird Bahnfahren deutlich bequemer. Beispielsweise verfügt der neue Zug über einen Hublift, mit dem man einen Rollstuhl in den Zug heben kann. Auch hat jede Sitzlehne an der Seite zum Mittelgang einen Griff. An jedem Sitz steht mit Braille-Schrift die Platznummer, sodass auch Blinde eigenständig ihren reservierten Platz finden können.

Vier von insgesamt 17 neuen ICE-Zügen hat Siemens seit Dezember bereits ausgeliefert, bis März sollen noch einmal vier folgen. Die restlichen nutzt der Zug-Hersteller in den kommenden Monaten noch für Testfahrten in Frankreich und Belgien, wo die Züge ebenfalls eine Zulassung erhalten sollen. Damit findet eine Geschichte ihr vorläufiges Ende, die gut und gern in die Fernsehreihe Pleiten, Pech und Pannen gepasst hätte.

Der neue ICE hat keine Abteile mehr

Es war im Oktober 2010, als der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Bahnchef Rüdiger Grube im Londoner Bahnhof St. Pancras vor etwa hundert Journalisten stolz den ersten dieser neuen ICE-3-Züge (Siemens nennt sie Velaro D) präsentierten. Die sollten die ersten Hochgeschwindigkeitszug sein, die für Fahrten in fünf verschiedenen Länder tauglich sind, nämlich Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien.

Grube versprach damals: Spätestens von 2013 an, vielleicht aber auch schon von Sommer 2012 an, werde die Bahn damit dreimal täglich von Frankfurt nach London fahren. Doch daraus wurde nicht nur nichts - mittlerweile ist man schon froh, dass der neue ICE-3 überhaupt endlich fährt, wenn auch nur in Deutschland. Frankreich und Belgien sind Zukunftsmusik, und von London redet vorerst keiner.

Der Grund dafür, dass Siemens die Auslieferung mehrmals verschob, waren Probleme mit Zulieferern, der technischen Komplexität der Züge und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA).Erst im Dezember 2013 erteilte die Behörde endlich die Zulassung für Deutschland. Zum Ausgleich für den Schaden hatte Siemens der Bahn einen 17. Zug versprochen, einen mehr als ursprünglich bestellt. Doch das reicht der Bahn offenbar nicht. Derzeit fänden "Gespräche statt zu Kompensationszahlungen", sagte Siemens-Manager Jürgen Wilder während der Präsentationsfahrt.

Blick aus dem Cockpit des ICE-3