Millionen für mobile Bezahlfirma Payleven Berlusconi-Clan investiert in Berliner Start-up

Auch Pier Silvio Berlusconi, hier mit seiner Partnerin Silvia Toffanin beim Filmfestival von Venedig 2009, ist bei B Cinque dabei.

(Foto: AFP)

Die zerstrittenen Kinder Berlusconis raufen sich zusammen, um in Digitalfirmen zu investieren. Auch in eine andere Form von Familienunternehmen: ein Berliner Start-up der Samwer-Brüder, das mobile Kreditkartentechnik anbietet. Dabei mögen Italiener Bargeld viel lieber.

Von Ulrike Sauer, Rom, und Jannis Brühl

Beide Familien sind bekannt, auch für ihren Geschäftssinn. Nun machen sie auch miteinander Geschäfte: Die Kinder von Silvio Berlusconi steigen bei einem Berliner Start-up der Samwer-Brüder ein. Die fünf Sprösslinge des einstigen und vielleicht sogar zukünftigen Premierministers Italiens beteiligen sich über ihre Gesellschaft B Cinque an Payleven. Das Unternehmen ermöglicht es Händlern, Kreditkarten über ein Lesegerät abzurechnen, das an Smartphones angeschlossen wird. Es gehört zum Reich von Rocket Internet, der Beteiligungsgesellschaft von Marc, Oliver und Alexander Samwer. Bei Rocket Internet spricht man von einem "hohen einstelligen Millionenbetrag." Genauer will man nicht werden.

Möglich gemacht hat den Einstieg der Berlusconi-Kinder die frisch gegründete Geschwister-Holding. Die fünf starteten B Cinque im November. Das Stammkapital von 40.000 Euro war gering, doch das Unterfangen versetzte Italien ins Staunen. Die Nachkommen des Medienmagnaten und Politikers waren eher für Streit untereinander bekannt, spätestens seit Berlusconis zweite Ehefrau Veronica Lario 2009 die Scheidung eingereicht hatte.

Die Rivalität zwischen den drei Lario-Kindern und den beiden älteren aus erster Ehe war nie zu übersehen. Während die Erstgeborene Maria (Marina) und ihr Bruder Pier Silvio als designierte Kronprinzen seit langem die Schaltstellen in dem verzweigten Imperium eingenommen hatten, blieb den jüngeren Halbgeschwistern der Zugang in die Chefetagen verwehrt. So verhinderte Maria Berlusconi, dass die Drittälteste, Barbara, ihren Anspruch auf einen Sitz im Verlag Mondadori durchsetzen konnte. Stattdessen wurde sie mit einem Posten beim Fußballklub AC Mailand abgespeist.

Wie sehr die beiden Halbschwestern über Kreuz lagen, zeigte sich auch in ihrer Haltung zu den Sexaffären des Vaters. Während Maria auf jeden Angriff gegen ihren Vater konterte, distanzierte sich Barbara von dessen Eskapaden. Nun machen die fünf Sprösslinge erstmals gemeinsame Sache. Eingefädelt hat das wohl der Vater. Regie bei der B-Cinque-Gründung führte Giuseppe Spinelli, graue Eminenz der Finanzen von Berlusconi.

Das Berlusconi-Vermögen wird auf bis zu acht Milliarden Euro geschätzt. Vater Silvio gehören fast zwei Drittel der Anteile an der Holding Fininvest, die unter anderem den Fernsehkonzern Mediasat und den Fußballklub AC Mailand kontrolliert. Maria, Präsidentin des Konzerns, und Pier Silvio halten 7,65 Prozent. Die anderen drei Kinder Barbara, Eleonora und Luigi teilen sich 21,4 Prozent.

Beliebtes Bargeld

Geschäftsführer von B Cinque ist der jüngste Sohn Luigi, gerade mal 24 Jahre alt. Er soll in schnell wachsende Start-ups investieren. Aufmerksam geworden sind die Berlusconis auf Payleven in Mailand. Rocket Internet gründete in Norditalien schon im Juli 2012 ein Büro. Im September ging ein italienischer Payleven-Ableger an den Start. Italien-Chef Alberto Adorini hofft auf 50.000 Kunden: "Es gibt in Italien fast zwei Millionen Geschäfte und Betriebe, die nicht am elektronischen Zahlungsverkehr teilnehmen, weil ihnen die Gebühren zu hoch sind."

Bargeld ist in Italien noch immer beliebt, weil es anders als Kreditkarten keine Spuren hinterlässt. Vorstöße, den Gebrauch von Bargeld im Kampf gegen Schattenwirtschaft, Steuerhinterziehung und Korruption einzudämmen, wurden vom Regierungschef Berlusconi stets kassiert. Seine Kinder setzen nun auf Payleven.

Im Gegensatz zu Berlusconi meiden die Samwers die große Bühne. Der Erfolg gibt ihnen Recht, doch auf dem Weg nach oben hat sich vor allem Oliver Samwer, der den Ton angibt, wenige Freunde gemacht. Während die Geschäftsführer seiner Start-ups fasziniert sind von seiner Detailkenntnis der Geschäfte, steht die Firmenkultur in einem eher schlechten Licht. Ehemalige Mitarbeiter kritisieren den Druck, symptomatisch ist die berüchtigte interne "Blitzkrieg"-E-Mail Samwers. In der forderte er in militärischen Vokabeln eine aggressive E-Commerce-Strategie ein. Für die Wehrmacht-Metapher hat sich Samwer entschuldigt. Eine Geste übrigens, die den Berlusconis eher fremd ist.