777 Milliarden Euro über Nacht bei der EZB angelegt Banken bunkern Rekordsumme in Angstkasse

Es ist ein Milliarden-Bumerang: Gerade erst haben sich die Banken mehr als eine halbe Billion Euro von der Europäischen Zentralbank geliehen - um sie eigentlich an Unternehmen und Staaten weiterzuverteilen. Aber stattdessen bringen die Institute Hunderte Milliarden zurück zur EZB, obwohl sie damit kein Geld verdienen.

Der Kreislauf funktioniert - aber vorerst anders, als man sich das bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wohl vorgestellt hat. Nur einen Tag nachdem sie den Banken der Euro-Zone mehr als eine halbe Billion Euro zinsgünstig geliehen hat, legen die einen Rekordbetrag an - und zwar bei der EZB.

Ein Großteil des Geldes ist also zunächst wieder da, wo es hergekommen ist und nicht in den Finanzmärkten oder in Anleihen überschuldeter Staaten, die das Geld doch so dringend benötigen.

777 Milliarden Euro haben die Euro-Banken in der Nacht zum Freitag bei der EZB gebunkert. Das übertrifft den bisherigen Höchststand der sogenannten Angstkasse um knapp eine Viertel Billion Euro. Am Mittwoch hatte sich der Betrag noch auf etwa 475 Milliarden Euro belaufen. Am gleichen Tag holten sich die Banken 530 Milliarden Euro bei der EZB. Sie vergab das Geld für die ungewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren. Ein Großteil des Zuwachses der Einlagen auf 777 Milliarden dürfte diesem Geldregen geschuldet sein.

Eigentlich sollen die Banken Kredite in die Wirtschaft verteilen, an Banken, andere Unternehmen und Staaten. Wegen der Staatsschuldenkrise leihen sich die Geldhäuser aber gegenseitig kein Geld mehr. Die eintägigen Einlagen der Geldhäuser bei der EZB spiegeln deshalb auch das Misstrauen der Banken untereinander wider - denn sie sind zwar bombensicher, aber nicht lukrativ: wenig Risiko, wenig Ertrag. Für die EZB-Kredite zahlen die Banken ein Prozent Zinsen, auf das Geld, das sie dort anlegen, bekommen sie aber nur den Mikro-Zins 0,25 Prozent.

Das Phänomen trat schon im Dezember auf: Damals hatte die EZB beim ersten Langfrist-Tender auf drei Jahre eine halbe Billion Euro an die Banken verliehen. Die parkten das Geld auch damals vorerst wieder bei der Notenbank. Dennoch kam viel Geld im Markt an. Vor allem wirken die Geldspritzen aber psychologisch. Sie beruhigen die Märkte mittelfristig.

Händler bezeichneten den Anstieg als erwartbar: "Der reine Liquiditätsbedarf der Banken ist inzwischen übererfüllt", sagte ein Geldmarkthändler. "Das Problem ist, dass das Geld nicht von A nach B kommt. Es hakt an der Umverteilung."

Ein anderer Disponent sagte, es sei zu erwarten gewesen, dass die Einlagefazilität zunächst deutlich anschwelle. "Das Geld muss ja erst einmal irgendwo geparkt werden, bevor es umverteilt wird."

800 Banken hatten am Donnerstag von der EZB Kredite in Höhe von fast 530 Milliarden Euro zu extrem günstigen Konditionen erhalten, nämlich einem Zinssatz von einem Prozent. Weil die Banken gleichzeitig alte Kredite zurückzahlten, liegt die Nettosumme, die im Geldkreislauf angekommen ist, deutlich niedriger.

Eine dritte Flut billigen Geldes soll es nicht geben. Das sagte EZB-Präsident Mario Draghi einem Teilnehmer zufolge vor den 27 Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte am Freitag, die EZB verschaffe den Krisenländern mit ihren Geldspritzen nur die nötige Zeit für strukturelle Reformen.