Die Daimler AG wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Opfer der argentinischen Militär-Junta in den siebziger Jahren werfen dem Autokonzern Kollaboration mit den damaligen Machthabern vor. Ein US-Gericht eröffnete nun das Verfahren.
Verschleppung, Folter, Mord: Die Vorwürfe, die eine Gruppe Argentinier gegen Daimler erhebt, sind an Schwere kaum zu überbieten. Der deutsche Autokonzern, so sagen sie, sei in die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur in den siebziger Jahren verstrickt. Das Unternehmen habe unliebsame Gewerkschafter ans Messer geliefert - viele von ihnen seien nie wieder aufgetaucht.
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Der Mercedes-Stern steht weltweit für deutsche Wertarbeit. Doch nun muss der Autokonzern Daimler damit rechnen, dass er in den USA wegen angeblicher Zusammenarbeit mit der Militärdiktatur in Argentinien in den siebziger Jahren vor Gericht kommt. (© dpa)
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Daimler muss nach all den Jahrzehnten nun doch noch ein Verfahren in den USA fürchten. Eine Berufungskammer in Kalifornien entschied, dass eine entsprechende Klage zulässig ist. Daimler wies die schon seit langem im Raum stehenden Vorwürfe zurück. "Wir halten das US-Gericht nach wie vor für nicht zuständig und werden deshalb sämtliche zur Verfügung stehende Rechtsmittel einlegen", erklärte der Konzern. "Wir halten die Klagen auch inhaltlich für unbegründet."
Die Kläger sind 22 ehemalige Mitarbeiter oder Angehörige von Mitarbeitern des Mercedes-Benz-Werks im argentinischen Gonzalez Catan. Mercedes-Benz Argentina habe damals die Namen mehrerer unbequemer Arbeitnehmervertreter an die Militärdiktatur weitergegeben, um einen Streik zu beenden, lautet ihr Vorwurf.
Einige der Kläger sagen, sie seien selbst Opfer der Verfolgung geworden. Andere Menschen seien nie wieder aufgetaucht und vermutlich ermordet worden.
Polizist der Junta soll für Daimler gearbeitet haben
Die Militärs in Argentinien hatten 1976 die Macht übernommen. Es folgte ein "schmutziger Krieg" gegen die eigene Bevölkerung. Tausende, vielleicht sogar Zehntausende Regimegegner verschwanden und kamen nie wieder.
Daimler, so sagen die Kläger, sei derart eng mit den Militärs gewesen, dass die Werksleitung von Gonzalez Catan sogar den berüchtigten lokalen Polizeichef Ruben Lavallen als Sicherheitschef anheuerte. 1983 endete die Schreckensherrschaft.
Die Kläger versuchen seit 2004, Daimler in Kalifornien zur Rechenschaft zu ziehen. Ein US-Bezirksgericht hatte die Klage 2007 mit der Begründung abgewiesen, nicht zuständig zu sein. Das sah das dreiköpfige Berufungsgericht letztlich anders.
Daimler verkaufe in den Vereinigten Staaten im Allgemeinen und in Kalifornien im Besonderen einen guten Teil seiner Autos - das Unternehmen sei hier also vertreten und falle entsprechend unter die US-Gerichtsbarkeit.
Daimler wurde 2003 entlastet
Zu den Vorwürfen selbst äußerte sich das Berufungsgericht indes nicht. Das soll nun eine andere Instanz klären.
Dabei hatte Daimler den Fall eigentlich längst ad acta gelegt. Im Jahr 2003 hatte eine vom Konzern eingesetzte Kommission, in der externe Experten saßen, das Unternehmen von den Vorwürfen, in die Verbrechen der Militärjunta verstrickt zu sein, entlastet.
Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hatte zuvor ein Verfahren gegen den damaligen Werksleiter Juan Ronaldo Tasselkraut eingestellt; ihm persönlich war Beihilfe zum Mord oder Totschlag vorgeworfen worden.
Die schweren Vorwürfe waren über die Jahre besonders auf den Hauptversammlungen immer wieder hochgekocht. Menschenrechtsgruppen bis hin zu Amnesty International schalteten sich ein.
Die Ergebnisse der konzerneigenen Kommission, die vom Berliner Völkerrechtler Christian Tomuschat geleitet wurde, ließen die Kritiker nicht gelten. Sie warfen ihm mangelnde Recherche vor - er habe überhaupt nicht mit den Opfern der Militärdiktatur gesprochen.
USA bei Klägern beliebt
Die USA sind bei Klägern beliebt, weil die Strafen hoch und die Gerichte oftmals willens sind, auch Fälle aus dem Ausland anzunehmen. So haben mehrere Tausend Opfer des südafrikanischen Apartheid-Regimes im Jahr 2002 neben namhaften US-Konzernen auch Daimler und den Rheinmetall-Konzern vor ein amerikanisches Gericht gezerrt.
Der Vorwurf lautet hier ebenfalls, die Unternehmen hätten mit dem Regime gemeinsame Sache gemacht. Auch dieses Verfahren läuft noch.
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(sueddeutsche.de/dpa/pak)
Vor der EM in Polen und der Ukraine
"....hier geht es um das liebe Geld und wer das nicht glaubt,der ist ein Traeumer. Die USA werden sich auf dauer mit dieser Praxis in das eigene Knie schiessen."
hier kann man auch der mißliebigen erfolgreicheren KOnkurrenz aus D. ins Knie schießen, siehe die auffällig vielen Klagen gegen SAP,Daimler, DB, Telekom, etc.
Wenn man die Verläufe von US-Klagen icl. der Polemik der US-Staatsanwaltschaft betrachtet, dann dienen die vorinstanzlichen Schlammschlachten hauptsächlich der Einnordung der Jury. Leider macht sich diese Vorgehensweise auch in D. breit. Unschuldsvermutung war mal, im letzten Jahrhundert. Heute ist in den USA schuldig, wen der Staatsanwalts mithilfe des Mobs dazu bestimmt.
Danke fuer ihre Beitraege,egal ob sie sich mit meiner Meinung einvernaehmlich sind oder nicht. Ich finde das dieser Turismuss in Sachen Klagen vor US Gerichte eine sehr zweifelhafte Sache ist. Die Frage steht fuer mich im Haus wer bezahlt den das ganze ? Die Leute muessen in die USA Reisen,dort Wohnen und leben,bis sie vor dem US Gericht Ausgesagt haben. Das selbe geht im Falle von DB auch in Suedafrika los,nur davon hoert man sehr wenig zur Zeit. Die Rolle der US Firmen und die Rolle der jeweiligen US Regierungen ganz abgesehen,ich denke das da die US Gerichte viel mehr zu kehren haetten. Aber hier geht es auch nicht um Recht,hier geht es um das liebe Geld und wer das nicht glaubt,der ist ein Traeumer. Die USA werden sich auf dauer mit dieser Praxis in das eigene Knie schiessen.
Argentinien ist eine Demokratie und Rechtstaat, es gibt keinen Grund, Verbrechen aus der argentinischen Vergangenheit auch dort zu verhandeln. Da Mercedes seine Werke bereits vor der Militätdiktatur aufbaute, ist nicht auszuschließen, daß in Fuehrungspositionen Sypathisanten der Millitärs waren. Die Rolle der US-Regierung während dieser Zeit ist ebenfalls zweifelhaft.
Heute koennten die betroffenen Arbeiter bzw. Angehörigen auch vor einem argentinischen Gericht klagen, eine Klage vor den US-Gerichten erscheint ihnen wohl lukrativer. Daß vor einem deutschen Gericht nicht viel herausgekommen ist, könnte wohl auch zu der US-Klage beigetragen haben.
Grundsätzlich halte ich auch nichts vor dieser Art Klagetourismus, der US-Jurisdiktion kann man als aufgeklärter Mensch nur skeptisch gegenüberstehen.
die sich nicht einschüchtern lassen und den Diktatoren-Handlangern und Menschenschlächtern in den Reihen von Daimler Argentinien - und übrigens auch Daimler Deutschland in Persona Hans Martin Schleyer - auf den Spuren bleiben. Diese Menschen stehen mit ihrem Mut und ihrer Ausdauer auch stellvertretend gegen die dreckigen Machenschaften vieler Grosskonzerne, die jeden ans Messer liefern, der ihren Profitinteressen im Wege steht.
Man wundert sich doch schon was da ablaeuft,seit wann ist dafuer ein US Gericht zustaendig ? Heute ist Argentinien eine Demokratie und auch ein Rechtstaat,ganz im Gegensatz zu der Zeit der Millitaerdiktatur. Mercedes baute dieses Werk schon vor dieser Zeit,das dann dort Leute in Fuehrungspositionen waren, die dem Millitaer wohl gesonnen war,dass wird auch so sein. Heute koennen die betroffenen Arbeiter auch vor einem Argentinischen Gericht klagen,warum machen sie das nicht ? Uebrigens waehre es sehr interessant nachzulesen was fuer eine Rolle die damalige US Regierung bei der Argentinischen Diktatur da gespielt hatte. Da gaebe es fuer die US Anwaelte viel zu tun, auch sollten die lieber die Rolle der US Industrie dort zu jener Zeit untersuchen. Aber das ist dann eine ganz andere Geschichte.
Paging