Kaffeehaus-Kette in den USA Starbucks bittet Kunden, auf Waffen zu verzichten

Schluss mit Mütter-Aufstand und Waffenpartys bei Starbucks. Der Chef der Kaffeehaus-Kette bittet seine amerikanischen Gäste, keine Waffen mehr mitzubringen. Es bleibt abzuwarten, ob das die Kunden auch nur die Bohne interessiert.

Der Chef der Kaffeehaus-Kette Starbucks will, dass seine Kunden in den USA zum Kaffeetrinken keine Schusswaffen mehr mitbringen. "Dies ist eine Bitte und kein totales Verbot", schreibt Howard Schultz in einem offenen Brief. Damit reagiert er auf einen immer heftiger geführten Streit von Pazifisten und der Waffenlobby. Vor allem Mütter hatten die Kaffeehäuser zuletzt boykottiert, weil viele Kunden dort in der Gegenwart von Kindern offen Schusswaffen trugen. Aktivisten hingegen missbrauchten die Läden als politische Bühne und feierten den Starbuck-Chef als Helden. "Wir wollen diese Veranstaltungen nicht bei uns haben", schreibt Schultz nun.

In den etwa 7000 Starbucks-Cafés in Amerika gelten bisher die Gesetze des jeweiligen Bundesstaats oder der Kommune. Wo das Tragen von Waffen auf der Straße erlaubt ist, dürfen Kunden sie auch mit in die Läden bringen. In vielen anderen Restaurants sind Waffen verboten. So weit will der Starbucks-Chef nicht gehen. Denn wenn er ein generelles Verbot einführen würde, müssten die Mitarbeiter bewaffneten Kunden den Kaffee verweigern. Aus Angst, der Streit könne eskalieren, will Howard Schultz sie nicht darum bitten. Im Klartext: Wer mit einer Pistole am Gürtel den Laden betritt, wird auch weiterhin seinen Kaffee bekommen.

Der Nachrichtenagentur Reuters hatte Schultz am Dienstag gesagt, die Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern strengerer Waffengesetze hätten an Schärfe zugenommen. Sie würden unhöflich geführt und verliefen "in einigen Fällen sogar bedrohlich". Als Mütter und Pazifisten zum Boykott aufriefen, trommelten Waffen-Befürworter ihre Freunde zusammen und machten die ausbleibende Kundschaft wett. Die Starbucks-Mitarbeiter gerieten unfreiwillig zwischen die Fronten.

Die Kaffeehaus-Kette hatte sich lange um eine Stellungnahme in diesem Streit gewunden. Und auch jetzt bleibt es bei einem Appell an einen freundlicheren Umgang miteinander: "Bitte respektiert, dass sich jeder bei Starbucks wohlfühlen soll. Angesichts von Schusswaffen sind viele Kunden beunruhigt." Ob Schultz den Streit damit beheben kann, ist ungewiss.

Debatte über schärfere Waffengesetze ist neu entfacht

Ein Amoklauf im Washington Navy Yard, bei dem Anfang der Woche 13 Menschen ums Leben kamen, hat die Debatte über strengere Waffengesetze neu entfacht. US-Präsident Barack Obama will einen neuen Anlauf starten, die Gesetze zu verschärfen. Nach der Tragödie von Newtown, wo ein 20-Jähriger Ende des vergangenen Jahres 27 Menschen und sich selbst tötete, war Obama mit seinen Forderungen im Kongress noch gescheitert. Nur in wenigen US-Bundesstaaten traten neue Gesetze in Kraft.

Waffengegner aus der Zivilbevölkerung sammeln seit der Tragödie in der Grundschule von Newtown Informationen über alle Tötungen durch Schusswaffen in den USA. In den neun Monaten haben sie mehr als 8000 Fälle gezählt - die Dunkelziffer schätzen sie noch höher ein.