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Starbucks:Mit der Knarre zum Kaffeeklatsch

A woman holds a Starbucks takeaway cup in London

Eine Frau hält einen Becher mit dem typischen Logo der amerikanischen Kaffeehauskette Starbucks.

(Foto: Suzanne Plunkett)

Bewaffnete Kunden sind in den US-Filialen von Starbucks keine Seltenheit. Die Cafés werden mehr und mehr zum Schauplatz für Kampagnen der Waffenlobby und ihrer Gegner - sehr zum Ärger von Müttern und Pazifisten, die ein Verbot fordern. Doch die amerikanische Kaffeehauskette windet sich.

Die amerikanische Kaffeehauskette will ihre Filialen als eine Oase der Ruhe und des Entspannens verstanden wissen. Darum stehen dort weiche Ledersessel in gedeckten Brauntönen. In heimeliger Atmosphäre sollen Kunden Kaffeegetränke mit Namen wie Iced Caramel Macchiato oder Java Chip Chocolate Cream Frappuccino schlürfen. Dazu vielleicht einen New York Cheesecake oder einen Blueberry Muffin und kostenloses Internet? Doch in Amerika ist es jetzt erst mal vorbei mit der Idylle. Die dortigen Starbucks-Filialen werden mehr und mehr zum Schauplatz für Kampagnen der Waffenlobby und ihrer Gegner.

So stehen in der Schlange vor der Ausgabetheke Mütter mit kleinen Kindern, Studenten, Touristen und Geschäftsleute. Aber auch Männer und Frauen mit offen sichtbaren Schusswaffen am Gürtel. Waffengegner fordern von Starbucks nun, das Tragen in ihren Filialen zu verbieten und haben einen nationalen Boykott-Tag "Skip Starbucks Saturday" ausgerufen. Am kommenden Samstag soll in allen Filialen des Landes ein Verbot gelten. Doch das Unternehmen windet sich.

In den USA haben Amerikaner grundsätzlich das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen. Dies ist im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung, dem sogenannten "Second Amendment", auf Bundesebene festgeschrieben. Die einzelnen Bundesstaaten oder Gemeinden können jedoch eigene Vorschriften erlassen. Unterschiedliche Reglementierungen gibt es auch zwischen dem verdeckten und dem sichtbaren Tragen einer Waffe. So bestehen für das verdeckte Tragen einer Waffe in den meisten Bundesstaaten strikte Regeln, das für jeden sichtbare Herumtragen von Waffen (open carry) ist dagegen kaum reglementiert - in elf Bundesstaaten ist dafür nicht einmal eine Lizenz notwendig.

Geschäfte dürfen allerdings bewaffneten Menschen den Zutritt verweigern. In den Filialen der Ketten "Peet's Coffee & Tea" und "California Kitchen Pizza" gelten mittlerweile solche Verbote. Starbucks erlaubt entsprechend den jeweiligen Gesetzen das Tragen von Waffen in seinen Filialen in 43 Bundesstaaten der USA. Sehr zur Freude der Waffenorganisation Opencarry.org. Sie will Waffen im öffentlichen Bild "gewöhnlich, allgegenwärtig und erwartet" machen. Mitglieder der Organisation würden mittlerweile häufig in Starbucks-Filialen gehen, heißt es in amerikanischen Medienberichten.

Schuss aus der Handtasche

Im Mai war es zu einem Zwischenfall in einer Starbucks-Filiale in Florida gekommen. Eine Kundin hatte einer anderen Frau ins Bein geschossen. Unabsichtlich, weil sich ein Schuss aus einer ungesicherten Waffe in ihrer Handtasche gelöst hatte, als diese zu Boden fiel.

Eine der erbittersten Verfechterinnen eines Waffenverbots bei Starbucks ist Shannon Watts. Sie setzt sich zusammen mit anderen Müttern öffentlichkeitswirksam ein: "Es ist erschreckend, dass Kinder neben Kunden stehen, die geladene Waffen tragen", sagte sie USA Today. Watts und ihre Mitstreiterinnen wollen mehr als 25.000 Unterschriften für den Aktionstag sammeln und dem Starbucks-CEO Howard Schultz vorlegen.

Der würde sich aus dieser Diskussion jedoch am liebsten heraushalten. Während die Kaffeehauskette sich gerne als Weltverbesserer präsentiert und sich noch lieber mit ihrem fairen Umgang mit Kaffeebauern rühmt, vermeidet sie zu dem heiklen Thema "Open Carry" eine eindeutige Haltung. "Wir versuchen uns an die lokalen Gegebenheiten zu halten", sagte ein Starbucks-Sprecher. "Wir glauben, dass Waffengewalt in den USA ein ernstes Thema ist und von der Regierung behandelt werden sollte. Aber wir wollen nicht zum Austragungsort der Debatte werden." Die Politik in den Starbucks-Filialen werde sich aber nicht ändern, so der Sprecher.

So bleibt für Watts und ihre Mitstreiter nur: Abwarten und Tee trinken. Zum Beispiel den Starbucks Vanilla Rooibos Brewed Tea. Mit einem Schuss Karamellsirup.

Und immerhin ist Starbucks-Mitarbeitern das Tragen einer Waffe während ihrer Arbeit übrigens verboten, so schreibt es die Firmenpolicy vor.