Istanbul Umweltschützer stoppen größten Flughafenbau der Welt

Noch ist es eine Einöde: Der Baugrund des neuen Istanbuler Flughafens.

Der dritte internationale Flughafen von Istanbul soll größer werden als der von Atlanta und das türkische Wirtschaftswunder weiter befeuern. Jetzt stoppt ein Gericht den Bau. Ein Sieg für die Gegner von Premier Erdoğan.

Ein türkisches Verwaltungsgericht hat den Bau des weltgrößten Flughafens vorerst gestoppt. Im Streit um den dritten Airport in Istanbul gaben die Richter damit der Klage einer Umweltgruppe recht.

Der Flughafen gehört zu den umstrittenen Großprojekten der konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan. Wenn er fertiggestellt ist, sollen den Flughafen jedes Jahr 150 Millionen Passagiere nutzen - mehr als den bisher größten in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Die Regierung will damit den Wirtschaftsboom des Landes weiter befeuern, zudem ist der alte Flughafen Atatürk überlastet.

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Erdoğan steht derzeit bereits wegen Korruptionsaffären unter Druck, die Justiz hat sich mit seiner Partei AKP angelegt. Oppositionelle sind zudem besorgt, weil er das Internet noch stärker zensieren will, als es in der Türkei ohnehin seit Jahren der Fall ist.

Die Hintergründe des Baus hat SZ-Luftfahrtexperte Jens Flottau hier aufgeschrieben.

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Der Flughafen soll an der Küste des Schwarzen Meeres entstehen. Im Bieterwettbewerb war im vergangenen Jahr der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport einem türkischen Konsortium unterlegen. Die Gruppe bot mehr als 22 Milliarden Euro, um den Flughafen für 25 Jahre betreiben zu können.

Umweltbedenken von Anwohnern gegen das Projekt und weitere Vorschriften seien nicht ausreichend beachtet worden, zitierten türkische Medien wie Zaman aus der Entscheidung des Gerichts. Die Klage hatte sich der Zeitung zufolge vor allem gegen eine Analyse der Auswirkungen des Baus auf die Umwelt gerichtet. Deren Ergebnisse seien entscheidend für die Erlaubnis des Baus gewesen.

Die Flughafenbehörde erklärte allerdings, das Projekt werde trotz der Gerichtsentscheidung fortgesetzt, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.