Größter Airport der Welt Warum Istanbul einen größeren Flughafen will

Turkish Airlines hat ehrgeizige Ziele: Die Fluggesellschaft will weiter wachsen und den Istanbuler Flughafen zu einem zentralen Drehkreuz machen im weltweiten Luftverkehr. Doch dafür ist der Airport Atatürk zu klein. Abhilfe soll ab 2017 der neue Flughafen in Istanbul schaffen.

Von Jens Flottau

Temel Kotil kann den Erfolg erklären und zeigt ein Kurvendiagramm. Die Linie beginnt links oben und fällt zunächst steil ab. Ab der Marke von 200 verläuft sie dann waagerecht. Die Zahl markiert die Länge eines Fluges in Minuten. Kotil ist Chef von Turkish Airlines. Die Grafik soll zeigen, zu welchen Kosten die Fluggesellschaft fliegt.

Ab einer Flugzeit von rund drei Stunden sind sie so niedrig, dass selbst auf den normalerweise unschlagbar effizienten Langstrecken nicht günstiger geflogen werden kann. "Das ist reine Mathematik", sagt der Konzernchef.

In den nächsten sechs Jahren soll die Flotte sich verdoppeln

Es sind solche Charts, die der Konkurrenz Angst machen und gleichzeitig den erstaunlichen Erfolg von Turkish Airlines erklären. Drei Stunden, das ist ungefähr die Zeit, die ein Flugzeug von der Türkei zu den meisten Zielen in Europa, Nordafrika, dem Nahen Osten und Zentralasien braucht. Turkish Airlines, Partner der Lufthansa in der Star Alliance, kommt also fast im ganzen Streckennetz auf so niedrige Kosten, wie sie die Konkurrenz nur auf wenigen Strecken schafft. 30 Prozent billiger kann Turkish produzieren und will diesen Vorteil nutzen, um ein gigantisches Drehkreuz in Istanbul aufzubauen.

Auf mittlerweile 217 Flugzeuge ist die Flotte angewachsen. In diesem Jahr sollen noch einmal 20 Maschinen hinzukommen. In den nächsten sechs Jahren will Kotil die Kapazität auf 375 Maschinen fast verdoppeln. 300 Ziele sollen die Flugzeuge dann ansteuern, schon jetzt sind es mit knapp 250 mehr als bei jeder anderen Fluggesellschaft. Auf rund 1000 Starts bringt es Turkish täglich. "Wir haben zu wenig Kapazität, schon im aktuellen Streckennetz könnten es 2000 sein", sagt Kotil. "Wir expandieren wie verrückt."

Seit acht Jahren führt der Luft- und Raumfahrtingenieur den Konzern, zuvor lehrte er unter anderem an amerikanischen Universitäten und arbeitete in der Istanbuler Verkehrsbehörde für den heutigen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Zu Turkish kam er, als die Airline gerade aufhörte, eine Behörde zu sein und eigenständig wurde. Zwar gehören noch immer 49 Prozent der Anteile dem Staat, 51 Prozent sind aber in privater Hand, und das Unternehmen ist börsennotiert.