Insolventer Verlag Neue Hoffnung für Weltbild

Nina und Maximilian Hugendubel 2011 im SZ-Interview. Die Geschwister wollen den Betrieb der gemeinsam betriebenen Holding DBH Buch Handels GmbH aufrechterhalten.

Nach heftigem Streit nun doch eine Einigung: Die Geschwister Hugendubel sichern den Kredit der Kirche für den insolventen Weltbild-Verlag mit ihrem Privatvermögen ab. Dieser Kompromiss bedeutet aber noch nicht, dass das Unternehmens tatsächlich gerettet ist.

Von Katja Riedel

Nach heftigen Auseinandersetzungen um ein Rettungskonzept für den insolventen Weltbild-Verlag und mit ihm verbundene Firmen haben sich die katholische Kirche und die Familie Hugendubel auf einen Kompromiss verständigt. Um kurzfristig schwerwiegende Folgen für Tausende Arbeitsplätze zu verhindern, stellt das Erzbistum München-Freising nach Informationen der Süddeutschen Zeitung spätestens bis zu diesem Dienstag ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Euro zur Verfügung, für das die Geschwister Nina und Maximilian Hugendubel mit Teilen ihres Privatvermögens haften.

Das Geld fließt, um den Betrieb der von Weltbild und Hugendubel gemeinsam betriebenen Holding DBH Buch Handels GmbH aufrechtzuerhalten. Auch die Banken, bei denen Weltbild, DBH und Hugendubel Verbindlichkeiten haben, sollen der DBH kurzfristig zehn Millionen Euro geben, geht aus dem Darlehensvertrag und einer Zusatzvereinbarung hervor.

Bis Ende Februar müssen die Hugendubels ein Sanierungsgutachten vorlegen, das sowohl die Banken als auch die Kirche prüfen sollen. Sollte das Gutachten für DBH und Hugendubel zu einer positiven Prognose kommen, gibt das Erzbistum München-Freising noch einmal zehn Millionen Euro. Bis zum März soll dann eine Finanzierung stehen.

Die Suche nach einem Investor geht weiter

Der nun gefundene Kompromiss ist noch keine Rettung für Weltbild oder die DBH - er enthält jedoch Chancen, die Unternehmen zu restrukturieren. Im Vergleich zum ursprünglichen Plan, der vor einer Woche unterschriftsreif vorlag, bleibt Hugendubel nun aber zunächst weiter mit den Weltbild-Töchtern unter einem Dach vereint. Eigentlich war geplant, dass Hugendubel einen Teil der Weltbild-Plus-Filialen übernimmt und sich aus der DBH löst. Hiervon war Hugendubel kurz vor Vertragsschluss wieder abgewichen.

Für Weltbild-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz lässt der nun gefundene Überbrückungsplan alle Möglichkeiten offen, einen Investor zu finden: für Weltbild allein wie für das Gesamtpaket aus Weltbild und den Filialtöchtern in der DBH. Hierzu führt Geiwitz derzeit erste Gespräche mit mehreren Investoren.

Moralisch-sittliches Einverständnis mit der Kirche

Möglich wäre auch immer noch, dass die Geschwister Hugendubel die Weltbild-Anteile an der DBH übernehmen. Sie sollen schon vor einigen Monaten einen Investor gefunden haben, der die Zukunft von Hugendubel unterstützt. Weil die Kirche die Identität dieses Partners nicht kennt, hat sie sich eigens zusichern lassen, dass dieser weder in Konkurrenz zu Weltbild steht noch moralisch-sittlich den Lehren der Kirche entgegensteht.

Vergangene Woche hatten sich die deutschen Bistümer verständigt, bis zu 65 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, mit denen die Kirche für die Weltbild-Mitarbeiter die Folgen der Insolvenz mildern möchte. Nachdem das Bistum Augsburg der Insolvenzverwaltung bereits 15 Millionen Euro Kredit gewährt hat und auch das Erzbistum München bis zu 20 Millionen Euro in Aussicht stellt, sind noch 30 Millionen Euro verfügbar. Über deren Verwendung befinden kirchliche Gremien.

Die Hugendubel-Filiale am Marienplatz in München.