Liechtenstein, Schweiz, nun wieder Liechtenstein: Das Geschäft mit CDs, auf denen sich Sünderdaten aus Steueroasen befinden, entwickelt sich zum schwunghaften Handel. Nun greift die schleswig-holsteinische Finanzverwaltung zu.
Den deutschen Finanzbehörden ist eine weitere Steuer-CD mit Angaben über deutsche Kunden einer Liechtensteiner Bank angeboten worden. Sie wurde bereits vor Monaten der schleswig-holsteinischen Finanzverwaltung offeriert und soll die Daten von Hunderten mutmaßlichen Steuerhinterziehern tragen, die bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) ihr Geld vor dem Fiskus versteckt hatten.
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Das Logo der Liechtensteiner Landesbank LLB am Fuße des Burghügels der Liechtensteiner Hauptstadt Vaduz. Aus dem Fürstentum ist nun wieder eine Steuer-CD aufgetaucht. (© ag.ap)
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Das gespeicherte Anlagevolumen soll etwa eine halbe Milliarde Euro betragen. Die Datensammlung aus dem zweitgrößten Liechtensteinischen Geldhaus soll aus jüngerer Zeit stammen. Kiel will die CD nach einer Stichproben-Analyse angeblich kaufen. Dies ist bereits mit dem Bundesfinanzministerium besprochen worden. Die endgültige Zusage zum Kauf steht noch aus.
Handel mit Datenträgern wird zum Geschäftszweig
Der Handel mit Datenträgern entwickelt sich immer mehr zu einem Geschäftszweig. Derzeit beschäftigen sich deutsche Behörden mit mindestens sieben solcher Quellen; Schwerpunkt ist Nordrhein-Westfalen.
Voraussichtlich noch bis Ende 2011 wickelt die Bochumer Staatsanwaltschaft die letzten der 590 Verfahren gegen Steuerhinterzieher ab, die bei der Vaduzer LGT Treuhand ihr Geld vor dem Fiskus versteckt hatten. Die Ermittler waren durch den untreuen früheren LGT-Mitarbeiter Heinrich Kieber an das Material gelangt. Er hatte 4,6 Millionen Euro erhalten.
Ende Februar dieses Jahres verkaufte ein Unbekannter an Finanzbehörden in NRW Daten deutscher Kunden der Credit Suisse. Ursprünglich wollte er für das Material mehr als fünf Millionen Euro bekommen und war dann von Steuerfahndern auf 2,5 Millionen Euro heruntergehandelt worden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf leitete inzwischen etwa 1100 Ermittlungsverfahren ein. Der Informant hatte vermutlich in den Jahren 2007 und 2008 mühsam Daten deutscher Kunden aus den Unterlagen der Credit Suisse abgeschrieben.
In einem Vermerk deutscher Steuerfahnder wird diese Form als "archaisch" beschrieben. Sie hat allerdings den Vorteil, dass der Informant in der Bank keine Spuren hinterlassen hat. Vor wenigen Wochen erst hat das Düsseldorfer Finanzministerium eine weitere CD gekauft, auf der sich allerdings nur 220 Datensätze befinden.
Zahl der Selbstanzeigen schnellt in die Höhe
Vor allem die CD der Credit Suisse, über deren Erwerb in der Politik zunächst heftig gestritten worden war, macht sogar notorische Steuerhinterzieher panisch. Aus Angst vor solchen Datenträgern schnellte seit Februar die Zahl der Selbstanzeigen in Rekordhöhe und liegt jetzt bundesweit bei mehr als 20.000. Experten schätzen, dass dadurch zusätzlich mehr als eine Milliarde Euro in die Staatskassen fließt.
Mitte Juni erwarb Niedersachsen für 185.000 Euro eine Datensammlung von unklarer Größe und vermutlich minderer Qualität, die zunächst Baden-Württemberg angeboten worden war. Hessen prüft seit einigen Wochen eine weitere CD. Darüber hinaus gibt es noch weitere Angebote der illegal operierenden Datenspäher. Schwerpunkte bei den Fällen sind Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Umgebung, München und Umgebung, der Bodensee sowie Stuttgart und die Schwäbische Alb. Schleswig-Holstein steht normalerweise nicht im Zentrum.
Wer die neue CD den Kielern zur Verfügung gestellt hat, ist nicht bekannt. Die LLB hat in der Vergangenheit mehr als ihre Pflicht getan, um ihre Kunden zu schützen. So zahlte sie sogar Erpressern neun Millionen Euro für gestohlene Daten deutscher Kunden. Die Bande flog dennoch auf, der Haupttäter, ein ehemaliger Gruppenleiter der Bank, wurde 2008 in Rostock zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.
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(SZ vom 02.01.2011/pak)
Im Prinzip ja. Wird ja durch Freibeträge auch gewährleistet, meinetwegen 500.000 Euro pro Familienmitglied.
Aber man kann die Schere zwischen bitterarm und unermesslich reich nur konstant halten oder leicht verringern, wenn Großvermögen und Großerben besteuert werden.
Sonst erleben wir deutsche Verhältnisse der vergangenen 20 Jahre: Die Armen und die Mittelschicht werden ärmer und die Vermögen der Oberschicht explodieren.
Interessante Geschichte. Ich bleibe trotzdem dabei: Was ich mir erspart habe muss vom Staat unangetastet bleiben. Die Zuwächse durch Zinsen sind ja selbstverständlich steuerpflichtig...
Das ist doch perfide: Ich versteuere meine Einkünfte (und zwar nicht zu knapp) und stecke das was übrig bleibt in ein Haus zur Altersvorsorge. Jetzt kommt der Staat und diktiert den Verkehrswert auf den ich dann neben Grundsteuer, Zinsen und Tilgung noch die Vermögensteuer zahlen soll?
Anderes Beispiel: Ich habe ein Unternehmen. Wie wollen Sie den Wert dieses Vermögens bestimmen? Es gibt im Bereich Corporate Valuation Bewertungsansätze wie Sand am Meer und unterschiedliche Methoden sind geeignet für unterschiedliche Branchen und Grössen. Da werden Sie auf gesetzlicher Basis nicht Annehmbares zustande bekommen.
Vermögen haben heisst gespart haben. Und sparen ist volkswirtschaftlich gesehen positiv. Es sollte gefördert und nicht besteuert werden.
Deutschland könnte mit diesen CD's ja auf Welt-Tournee gehen...als DJ Steuerfandung...so würde doch sicher noch etwas Kohle reinkommen. Das wichtigste in einem Wirtschaftssystem sind Vertrauen und Rechtssicherheit...also nicht jammern wenn euch reihenweise Investoren und Firmen davonlaufen. Wieso es nicht mal mit einem schlaueren Steuersystem oder mit einem strengen Geldwäscherei-Gesetz probieren?...Wir würden Deutschland sicher gerne etwas Nachhilfe geben...langsam nervt uns nämlich dieses ständige Schweiz-Bashing...und nein....ich arbeite nicht, wie auch 96,7 % meiner Landsleute, in einer Bank. Aber ich hätte auch noch eine CD zu verkaufen..."Cabaret"...mit dem schönen Song "Money makes the world go round" drauf..aber nicht unter 5 Euro. Zum Schluss noch eine kleine Nachtlektüre...mein Freund Fränky A. spricht mir wirklich aus dem Herzen...http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&item=4786
liebe Grüsse...euer Jimmy
Nicht viele Steuern wurden bisher ersatzlos gestrichen, aber eine Reichensteuer war dabei. Im Jahr 1995 hatte das Bundesverfassungsgericht völlig zu Recht die ungerechte steuerliche Bevorzugung des Grundbesitzes durch das Verwenden der längst überholten Einheitswerte von 1964/1974 bei Ermittlung der Vermögens- und Erbschaftssteuer angemahnt.
Die zwanzig Jahre lang unterlassene Aktualisierung der Einheitswerte hatte nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichtes zu einer unerträglichen steuerlichen Privilegierung des Bodeneigentums gegenüber anderen Vermögensarten geführt. Der Gesetzgeber wurde also aufgefordert, bis zum 31. Dezember 1996 eine neue und gerechtere Regelung für die steuerliche Bewertung des Bodeneigentums zu treffen, andernfalls dürfe die Vermögenssteuer in der bestehenden Form nicht mehr erhoben werden.
Gleichzeitig versäumte aber das Verfassungsgericht eine Regelung für den Fall zu erlassen, dass der Gesetzgeber untätig blieb. Das war ein in dieser Form einmaliges, manche glauben sogar, beabsichtigtes Versäumnis. Dadurch erhielt nämlich die damalige Schwarz-Gelbe Regierung quasi einen Freibrief, durch einfaches Untätigbleiben die Vermögenssteuer zu liquidieren, dazu auch noch ohne Einspruchsmöglichkeit des Bundes-rates.
Also nahm die Geschichte ihren Lauf. Statt die Einheitswerte dem Stand von 1995 anzupassen blieb die Regierung untätig und somit waren die Voraussetzungen für die Abschaffung der Vermögenssteuer erfüllt. Bis heute tönen die an diesem Coup beteiligten Politiker aber unisono: „Das Bundesverfassungsgericht hat uns damals zur Abschaffung der Vermögenssteuer gezwungen!“
Sagen Sie, täusche ich mich da: Gab es nicht in Deutschland schon mal die Vermögenssteuer die dann abgeschafft wurde weil sie mehr Verwaltungsaufwand bedeutet hat als sie einbrachte?
Ich verstehe den Ansatz nicht. Vermögen haben muss steuerfrei sein. Warum sollte ich sonst den Anreiz haben zu sparen? Warum ein Haus bauen? Man kann das zwar mit hohen Freibeträgen regeln, aber die wirklich dicken Fische werden wohl auswandern... in der Schweiz einen privaten Deal aushandeln, Sie wissen ja wie das läuft. Wozu also den Aufwand?
Was strukturelle Reformen angeht: Da haben Sie recht, das ist momentan politisch gar nicht durchsetzbar. Ich warte auf den Staatsbankrott, wie einst in England (wann war das, 60er Jahre?). Damit das schneller geht wähle ich ab sofort Die Linke.
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