Energieversorgung Mehr Gas, weniger Kohle

Das Kraftwerk Linden in Hannover liefert bereits mit seinen drei Blöcken Strom und Fernwärme aus Gas.

(Foto: dpa)
  • Das Wirtschaftsministerium will neue Kraftwerke zur Erzeugung von Strom und Wäre künftig nur noch fördern, wenn sie Gas verfeuern.
  • Zudem will der Bund die Betreiber bereits bestehender Kohle-Anlagen mit einem speziellen Bonus zum Umrüsten motivieren.
  • Insgesamt dürfte die Stromrechnung für den Durchschnittshaushalt damit um etwa zehn Euro steigen, schätzt das Ministerium.
Von Michael Bauchmüller, Berlin

Effiziente Kraftwerke sollen in Zukunft vermehrt mit Gas betrieben werden, nicht mehr mit Kohle. Am Montag verschickte das Bundeswirtschaftsministerium einen entsprechenden Referentenentwurf für die Neuordnung der so genannten "Kraft-Wärme-Kopplung", kurz KWK. Danach sollen neue Kraftwerke, die neben Strom auch Wärme erzeugen, künftig nur noch dann gefördert werden, wenn sie dafür Gas verbrennen.

Ein spezieller Bonus soll Betreiber dazu bringen, bei bestehenden Anlagen von Kohle auf Gas umzusteigen. Die Unterstützung neuer oder modernisierter Kohle-KWK erscheine "als Widerspruch zum Ziel einer Dekarbonisierung der Stromerzeugung", heißt es in dem Entwurf. Vier Millionen Tonnen Kohlendioxid soll die Novelle bis 2020 einsparen helfen.

Mehrkosten für Stromkunden

Dafür allerdings zahlen Stromkunden drauf. Auf einen durchschnittlichen Haushalt kämen dem Entwurf zufolge Mehrkosten zwischen neun und zehn Euro pro Jahr zu. Auch viele Unternehmen, die bisher eine ermäßigte Umlage zahlen, sollen künftig den vollen Satz tragen, andere können Rabatte nur noch für eine geringere Strommenge in Anspruch nehmen.

Anlagen, in denen die Industrie für den eigenen Bedarf Strom und Wärme erzeugt, sollen nur noch in Ausnahmefällen gefördert werden. Entsprechend verärgert reagierte am Montag die energieintensive Industrie. Die Novelle verschenke nicht nur ungenutzte Potentiale in der Industrie, sondern verschlechtere auch deren Wettbewerbsfähigkeit, kritisierte der Industrieverband VIK. Die Stadtwerke-Lobby vku dagegen lobte den Entwurf. Viele bestehende Anlagen haben derzeit zu kämpfen.

Die Rechnung zahlt immer der Verbraucher

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