Energiekonzern Gazprom Kann Gazprom einen ganzen Kontinent in die Zange nehmen?

Führende europäische Energiepolitiker warnen wegen des bevorstehenden Starts von South Stream vor der wachsenden Macht Gazproms. In Nordeuropa will der Konzern die Ostseepipeline ausbauen - setzt sich Miller auch beim Zugang zu Gas aus Zentralasien im Süden des Kontinents durch, könnten aus Partnern Abhängige werden. Kann Gazprom wirklich einen ganzen Kontinent in die Zange nehmen?

Das Gazprom-Logo, die blaue Flamme, steht inzwischen für ein weitverzweigtes Reich aus mehr als 400.000 Angestellten, 160.000 Pipeline-Kilometern, geschätzten tausend Tochterfirmen und einem Umsatz von 120 Milliarden Euro. Etwa ein Drittel seines Erdgases bezieht Europa schon heute aus Russland. Erhöht sich der Anteil, wäre nicht mehr auszuschließen, dass Gazprom größeren Einfluss auf die Preise bekommt. Russlands Staatspräsident Putin versuche, über die Energiepolitik so mächtig zu werden wie einst die UdSSR, das alte Sowjetreich - so warnte kürzlich der verschreckte EU-Kommissar Oettinger. Zudem knöpft sich die EU derzeit den größten Gaskonzern der Welt in einem Wettbewerbsverfahren wegen des Verdachts überhöhter Preise vor.

Noch mehr Sorgenfalten?

In der Energiepolitik dürften die Sorgenfalten der EU noch größer werden: Gazprom sicherte sich am Mittwoch in einem milliardenschweren Tauschgeschäft mit dem Chemiekonzern BASF erstmals auch den Zugang zum Endkundengeschäft auf dem deutschen Gasmarkt. Dadurch stockt Gazprom seinen Anteil an Gasspeichern und Gashandelsunternehmen in Deutschland auf. So gehört etwa die Kasseler Wingas bald komplett den Russen. Die BASF-Tochter Wintershall erhält dafür knapp über 25 Prozent an den Blöcken IV und V der Achimov-Formation des Urengoi-Gasfelds in Westsibirien. Man fördert also mit.

Berlin sieht den Vorstoß offenbar kritisch und behält sich ein Veto vor: "Die Bundesregierung wird die Transaktion im Rahmen ihrer außenwirtschaftlichen Möglichkeiten prüfen", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Dies ist bei strategisch wichtigen Energieunternehmen möglich. Doch Miller sieht sich offenbar noch immer nicht am Ziel. Ende Oktober war der Manager nach SZ-Informationen erneut nach München gereist, um im Gespräch mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den Bau von Gaskraftwerken vor allem in Süddeutschland auszuloten. Kommt da bald der nächste Deal? Dabei beschränkt sich der Expansionsdrang der Russen keinesfalls nur auf Gas. So plant der staatliche Öl-Konzern Rosneft nun sogar eine eigene Großbank.