Elektroauto Norwegen hat ein E-Auto-Problem

Viele E-Autos, wenig Ladesäulen: Norwegen ist Vorreiter bei alternativen Fahrzeugkonzepten. Der Ausbau der nötigen Infrastruktur läuft allerdings zu langsam.

(Foto: dpa)
  • Norwegen ist Vorreiter bei der E-Mobilität. Die Autos sind allerdings so beliebt, dass sie die Infrastruktur zunehmend überfordern.
  • Es gibt vor allem zu wenig Ladesäulen. Ein Verband rät schon vom Kauf eines Stromfahrzeugs ab.
Von Silke Bigalke, Stockholm

Norwegen ist E-Auto-Land, bereits in acht Jahren sollen die Norweger nur noch emissionsfreie Wagen kaufen. Wer da den umgekehrten Weg geht und sein E-Auto verkauft, kann schon mal in die Schlagzeigen geraten. So wie Tone Sagen, die ihren E-Golf übers Internet anbot, 14 331 gefahrene Kilometer, für etwa 25 500 Euro. Prompt rief eine der größeren Tageszeitungen bei ihr an: Das Elektroauto loswerden - was ist da los?

Tone Sagen ist eine von vielen frustrierten Osloern, die keine Ladestation für ihren Wagen finden. Zu viele Batterieautos fahren durch die Stadt, zu langsam baut die Verwaltung Parkplätze mit Steckdose. Der Verband für E-Auto-Fahrer, Norsk Elbilforening, rät den Hauptstädtern sogar davon ab, sich ein E-Auto anzuschaffen, sofern sie keinen eigenen Ladeplatz daheim oder am Arbeitsplatz haben. "Es ist schwierig, eine öffentliche Station zu finden", sagt Verbandssprecher Petter Haugneland.

Als sie das Auto vor zwei Jahren gekauft habe, sei das eine gute Idee gewesen, sie habe sich modern gefühlt, sagt Tone Sagen der Zeitung Dagbladet. Aber dann hätten zu viele Menschen denselben Einfall gehabt. Nun sei es nahezu unmöglich, an öffentlichen Parkplätzen aufzuladen. Sie fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Oslo Probleme bekommt mit der Elektroauto-Revolution. Die norwegische Regierung fördert E-Autos massiv, erlässt Mehrwert- und Registrierungssteuer, sodass die Autos oft mehrere Tausend Euro billiger sind als vergleichbare Modelle mit Benzin- oder Dieselmotor. In vielen Städten parken und laden Elektroautos kostenslos. In Oslo war anfangs ein großer Erfolg, dass E-Autos auf der Busspur fahren durften. Irgendwann durften das so viele, dass sie sich in der Stoßzeit dort stauten.

Inzwischen müssen selbst in emissionsfreien Wagen zu bestimmten Zeiten mindestens zwei Personen sitzen, damit ihnen die Busspur offen steht. Die ersten findigen E-Auto-Fahrer haben versucht mit Dummies auf dem Beifahrersitz zu tricksen. Allerdings nützt auch die schnelle Spur nichts, wenn man in der Stadt stundenlang nach einem Ladeplatz suchen und dann warten muss, dass die Batterie Saft für den Heimweg hat.

Etwa 124 000 Elektroautos und knapp 55 000 aufladbare Hybride fahren laut Verband schon durch Norwegen. Mehr als jedes dritte Auto, das die Norweger heute kaufen, braucht eine Steckdose. Bis 2025 soll dieser Anteil bei hundert Prozent liegen, lautet das politische Ziel. Der E-Auto-Verein wünscht sich einen öffentlichen Ladeplatz für jeden zehnten Wagen, das entspräche schon heute 17 900 Stationen. Tatsächlich gibt es nur 7 300 normale Ladepunkte. Selbst Deutschland hat mit 10 700 öffentlichen Stationen mehr. Dabei fahren hier erst 55 000 Wagen mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb.

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