Diesel-Gipfel Autohersteller sagen Software-Updates für Millionen Diesel zu

Elternabend wegen Sorgenkind Diesel: Matthias Müller, Dieter Zetsche, Harald Krüger und Matthias Wissmann

(Foto: AP)
  • Insgesamt fünf Millionen Diesel sollen ein Software-Update bekommen. Wie viele davon bereits zurückgerufen wurden und wie viele neu betroffen sind, ist bislang unklar.
  • BMW will 225 000 Euro-5-Dieselautos in Deutschland nachrüsten.
  • Das ist ein Ergebnis des Diesel-Gipfels - und kann als Erfolg für die Autokonzerne gewertet werden. Sie entgehen damit wohl wesentlich teureren Maßnahmen.

Die deutschen Autokonzerne wollen nach eigenen Angaben bei insgesamt fünf Millionen Diesel-Fahrzeugen die Software aktualisieren, damit diese weniger Schadstoffe ausstoßen. Unklar ist bislang, wie viele Fahrzeuge nun neu davon betroffen sind. In den fünf Millionen Fahrzeugen sind jedenfalls auch 2,5 Millionen Autos von Volkswagen enthalten, für die schon Abgas-Nachbesserungen angeordnet wurden. Das teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Ergebnis des Diesel-Gipfels mit Bund und Ländern mit.

Bei den Autos, die nachgerüstet werden sollen, handelt es sich um den Großteil der Fahrzeuge mit der Emissionsklasse Euro 5 und einen Teil mit Euro 6. Mit der Nachbesserung wolle man eine durchschnittliche Stickoxid-Reduzierung von 25 bis 30 Prozent bei den nachgerüsteten Fahrzeugen erreichen, heißt es. Studien würden zeigen, dass damit die Schadstoffbelastung mindestens genauso stark reduziert werden könne wie durch Fahrverbote, argumentiert der VDA. Angeboten werden die Nachrüstrungen von BMW, Daimler, Opel und Volkswagen. Für die Halter würden keine Kosten entstehen. Auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer sollen die Maßnahmen keinen Einfluss haben.

BMW teilte mit, er Konzern wolle 225 000 Euro-5-Dieselautos nachrüsten. Das Update zur besseren Abgasreinigung werde für die Kunden kostenlos sein.

Das Ergebnis des Gipfels kann als Erfolg für die Autoindustrie gewertet werden. Nachbesserungen bei der Software galten als das Mindeste, was die Politik den Autoherstellern abverlangen wollte. Technische Nachbesserungen an den Autos wollten die Konzerne unbedingt verhindern. Sie wären wesentlich aufwendiger und teurer, als Software-Updates. Umweltschützer und auch Autoexperten halten Anpassungen an der Fahrzeug-IT allerdings für Augenwischerei. "Ein Software-Update bringt gar nichts", sagt zuletzt etwa Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Die gesamte Branche hat ein Problem

Deutschlands Autoindustrie ist derzeit in einer schweren Krise. Fast zwei Jahre nach dem Auffliegen der Abgasmanipulationen bei Volkswagen wird klar, dass eine ganze Branche systematisch betrogen hat und sich dabei auch noch abgesprochen haben soll. Insbesondere der sparsame Dieselmotor, einst die Vorzeigetechnologie der deutschen Autohersteller, ist für sie zum massiven Problem geworden.

Viele Motoren stoßen weit größere Mengen des giftigen Stickstoffdioxid aus, als erlaubt. Besonders in Städten werden die zulässigen Grenzwerte häufig überschritten. Autokonzerne und Dieselfahrer fürchten, dass Gerichte schon bald Fahrverbote verhängen könnten. Millionen Autofahrer könnten dann gezwungen sein, ihre Autos stehen zu lassen. Auch für die Hersteller wäre das ein Desaster, der drohende Imageschaden lässt sich kaum beziffern.

Beim Diesel-Gipfel sollte es deshalb um Schadensbegrenzung gehen. Ein sofortiges Aus des Diesels, soviel ist klar, will auch die Bundesregierung nicht. Andererseits sollen die Autokonzerne nicht einfach davonkommen. Gerade so kurz vor der Bundestagswahl sähe das schlecht aus. Die Bundesregierung wolle die Hersteller zu weitreichenden Zusagen verpflichten, hieß es vor Beginn des Gipfels. Dort hat sie am Mittwoch aber nur das Mindestziel erreicht: Software-Updates auf Kosten der Konzerne.

BMW-Vorstand: "Verbotene Abschalteinrichtungen waren bei uns nie ein Thema"

Stattdessen habe Markus Duesmann, damals Leiter für Antrieb bei BMW, gerätselt, wie Audi die guten Diesel-Abgaswerte erreichen konnte. Die Idee, dass sich der Konkurrent illegaler Mittel bediente, sei ihm nie gekommen. Von Max Hägler und Klaus Ott mehr...