Digitalisierung "2020, das ist morgen, Leute!"

Und die müssen ausgewertet werden. Mit viel Rechenpower, die man mal mehr, mal weniger nutzen kann - genau das bietet die Cloud. So etwas selbst zu betreiben, könnten die meisten kleineren und mittleren Betriebe nicht leisten. Und allmählich erkennen das auch immer mehr von ihnen: "Das Thema hat sich extrem verankert bei den Firmen", beobachtet Stüger.

Das Interesse der Mittelständler sei "riesengroß", sagt auch Carsten Heidbrink, der bei Cisco Deutschland für den Mittelstand verantwortlich ist. Die Schwierigkeit ist: "Wie kriegt man das praktisch nach unten?" Um Digitalisierung begreifbar zu machen, haben Heidbrinks Firma und eine Reihe anderer IT-Unternehmen die Innovation Alliance gegründet. Ziel ist es, anhand vieler Beispiele Lust auf Digitalisierungsprojekte zu machen. 55 Prozent der Firmen seien noch am Anfang. Doch das Bewusstsein, dass etwas passieren muss, es wächst, sagt Heidbrink.

Auch der Sanddorngarten will vernetzt sein

Mit einem Online-Shop ist es nicht getan: Vielen Mittelständlern macht die unumgängliche Digitalisierung zu schaffen. Zu Besuch bei einem Betrieb, der im Umbau steckt. Von Christine Prußky mehr ...

Auch Bernd Leukert, Vorstandsmitglied von SAP, findet, Deutschland brauche sich nicht zu verstecken. Der Produktchef der drittgrößten Softwarefirma der Welt spricht auf der "Connected World", der Hausmesse des Bosch-Konzerns. In den Hallen am Berliner Gleisdreieck wuselt es nur so von interessierten Mittelständlern. Vor allem dieses Publikum versucht auch Telekom-Chef Tim Höttges aufzurütteln. Er redet von den vielen Milliarden Sensoren, die im Jahr 2020 Daten senden sollen, und warnt: "2020, das ist morgen, Leute!"

Die Digitalisierung verweigern? Das geht nicht mehr

Doch auch wenn viele kleine und mittlere Unternehmen noch zögern, 90 Prozent von ihnen sehen in der digitalen Transformation eine Chance für sich, ergab jetzt eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom. Und sogar 80 Prozent der Befragten sagten, Unternehmen würden untergehen, wenn sie sich der Digitalisierung verweigerten.

Ist Deutschland also besser, als es sich selbst oft sieht? Ganz offenbar. Nicht umsonst verlegte IBM sein IoT-Forschungszentrum nach München, als erstes globales IBM-Forschungszentrum außerhalb der USA. IoT steht für Internet of Things, Internet der Dinge also. Der Grund? Deutschlands starke Industrie. Vor Kurzem gab auch Microsoft bekannt, dass man ein Zentrum für IoT und künstliche Intelligenz in München ansiedeln wird.

Was das alles bringen soll? Daten zu erheben und auszuwerten erzeugt bei vielen Maschinen Mehrwert. "Daten sind wie Rohöl", sagt Tanja Rückert, die bei SAP für das Internet der Dinge zuständig ist, "man muss sie raffinieren und in den Geschäftsprozess bringen." Von Dingen wie etwa einem Windrad könnten digitale Zwillinge erschaffen werden, die dank der Sensoren im echten Windrad live übermitteln, ob alles okay ist. Edzard Oberbeek, Chef des digitalen Kartendienstes Here, hat eine noch viel größere Vision: Sein Ziel ist eine virtuelle Repräsentation der gesamten physischen Welt, die sich in Echtzeit und automatisch anpasst. Tausende von Datenebenen auf einem einzigen Quadratzentimeter, in einer gewaltigen Datenbank, die immer online ist - da will er hin.

Von solchen Szenarien sind die Mini-Projekte so mancher Mittelständler weit entfernt. Doch das ständige Trommeln der Verbände, das Vorbild großer Firmen, der Druck von Silicon-Valley-Firmen wie Google und anderen - es zeigt endlich Wirkung. Deutschland ist aufgewacht.

Risikoscheu und innovativ

Die kleinen und mittleren Betriebe gelten als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Um den Mittelstand ranken sich viele Klischees. Aber was kennzeichnet die Unternehmen? Kennzahlen, Stärken und Sorgen der Firmen. Von Felicitas Wilke mehr...