Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, verlangt einen höheren Mindestlohn - und wirft der FDP Klientelpolitik vor.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will zukünftig einen höheren Mindestlohn fordern. Seit etwa vier Jahren pocht der DGB auf 7,50 Euro pro Stunde. Nun wird der Gewerkschaftsbund auf seinem Kongress im Mai eine neue Marke für eine gesetzliche Lohnuntergrenze beschließen. Das kündigte DGB-Chef Michael Sommer in Berlin an. Eine konkrete Zahl nannte er nicht. Er verwies aber auf Mindestlöhne von etwa neun Euro in anderen EU-Ländern.
DGB-Chef Michael Sommer (© Foto: dpa)
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Sommer sagte, die 7,50 Euro seien mittlerweile durch die Inflation überholt. Eine flächendeckende Untergrenze sei notwendig, um Lohndumping zu begegnen. Nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben derzeit 20 von 27 EU-Ländern einen gesetzlichen Mindestlohn. In Westeuropa liegt er meist bei mehr als 8,40 Euro. In Luxemburg beläuft sich die Lohnuntergrenze sogar auf 9,73 Euro.
Schlechte Perspektiven
Die Chancen, einen verbindlichen Mindestlohn für alle Arbeitnehmer in Deutschland durchzusetzen, gelten aber als schlecht. Die Regierungsparteien Union und FDP sind dagegen, weil sie einen Verlust von Arbeitsplätzen befürchten.
Hierzulande gibt es nur Mindestlöhne in einzelnen Branchen. Und die stehen langfristig auf der Kippe: Die neue Bundesregierung will bis Ende 2011 entscheiden, ob sie die Regelungen wieder aufhebt.
Appell an Schwarz-Gelb
Sommer forderte die Koalition auf, ihren Widerstand gegen Mindestlöhne aufzugeben. Er verwies darauf, dass 2011 die volle Arbeitnehmer-Freizügigkeit in der EU in Kraft tritt. Beschäftigte aus neuen EU-Beitrittsländern, die hier arbeiten, dürfen dann nach den Entgelten ihrer jeweiligen Herkunftsländer entlohnt werden. Ohne eine gesetzliche Lohnuntergrenze werde es so zu "sozialen Verwerfungen" kommen, sagte er. Empört zeigte sich Sommer über Äußerungen des neuen FDP-Generalsekretärs Christian Lindner. Dieser habe von "Leichtlohngruppen" gesprochen, dies sei eine beschönigende Bezeichnung für "Armutslöhne".
FDP-Chef und Vizekanzler Guido Westerwelle, der die Gewerkschaften 2005 noch als "die wahre Plage in Deutschland" beschimpft hatte, bemühte sich zuletzt um ein besseres Verhältnis zum DGB. Sommer, der im Mai nach acht Jahren an der Spitze für eine dritte Amtszeit als DGB-Chef kandidieren wird, ging bei seiner Neujahrspressekonferenz aber wieder auf Konfrontationskurs. Die FDP sei zur reinen Klientelpolitik zurückgekehrt. Westerwelle, der bei dem Dreikönigstreffen der FDP eine "geistig-politische Wende" gefordert hatte, warf er vor, mit "neoliberalen Hirngespinsten" eine Politik zugunsten der Besserverdienenden zu tarnen. Er warnte die Koalition davor, Steuergeschenke durch höhere Sozialbeiträge zu finanzieren. "Man finanziert das erst mal durch Erhöhung der Sozialbeiträge und sagt hinterher, Arbeit ist zu teuer", sagte Sommer.
Trotz der Kritik an den Liberalen will der DGB-Chef mit Westerwelle im Gespräch bleiben. Bei der nächsten DGB-Vorstandsklausur ist der FDP-Chef eingeladen. Sommer erwartet, "dass er sich der Diskussion stellen wird".
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(SZ vom 08.01.2010/mel)
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Der Anteil der im Export nicht konkurrenzfähigen EU-Staaten mit Mindestlohn ist atemberaubend. Angefangen bei Frankreich und Großbritannien am Ende dann z. B. Griechenland.
Auf der anderen Seite steht die Frage ob die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Wirtschaft durch die Plünderung der Sozialkassen gewährleistet werden soll.
Beschäftigung zu Löhnen die ohne ALG2-Aufstockung nicht zum Leben reichen. Es geht hier nicht nur um Putzfrauen und Wachleute!
In der Autozulieferung kann man das auch beobachten, besonders bei "Premiumherstellern".
Erfolgreiche Modelle um die Soziallasten auf den Konsum umzulegen und gleichzeitig die Sozialkassen vor dem Bankrott zu bewahren, gibt es auch im Euroraum!
Momentan machen wir aus den Sozialkassen heraus Wirtschaftsförderung für China, Vietnam, Süd-Korea etc.. Die Folgen dieser "Mangelnden Konkurrenzfähigkeit der Dt. Industrie" bezahlt der hier sozialversicherungspflichtig angestellte Arbeitnehmer. Beamte zählen nicht dazu!
Also wer eine Lösung hat bitte melden.
Ich wäre für ein stufenförmige Anhebung der Steuersätze, die auch SV beinhalten sollten ähnlich wie z.B. in NL
Linear oder kontinuierlich steigende Sätze sind unzumutbar - aber es muckt ja niemand auf!
Also das Mehreinkommen, d.h. der Teil des Einkommens der über der jeweiligen Einkommensstufe soll mit dem jeweiligen Steuersatz besteuert werden, nicht alles ab Grundfreihbetrag (pervers!).
z.B. bis 40K Einkommen u. 45%Steuersatz inc. SV bei 10K Grundfreibetrag wären es: 30Kx0,45 Steuern=13,5K Steuern, also ca. 33% effektiver Steuerssatz
ab 60K z.B. 50%Steuersatz inc. SV, das wären bei 70K Einkommen:
50Kx0,45+10Kx0,5=27,5K Steuern also. ca. 39% effektiver Steuersatz
Aber das aktuelle System ist natürlich ein Eldorado für die Regierung - sowas gibts nur in D. (aber natürlich auch ein Grund warum D. als guter Schuldner gilt u. nur wenig Zinsen auf Staatsschulden zahlt!)
Einiges an Gegenfinanzierung kommt durch die dann wegfallende Aufstockung. Aktuell hat JEDER einen Anspruch auf das Minimum nach SGB-II, die nachgewiesenen Werbungskosten in vernünftiger Höhe und Freibeträge vom Erwerbseinkommen - also 100 fix, 20% der ersten und 10% der weiteren 700. Zusammen mit der 60 Versicherungspauschale und typisch 50 anteiligen Werbungskosten eines ÖPNV Tickets (im Regelsatz sind irgendwas um 25 Mobilitätspauschale enthalten) kommen Sie auf rund 400 mehr als Existenzminimum.
Falls der Wohnort überdurchschnittlich hohe Mieten aufweist (also rund 40qm teurer als 275 warm, ca 5.25 Kaltmiete incl. Nebenkosten) kommt die Differenz zum ortsüblich angemessenen Satz auch noch dazu. Nehmen wir hier 100 mittlere Mehrkosten eines Ballungsraums an, so kommt ein Single auf etwa 7100 Baranspruch incl. Basismiete, 12 x 100 Aufschlag für eine angemessene, aber lokal teure Wohnung und eben 12 x 400 Freibeträge vom Erwerbseinkommen. Sind 13.100 Jahresanspruch.
Für 13.300 Netto ohne aufs Amt zu müssen braucht ein Single bereits 18.500 Brutto (1.600 p.a. Steuern bereits!) und damit 11/h. Ich find übrigens nicht, dass die Arge zu großzügig ist, ich find eher die Steuer und Sozialversicherung anfänglich zu gierig. Wie gezeigt führt eine Lohnkürzung zu nicht nennenswerten Einkommensverlusten, da diese zu 80-90% von der Arge abgefangen werden.
Interessant, aber gibt es nicht die folgenden Nebeneffekte:
- Aufstocker sinken, aber Ausgaben für SGB-II empfänger steigen eventuell trotzdem u. auch die Löhne könnten weiter sinken
- Arbeiten lohnt sich für viele wieder, aber gleichzeitig fallen die Steuereinnahmen erheblich
u. müsste sowas nicht gegenfinanziert werden?
Bin mal wirklich gespannt, wie's diesmal ausgeht.
Der Tiger Sommer faucht ja wieder ganz prächtig.
Mal sehen, ob er am Ende wieder zu Angelas Bettvorleger wird, wie so oft zuvor.
Paging