DFB VW ist der falsche Sponsor für die Nationalmannschaft

Die deutsche Nationalmannschaft nach dem Gewinn des Confed Cups: Bekommen sie künftig einen neuen Hauptsponsor?

(Foto: dpa)

Deutschlands Fußball steht für Solidität und Qualität, VW hingegen für Lug und Betrug. Das disqualifiziert den Konzern als Partner.

Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Geht es dem Deutschen Fußballbund (DFB) so schlecht? Ist der größte deutsche Sportverband mit acht Millionen Mitgliedern so klamm, dass er einen Industriekonzern als Millionensponsor braucht, dessen Ruf nicht einwandfrei ist, um es vorsichtig auszudrücken. Das ist offenbar der Fall. Wie es scheint, kann sich der DFB vorstellen, den VW-Konzern zum Hauptsponsor der Fußballnationalmannschaft zu machen. Am Freitag kommender Woche soll die Entscheidung endgültig fallen.

Ein Votum für VW wäre bemerkenswert, weil seit Jahrzehnten der Stuttgarter Konzern Daimler diese prestigeträchtige Rolle hat. Man hatte sich daran gewöhnt, dass der nationale Spitzenfußball und die international bekannte Marke Mercedes-Benz voneinander profitieren. Beide stehen für Solidität und Qualität. Das passt zusammen. Aber jetzt sieht es so aus, als gehe der DFB einen Schritt zu weit. VW wegen ein paar Millionen Euro mehr zum Sponsor der Nationalmannschaft zu machen, wäre ein Fehler.

Das Imageproblem des DFB

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Der Autokonzern steht seit knapp zwei Jahren in den Schlagzeilen als ein Unternehmen, das vorsätzlich betrogen hat, das seine Kunden mit falschen Angaben über die Abgaswerte von Dieselmodellen getäuscht hat. Damit hat der größte Autohersteller Europas Gesellschaft und Politik getäuscht, er hat sich als Umweltfrevler entpuppt und hat dem Ansehen der gesamten deutschen Wirtschaft schweren Schaden zugefügt.

Aber fast noch schlimmer ist, wie der Konzern mit der Aufklärung dieser Affäre umgeht. Die ist skandalös vernebelnd und verwirrend. Trotz großer Versprechen der Chefetage geht die Irreführung der Öffentlichkeit in Wolfsburg munter weiter. Von echter Aufklärung dieser schmutzigen Affäre kann keine Rede sein. Das disqualifiziert die Wolfsburger derzeit als Partner.

Die Nationalmannschaft ist ein Vorbild - VW nicht

Die Nationalmannschaft, die aktueller Fußballweltmeister ist und die gerade glänzend den Confed Cup gewonnen hat, braucht andere Partner. Sie ist ein wichtiger Botschafter für Deutschland. Wegen der weltweiten Bedeutung des Fußballs trägt sie zum positiven Image der Bundesrepublik in der Welt bei. Diese Mannschaft ist aber auch Botschafter nach innen. Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene bewundern Kicker wie Thomas Müller oder Jérôme Boateng. Die Sportler sind Vorbilder. Wenn aber fast jedes Kind weiß, dass VW nicht nur für Golf und Passat steht, sondern für Betrug und Täuschung, eignet sich dieses Unternehmen nicht als Leitbild, schon gar nicht für junge Menschen.

Es gäbe andere Wege für VW, wieder zu einem besseren Ansehen zu kommen. Wer in Amerika Milliarden an geschädigte Kunden zahlt, darf sich in Europa nicht knauserig zeigen. Genau das tut Volkswagen auf kleinliche Weise. Wer seine Schuld eingesteht, alles daran setzt, die Verfehlungen aufzuklären und den Kunden gegenüber großzügig ist, kann sogar in der Krise noch zum Vorbild werden.

Danach sieht es bei VW nicht aus. Die Wolfsburger tun offenbar alles, um die Vorgänge weiter im Dunkeln zu halten. Bis heute sitzen an der Spitze von Aufsichtsrat und Vorstand Manager, die schon im Hause waren, als die Abgasmanipulationen passierten. Kein frisch berufenes Führungspersonal vermittelt den Eindruck eines Neuanfangs. Der gegenteilige Eindruck drängt sich auf: Die in der Not nach Wolfsburg geholte ehemalige Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, die im VW-Vorstand für Aufklärung sorgen sollte, wurde nach einem Jahr schon wieder abserviert. Das vermittelte einen schlechten Eindruck von der Aufarbeitungskultur bei VW.

Die Strategen halten es offenbar für besser, ihr angeschlagenes Image mit einer millionenschweren Förderkampagne für Jogi Löws Truppe zu verbessern. Das ist ein falsches Signal. Es vermittelt den bei Volkswagen häufig aufscheinenden Eindruck, dass Probleme des Konzerns mit viel Geld statt mit viel Aufklärung aus dem Blickfeld geschaffen werden sollen.

Das Präsidium des DFB sollte am Freitag nächster Woche einen anderen Hauptsponsor für seine Spitzenkicker wählen, auch wenn der weniger zahlen sollte. Die Fußballer und der VW-Konzern passen nicht zusammen. Die Wolfsburger müssen erst noch zeigen, dass sie verstanden haben und ihrer Verantwortung zur Aufklärung gerecht werden. Erst dann ist VW der richtige Sponsor für die Nationalmannschaft.

Auch der DFB, der selbst mehrmals wegen des Verdachts der Korruption in die Kritik geraten war, muss manches tun, um sein eigenes Image zu heben. Von VW kann er sich in ein paar Jahren immer noch fördern lassen.

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