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Deutscher Sieg beim Confed Cup:Zur Belohnung darf Löw jetzt puzzeln

  • Das Finale beim Confed Cup erweist sich für die jugendliche deutsche Nationalelf in Russland als letzte harte Probe.
  • Es zeigt sich, dass Jungprofis wie Joshua Kimmich ohne jede Furcht in jedes Duell gehen.
  • Die Zukunft des deutschen Fußballs ist aussichtsreicher denn je.

Die Frage, was Arturo Vidal und Joshua Kimmich sich an den Kopf geworfen haben, während sie sich Stirn an Stirn voreinander aufbauten - die wird wohl unbeantwortet bleiben. "Das weiß ich gar nicht mehr. Hat mich auch nicht interessiert", sagte Kimmich mit dem Lächeln des Siegers. Seiner Mimik war nicht zu entnehmen, ob das nun geschwindelt war, oder ob er es inmitten des Handgemenges und des Gejohles der chilenischen Fans wirklich nicht verstanden hatte.

Auch die Frage, ob die beiden Bayern-Profis das nach dem Spiel geklärt hätten, ließ er unbeantwortet. "Da ist man nicht nachtragend", sagte Kimmich nur. "Da passieren halt Dinge auf dem Spielfeld, die passieren. Wir haben 1:0 gewonnen, von daher kann ich ganz locker zurückblicken." Ob das noch mal ein Thema werden wird beim FC Bayern, hakte ein Reporter dann noch nach. "Also von mir aus nicht", sagte Kimmich, jetzt breit lächelnd.

Confed Cup Timo Werner ist einer der größten Gewinner
Confed Cup

Timo Werner ist einer der größten Gewinner

Der Stürmer erlebt ein schmerzhaftes Confed-Cup-Finale, krönt sich aber zum Torschützenkönig. Auch künftig wird er im DFB-Team ein Kandidat für die Startelf sein.   Von Johannes Aumüller

In der 59. Minute hatten die beiden Mannschaftskameraden einen kleinen Fight. Kimmich fühlte sich von Torhüter Claudio Bravo zu hart angegangen und weil die Chilenen die Grenzen der Legalität vorher schon recht leger interpretiert hatten, fühlte er sich wohl zu einer Reaktion genötigt. Vidal kam hinzu, schubste ihn weg, die beiden drückten ihre Stirn gegeneinander, Vidal schubste Kimmich dann weg. Am Ende bekamen beide Gelb. "So was passiert in der Hitze des Gefechts. Da bleibt nichts hängen. Kein Problem", sagte Vidal nach Spielende dazu.

Es war die hitzigste Szene eines Finales, das trotz seiner vielfach beschworenen mittleren Bedeutung (war ja bloß der Confed Cup) eine erstaunliche Temperatur erreichte. Spätestens, als Gonzalo Jara den Ellbogen zielsicher in Timo Werners Kiefer rammte (und danach trotz Video-Beweises nur die gelbe Karte sah), war klar, zu welchen Mitteln Chile greifen würde, um den vermeintlich unwichtigen Pokal doch noch zu gewinnen.

Eben jener Werner hatte ja den Geistesblitz des Abends gehabt, als er dem Ex-Hamburger Marcelo Diaz den Ball stibitzte und zu Lars Stindl passte, der frei das 1:0 schoss. Wegen dieser Idee und weil es die junge Mannschaft schaffte, sich vom südamerikanischen Fight Club nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, stemmte Julian Draxler irgendwann zu Recht den goldenen Pokal in die Höhe.

"Das ist eine absolute Freude", sagte Joachim Löw. "Die Jungs haben das großartig gemacht, ich bin unglaublich stolz auf sie. So ein Finale hat etwas Magisches. Viele Spieler standen noch in keinem Finale, das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen", sprach der Bundestrainer im biernassen Hemd, weil seine "Jungs" die Pressekonferenz stürmten - und Joshua Kimmich von oben und Julian Brandt von vorne den Bundestrainer begossen.

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Die spanischen und englischen Medien schwärmen nach dem Confed-Cup-Sieg über den deutschen Fußball. Chile ärgert sich über einen "verdammten Abwehrfehler".

An feierrelevanten Infos gab es zu berichten, dass die deutsche Mannschaft auf dem Platz in jeder Ecke den Pokal zelebrierte, obwohl wirklich nur eine, maximal zwei Handvoll deutsche Fans im Stadion in Sankt Petersburg anwesend waren. Und dass Kimmich die Humba anstimmte sowie später von Manager Oliver Bierhoff als Feier-Führungsspieler bezeichnet wurde.

Dass, nach Studium diverser Kabinen-Videos, vermutlich auch Shkodran Mustafi dazu gehört und Emre Can, den Mustafi - gewollt oder nicht gewollt - konsequent Emre "Kahn" aussprach. Dass Jonas Hector sein Flaschenbier sehr umsichtig durch die Mixed-Zone zum Bus trug. Dass es nach dem Spiel Burger gab und dass der Bundestrainer die Ehre hatte, den Gold-Pokal mitzunehmen. "Er isch schwerer als der WM-Pokal", teilte er beim Tragen mit.