Banken reagieren auf Schuldenkrise Bloß raus aus der Euro-Zone

Banken und Konzerne verlieren das Vertrauen, dass die Rettung des Euro gelingen kann. Der Ölkonzern Shell zieht milliardenschwere Finanz-Rücklagen aus Europa ab, US-Banken haben begonnen, sich gegen einen Zerfall der Währungsunion abzusichern.

Während die Politiker in Europa um die richtige Strategie zur Rettung des Euro ringen, schwindet außerhalb der Euro-Zone die Zuversicht, dass die Europäer ihre Probleme in den Griff bekommen. In der Wahrnehmung der US-Banken überlagert die Euro-Krise sogar die Sorgen um die kriselnde Konjunktur im eigenen Land. Die Institute haben bereits begonnen, entsprechende Risiken zu reduzieren und sich für den Worst Case abzusichern - das Ausscheiden eines Landes aus der Euro-Zone oder gar das Auseinanderbrechen der gesamten Währungsunion.

"Wir bereiten uns auf einen völligen Zerfall des Euro in 18 bis 24 Monaten vor", sagte ein Banker der Financial Times. Seine Risiken zurückzufahren, sei das Beste, das man tun könne.

Auch einige Unternehmen fühlen sich offenbar zunehmend unwohl bei dem Gedanken, dass eigenes Kapital in kriselnden Euro-Ländern liegt: Der Ölkonzern Royal Dutch Shell hat nun angekündigt, seine Liquiditätsreserven aus Europa abzuziehen. Es handele sich um übliche Veränderungen in der Anlagestrategie, sagte eine Shell-Sprecherin.

Das Unternehmen sehe sich gezwungen, seine Risiken in den am schwersten von der Schuldenkrise betroffenen Ländern der Euro-Zone zurückzufahren, sagte Finanzvorstand Simon Henry der Londoner Tageszeitung The Times. Stattdessen wolle man 15 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen oder bei US-Banken anlegen.

Und gerade die US-Banken verlangen inzwischen von ihren Kunden in Euro-Ländern, Verträge zu ändern, um sich gegen ein Scheitern der Gemeinschaftswährung abzusichern. Die Sorge: Wenn ein Land aus dem Euro aussteigt und zu seiner alten Währung zurückkehrt, wollen die Banken keine Zahlungen in dieser Währung erhalten - etwa in einer abgewerteten Drachme (Griechenland) oder weniger attraktiven Peseten (Spanien).

Auf die meisten Verträge werde bereits englisches oder amerikanisches Recht angewendet, berichtet die Financial Times. Die Hoffnung der Institute: Weigert sich ein Vetragspartner aus einem Land, das die Euro-Zone verlassen hat, Zahlungen weiterhin in Euro zu leisten, werden die entsprechenden Gerichte auf der Seite der Banken stehen.

Wie schlimm es um Europa wirklich steht, darüber herrscht allerdings Uneinigkeit zwischen den Banken. Zwar haben Citigroup, Goldman Sachs und Co. allesamt ihr Engagement in der Euro-Zone zurückgefahren. Einige Institute schätzen die Lage jedoch weniger dramatisch ein als andere. In den fünf am schlimmsten betroffenen Ländern - Griechenland, Spanien, Italien, Irland und Portugal - ist Morgan Stanley beispielsweise nur mit etwas mehr als fünf Milliarden Dollar engagiert.

Bei JP Morgan bewegen sich die Investitionen in einer Größenordnung von mehr als 20 Milliarden Dollar. Jamie Dimon, der Chef der Bank, ist sich sicher, dass sich Europa schon irgendwie durch die Krise "durchwurschteln" werde.