Arbeitsmarkt Koalitions-Kompromiss senkt Befristungen deutlich

In den Verhandlungen drängte die SPD darauf, befristete Jobs zurückzudringen

(Foto: dpa)
  • Der Koalitionsvertrag senkt laut Schätzungen die Zahl der Arbeitsverhältnisse mit sachgrundlosen Befristungen um etwa 400 000. Das entspricht rund einem Drittel der einschlägigen Verträge.
  • Arbeitsmarktforscher können allerdings nicht vorhersagen, wie viele der Verträge dann umgewandelt oder gar nicht erst zustande kämen.

Die SPD hat den Kampf gegen befristete Jobs zum Thema gemacht. Nun gibt es erste Schätzungen, was die Zugeständnisse im Koalitionsvertrag bedeuten könnten: Die Zahl der sachgrundlosen Befristungen werde demnach deutlich sinken, prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) laut einem Bericht der Leipziger Volkszeitung. Konkret geht es um 400 000 Arbeitsverträge.

Allerdings bleibt offen, was künftig mit diesen Verträgen passiert - also ob sie etwa mit Sachgrund befristet werden oder ob die Arbeitgeber den Job gar nicht mehr anbieten. Das könne niemand seriös vorhersagen, sagte IAB-Chef Joachim Möller. Das IAB ist das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

Die Arbeitsmarktforscher gehen von insgesamt 1,3 Millionen Beschäftigten mit sachgrundlos befristeten Verträgen aus. Arbeitgeber mit mehr als 75 Mitarbeitern dürfen in Zukunft höchstens 2,5 Prozent ihrer Belegschaft sachgrundlos befristen. Das betrifft etwa 830 000 Arbeitnehmer. "De facto würde sich diese Zahl ungefähr halbieren, wenn die 2,5-Prozent-Grenze greift", sagte Arbeitsmarktforscher Möller.

Jeder Vertrag, mit dem die Quote überschritten wird, gilt dem Koalitionsvertrag zufolge als unbefristet. Zudem können Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund nur noch für maximal eineinhalb Jahre befristet werden. Bislang waren zwei Jahre zulässig.

Reformen betreffen viele Stellen im öffentlichen Dienst

Der Anteil befristeter Verträge liegt derzeit bei etwa acht Prozent aller Beschäftigten. 2016 hatten laut Statistischem Bundesamt etwa 2,8 Millionen Arbeitnehmer ab 25 Jahren Zeitverträge. Befristungen betreffen vor allem Neueinstellungen: Für die Mehrheit gibt es sachliche Gründe wie die Vertretung anderer Arbeitnehmer, die beispielsweise in Elternzeit sind oder wenn oder wenn der Grund für einen Zeitvertrag die Finanzierung der Stelle aus Haushaltsmitteln ist.

Auch diese mit Gründen befristeten Verträge sollen laut Koalitionsvertrag aber künftig fünf Jahre nicht überschreiten dürfen, was Arbeitsmarktforscher Möller positiv bewertete. Dies sei vor allem im öffentlichen Dienst relevant. "Allerdings muss man jetzt aufpassen, dass es nicht zu einer Einstellungsblockade kommt."

Der SPD-Vorstoß gegen befristete Verträge ist scheinheilig

Ein Job auf Zeit gibt Jugendlichen zu wenig Sicherheit, schimpfen die Sozialdemokraten. Sie wollen die Wirtschaft maßregeln. Dabei ist der Staat Befristungsmeister. Kommentar von Henrike Roßbach mehr...