Arbeitskämpfe in der Luft und auf der Schiene Lokführer wollen verhandeln, Lufthansa-Piloten streiken

  • Die Lokführer verkünden nach dem Ende ihres Ausstands eine einwöchige Streik-Pause - und wollen wieder mit der Bahn verhandeln.
  • Die Piloten der Lufthansa sind dagegen von Montagmittag bis Dienstagnacht erneut im Arbeitskampf.
  • Entgegen erster Pläne sollen am Dienstag nun auch Langstreckenflüge von dem Ausstand betroffen sein.
  • Wegen der Streiks streicht die Airline etwa 1450 Kurz- und Mittelstreckenflüge.

GDL-Chef Weselsky will verhandeln

Nach dem Ende des bisher längsten Bahn-Streiks ist der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, zu Kompromissen Bahn bereit. Er hoffe auf Verhandlungen mit dem Konzern, sagte Weselsky dem Radiosender NDR Info. Zuvor hatte er eine siebentägige Streikpause von Montag an angekündigt. Die Pause und die Aufforderung an die Bahn solle Gelegenheit für Verhandlungen geben. Er sei weiter optimistisch, dass das Bahn-Management nun verstanden habe, "wo die Reise hingehe und die Eskalation nicht noch weiter treibt".

Zugleich betonte Weselsky aber, dass die GDL für weitere Streiks gut aufgestellt sei und sowohl die Solidarität als auch die finanziellen Mittel dafür habe. Zuletzt hatte sich der Chef des Beamtenbunds, Klaus Dauderstädt, in der Süddeutschen Zeitung von der GDL distanziert - und damit Zweifel geschürt, ob die Gewerkschaft weitere große Arbeitskämpfe finanziell überhaupt schultern kann. Die GDL ist Mitglied im Beamtenbund und erhält von diesem Unterstützung im Arbeitskmapf.

Lufthansa-Piloten streiken Montag und Dienstag

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Die Lufthansa-Piloten wollen von diesem Montag, 13 Uhr, bis Dienstag, 23.59 Uhr die Arbeit niederlegen. Das teilte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit. Betroffen seien deutschlandweit alle Passagierflüge mit Maschinen der Airbus-A320-Familie, vom Typ Boeing 737 und Embraer.

Jetzt auch Langstreckenflüge betroffen

Die Gewerkschaft weitet ihre Streikpläne bei der Lufthansa aus - nun sollen auch Langstreckenflüge betroffen sein. Am Dienstag würden deren Piloten zum Ausstand zwischen 06.00 und 23.59 Uhr aufgerufen, teilte die VC am frühen Montagmorgen mit. Betroffen seien alle Flüge der Lufthansa mit Flugzeugen vom Typ Airbus A380, A340 und A330 sowie Boeing 747 deutschlandweit.

Etwa 1450 Kurz- und Mittelstreckenflüge betroffen

Am Sonntag hatte es zunächst geheißen, dass nur Kurz- und Mittelstreckenflüge bestreikt werden. Allein auf der Kurz- und Mittelstrecke streicht die Lufthansa wegen des Streiks etwa 1450 Flüge. Die Airline teilte mit, über den gesamten Streikraum von Montagmittag bis Dienstagnacht hinweg seien rund 2150 Flüge betroffen, von denen aber etwa 700 durch verschiedene Maßnahmen bedient werden könnten. Die Zahl der von dem Streik betroffenen Kunden bezifferte das Unternehmen mit "mehr als 200 000". Inwiefern sich diese Zahlen durch die Ausweitung des Streiks auf die Langstreckenflüge erhöhen, war am Montagmorgen noch nicht bekannt.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte die Lufthansa-Tochter Germanwings gestreikt. 100 Flüge waren gestrichen worden. Nach Angaben der Fluglinie waren etwa 13 000 Passagiere von dem Streik betroffen. Flüge von Germanwings sollen nach VC-Angaben am Montag und Dienstag jedoch vom Streik ausgenommen sein.

Mit Sonderflugplänen will die Lufthansa darüber informieren, welche Verbindungen trotzdem möglich sind. Aktuelle Informationen über gestrichene Flüge erhalten Passagiere auf der Internetseite der Lufthansa.

Die Gründe für den Streik

Hintergrund des Streiks ist der festgefahrene Tarifkonflikt um die Versorgung von rund 5400 Lufthansa-Piloten beim Übergang in den Ruhestand. Bisher können die Piloten mit 55 Jahren in den bezahlten Frühruhestand gehen. Der Konzern will diese Altersgrenze anheben - dagegen wehrt sich die Gewerkschaft. Die Gewerkschaft warf der Lufthansa vor, zu mauern. Die Fluggesellschaft habe den neuen Streik "provoziert" und müsse ihre "Blockadehaltung" aufgeben.

Lufthansa sieht sich wegen der harten Konkurrenz jedoch nicht mehr in der Lage, die im Branchenvergleich großzügigen Vorruhestandsregelungen zu finanzieren. Den Vorschlag der Lufthansa, die Altersgrenze individuell anhand der Dienstjahre eines Piloten festzulegen, wies die Gewerkschaft zurück.