Alternativen Den Kapitalismus weiterdenken

Was kommt nach dem Kapitalismus, wie wir ihn heute kennen?

(Foto: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de)

Das Monstrum Kapitalismus zähmen? Schwierig. Aber zwischen Resignation und Revolution ist noch Platz für Ideen und Modelle, um die Allmacht des Kapitals zu brechen. Sieben Beispiele, wie es anders und besser gehen kann.

Von Katharina Brunner und Silvia Liebrich

Es ist einfach, gegen den Kapitalismus zu wettern. Wenn es ins Detail geht, wird es allerdings rasch nebulös. Die ersten Schwierigkeiten tauchen auf, wenn es darum geht zu definieren, was den Kapitalismus eigentlich genau ausmacht. Definitionen gibt es viele, eine der kürzesten findet sich im Duden. Das bekannteste Nachschlagewerk der deutschen Sprache definiert Kapitalismus als "Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, deren treibende Kraft das Gewinnstreben Einzelner ist". Das lässt viel Raum für Interpretationen - und die gibt es reichlich. Und auch an Kritik mangelt es nicht. Die Sache ist kompliziert.

Noch komplizierter wird es, wenn die Frage auftaucht, ob denn nun das ganze System oder nur einzelne Teile davon zu verdammen seien. Die größte Herausforderung besteht aber unbestritten darin, Vorschläge zu machen, die helfen, den Kapitalismus zu reformieren, oder gar ein System zu entwickeln, das ihm überlegen ist.

"Schneller, höher, weiter: Macht uns der Kapitalismus kaputt?" - Diese Frage hat unsere Leser in der neunten Runde des Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Dieser Beitrag ist Teil eines umfangreichen Dossiers, mit dem die Süddeutsche Zeitung diese Frage der Leser beantworten will - mit einer digitalen Reportage zum Thema Ungleichheit in Deutschland, mit Essays zu Verwerfungen und Vorteilen eines umstrittenen Systems und vielem mehr. Alles zur aktuellen Recherche lesen Sie hier, alles zum Projekt hier.

Modelle für einen sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Wandel

Die Süddeutsche Zeitung hat Ökonomen, Wissenschaftler und Unternehmer befragt, die dazu eigene Ideen entwickelt haben und sich der Diskussion stellen. Ihre Vorschläge sind höchst unterschiedlich, konzentrieren sich meist auf einzelne Aspekte und Bereiche, lassen sich in einigen Fällen auch kombinieren. Weitgehend einig sind sie sich darüber, dass das Monstrum Kapitalismus sehr schwer zu zähmen ist. Zu groß sind die Widerstände und die Trägheit der Masse, die großen Veränderungen eher ablehnend gegenübersteht. Nach dem Motto: besser beim Altbewährten bleiben, anstatt neue unwägbare Risiken einzugehen. Radikal und vollkommen brechen mit dem System Kapitalismus will jedoch, bis auf den französischen Wissenschaftler Serge Latouche, keiner der Befragten, weil überzeugende Alternativen nicht in Sicht seien. Die Zeiten, in denen Monarchen hemmungslos ihr Volk knechten durften oder die sozialistische Planwirtschaft mehr schlecht als recht den Mangel verwaltet hat, wünscht sich keiner zurück.

Die Experten sehen jedoch die Notwendigkeit für tief greifende Reformen einer kapitalistisch geprägten Weltwirtschaft. Sie richten den Blick auf eine Gesellschaft, die am Anfang eines großen Umbruchs steht und sich von alten Denkmustern befreien muss. Klimawandel, das Ende des Erdölzeitalters und die wiederkehrenden Finanzkrisen sind Herausforderungen, die mit dem Dogma aufräumen, dass sich mit Wirtschaftswachstum alle Probleme lösen lassen. Die Welt stößt an ihre Wachstumsgrenzen, Rohstoffvorräte gehen zur Neige. Ressourcen wie Böden und Wasserreserven werden rücksichtlos ausgebeutet. Der Nachschub an Nahrung ist gefährdet, und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst.

Gibt es einen besseren Kapitalismus - oder sinnvolle Alternativen?

Viele Deutsche machen das Wirtschaftssystem für die soziale Ungerechtigkeit verantwortlich. Aber ist der Kapitalismus wirklich die Wurzel allen Übels? Zeit sich Gedanken über ein Modell und seine Alternativen zu machen. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Für all diese Probleme bietet das kapitalistisch geprägte System nach Ansicht seiner Kritiker keine nachhaltigen und überzeugenden Lösungen an. Doch genau die werden dringend benötigt. Die von der SZ befragten Experten haben Modelle für einen sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Wandel entwickelt. Der wird aber nur funktionieren, wenn es Bürger und Staat schaffen, die Allmacht des Kapitals zu brechen und die Solidarität der Völkergemeinschaft zu stärken.

Warum der Kapitalismus überlebt hat - trotz allem

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