Stilkritik zu Ana Ivanovićs Brautkleid Spektakulär unspektakulär, dieses Kleid

Ana Ivanovic an der Seite von Bastian Schweinsteiger.

(Foto: dpa)

Schweinsteigers Braut Ana Ivanović weiß um ihre Wirkung. Und lässt sich von einem Kleid nicht die Show stehlen.

Stilkritik von Violetta Simon

Hach. Diese Schultern. Die Serbin Ana Ivanović muss um ihre Wirkung wissen, sie zeigt sie oft und gern - im Urlaub, auf Veranstaltungen, auf Instagram. Nun also die Gelegenheit schlechthin: Hochzeit mit Bastian Schweinsteiger. In Venedig!

Die Tennisspielerin nutzte die Chance gleich drei Mal: Zur standesamtlichen Trauung erschien die 28-Jährige in einem Dress "von der Stange". Das Kleid des New Yorker Labels Parker kam ohne Dekolleté aus, legte dafür jedoch die Schultern aufs Dekorativste frei.

Genau wie das himbeerrote Toga-Modell, das Ana am Abend nach der standesamtlichen Trauung auf der Party trug: Zwei Stoffbahnen kreuzten sich über Brust und Rücken - und alles nur, um die sagenhaft schönen Gelenke zur Geltung zu bringen, an denen Anas Arme angewachsen sind.

Den Höhepunkt bildet schließlich das Brautkleid, in dem Ana vor den Altar der Chiesa dell'Abbazia della Misericordia trat: Das Bustier mit Federbesatz gibt nicht nur die Schultern, sondern diesmal sogar das Dekolleté frei. Ach, und dann ist da noch: der glockenförmige Rock. Die XL-Schleppe. Der Schleier im streng gescheitelten Haar. Der Brautstrauß aus weißen Pfingstrosen, der die Standesamt-Röschen vom Vortag ziemlich kleinstädtisch aussehen lässt.

Nun gut, es ist nicht so, dass einem die Luft wegbleibt bei dem Anblick. Eher legt man entzückt den Kopf schief und denkt sich: Sehr hübsch! Und so anmutig, aber weder aufsehenerregend noch skandalös.

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An dieser Stelle sei verraten, dass Anas Brautkleid von der britischen Designerin Suzie Turner stammt - die kann bekanntermaßen auch anders: Extreme Silhouetten, die jede Rundung des weiblichen Körpers in gerafftem Chiffon zitieren und auf Kniehöhe in schäumenden Kaskaden aus Federn zu Boden fließen. Verschwenderisch um sich greifende Röcke aus Federn, die an spitzenbesetzten Korsagen mit Miederschnürung baumeln. All das und noch mehr hätte die Braut von ihr haben können.

Doch Ana wollte keinen Paradiesvogel verkörpern - was das mit ihrem Pärchen-Spitznamen "Schwanovic" zu tun hat, sei dahingstellt. Sie wollte keine Robe aus Federn, die aufgeregt bei jedem Schritt um die Beine herumflattern und sich aufplustern. Also bekam sie diese kleinen, gestutzten weißen Federn, die am Bustier ein herzförmiges Dekolleté bilden. Der Rest vom Kleid ist - nun ja, geschmackvoll, aber eben nicht spektakulär.

Gut, die Schleppe ist vier Meter lang. Und der Schleier ist monströs. So monströs, dass er der bedauernswerten Assistentin immer wieder ins Gesicht fliegt, wenn sie sich hinkniet, um das Tüll-Ungetüm zu bändigen. Doch davon bekommt die Braut nichts mit, sie steht ja drüber, besser gesagt, davor. Und sieht dabei unfassbar schön aus.

Die Braut macht das Kleid schön - nicht umgekehrt

Man muss das noch einmal betonen: dass sie es ist, die das Kleid so schön macht. Und nicht umgekehrt. Endlich eine Braut, die nicht ertrinkt in einem Meer aus Taft, Spitze und gebauschter Seide. Eine, die sich nicht hinter einem Kleid versteckt, das "Alle mal hersehen!" brüllt.

Mag sein, dass das Kleid, das Ana zur standesamtlichen Trauung trug, mehr individuellen Charme verströmt: bodenlang, Volants am Rock, ringförmiges Halterneck und Schlüsselloch-Dekolleté. Aber es hat nicht die Klasse. Und Ana hat Klasse. Sie weiß: Die Aufgabe eines Hochzeitskleides ist es, die Braut in Szene zu setzen - ohne ihr die Show zu stehlen.

Deshalb hat Ana Ivanović bei ihrer Hochzeit alles richtig gemacht. Sogar wenn sie künftig Frau Schweinsteiger heißt.

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