Politiker-Trend zu umgeschlagenen Hemdsärmeln Krempel der Macht

Barack Obama und Mitt Romney geben sich betont lässig. Ein Sakko sucht man bei den Präsidentschaftskandidaten vergeblich, stattdessen krempeln sie ihre Hemden an den Ärmeln hoch - das soll Tatkraft vermitteln. Deutschen Politikern hat dieser Trend allerdings kein Glück gebracht.

Eine Stilkritik von Alexandra Borchardt

Zupackend für Amerika: Mit hochgekrempelten Ärmeln präsentiert sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney kurz vor der Wahl.

(Foto: AFP)

Wer ganz nach oben will, muss auch mal Ellenbogen zeigen. Mit diesem Tipp aus Omas Management-Kiste lassen sich keine Berater-Millionen mehr verdienen, wohl aber offenbar mit dem Hinweis, diese Strategie modisch zu übersetzen.

Beim Dauerstudium des amerikanischen Wahlkampfs drängt sich dieser Verdacht zumindest auf. Ob Wirbelsturm oder laues Lüftchen, für Obama und Romney gilt gleichermaßen: Ärmel hoch. Kein Sakko nirgends. Natürlich legen die Protagonisten das Gelenk zwischen Ober- und Unterarm nicht gänzlich frei.

Viel zu verwundbar sähe das aus, weshalb das Kurzarmhemd als männlicher Mode-Fauxpas ersten Ranges gilt. Aber sorgsam an den Ärmeln gekrempelt nimmt das Hemd dem Mann das Zugeknöpfte und deutet an, dass er in größter Not auch bereit wäre, es (sein letztes?) herzugeben - seinem Volk, seinen Mitarbeitern oder auch nur dem Altkleidersack, sollte ein besseres um die Ecke kommen.

Frauen bleibt nur Hosenanzug und Kostüm

Vermutlich denkt Hillary Clinton noch heute darüber nach, was sie damals hätte tragen können, um ihrem Konkurrenten Obama die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur wegzuschnappen.

Hochgekrempelte Bluse? Bedeutet: Kann wohl nicht bügeln. Trenchcoat? Zu sehr Inspektor Columbo. Lederjacke? Zu sehr Tina Turner. Frau bleiben nur Hosenanzug und Kostüm, Dynamik ist höchstens über die Fönfrisur (von der Leyen) oder den Schlitz im Rock signalisierbar (Achtung!).

In Deutschland haben sich die hochgekrempelten Ärmel allerdings nicht so durchgesetzt, wie nach dem 2006er Auftritt des Trainer-Duos Klinsmann/Löw erhofft. Zwar landete der neue Stil als Empfehlung in manch einem Mode-, wohl aber in kaum einem Karrieremagazin.

Titel wurden im Krempelhemd noch nicht gewonnen. Im politischen Kosmos sind bislang vor allem Ex-Minister zu Guttenberg und FDP-Parteichef Rösler gekrempelt aufgefallen. Könnte auch bedeuten: Ärmel hoch, Karriere runter.