"DŌ"-Shop in New York Hype um rohen Teig

Sieht aus wie Eis, ist aber roher Cookie-Teig.

(Foto: Johanna Bruckner)

Mehr als zwölf Keksteigsorten hat Kristen Tomlan in ihrem "DŌ"-Shop in Manhattan im Angebot. Sie verspricht: Magengrummeln ausgeschlossen. Ein Besuch.

Von Johanna Bruckner, New York

Das Teiggeschäft ist eine anstrengende Angelegenheit. Die Verkäuferinnen hinter dem Glastresen legen sich mit ihrem ganzen Körpergewicht in die schwarzen Eisportionierer. Der rohe Cookie-Teig, der bei "DŌ" verkauft wird, ist eine gelblich-beige, zähe Masse. Wer sich an dieser Stelle fragt, warum erst eine New Yorkerin auf die Idee kommen musste, aus rohem Teig einen Trend zu machen, wo doch Teigschlecken eine universale Kindheitskuschelerinnerung ist, der findet hier einen Grund: Es ist eine Herausforderung, das Ganze appetitlich aussehen zu lassen.

Für die Optik und die Vielfalt sorgen deshalb Schokoladentropfen, bunte Streusel und Mini-Marshmallows. Zwölf Sorten gibt es bei "DŌ" - Lautschrift für "dough", englisch für Teig. Es gibt ihn für Veganer und für Menschen mit Glutenunverträglichkeit. Dazu kommen saisonale Varianten, aktuell im Angebot: "Winter WonDŌland". Die Streusel sind blau, die Schneeflöckchen aus Zucker, der Teig ist derselbe.

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Besitzerin Kristen Tomlan hat früher als Designerin bei einer New Yorker Firma für Markenberatung gearbeitet - sie weiß, wie man aus einer gelblich-beigen Masse ein Geschäft macht. Es gibt einen "DŌ"-Online-Shop (im Gefrierfach soll die Teigmasse bis zu drei Wochen haltbar sein), und Tomlan, Mitte 30, richtet auf Wunsch das Catering für Kindergeburtstage und Firmenfeiern aus. In der vergangenen Woche hat sie ihren neuen Laden direkt am Washington Square Park eröffnet - am Sonntag musste er bereits wieder schließen. Vorübergehend, weil ihr Team nicht mehr nachkam mit der Teigherstellung.

Eine Kugel kostet vier Dollar, drei Kugeln gibt es für neun Dollar

Die beliebteste Sorte sei "Signature Chocolate Chip", erklärt Tomlan, eine zierliche blonde Frau, die sich in ihrer pastellfarbenen Bluse nahtlos ins Gesamtkonzept einfügt. Tortenplatten mit Spitzenrand auf dem Tresen, pinkfarbener Leuchtschriftzug an der Wand, Luxus-Küchenmaschinen in den Farben des Regenbogens über der Küche. Ginge es nicht um rohen Teig, wäre dies wohl ein Laden, den viele Männer (und manche Frauen) am liebsten von außen sehen. Weil es drinnen aber eine kulinarische Kindheitskuschelerinnerung zu kaufen gibt, reihen sich auch zwei Männer mittleren Alters mit ihren Rucksäcken in die Schlange ein.

Der kleine Shop im Greenwich Village ist an einem Dienstagnachmittag gerammelt voll. Es empfiehlt sich, die Anstehzeit zur Konsultation der laminierten Teigkarte zu nutzen: New Yorker haben wenig Verständnis für uneffektives Schlangestehen.

Eine Kugel kostet vier Dollar, drei Kugeln gibt es für neun Dollar. Tomlan, ursprünglich aus St. Louis, Missouri, ist im Stress. Sie presst "Signature Chocolate Chip" (mit Schokotropfen), "Sugar Cookie" (mit bunten Streuseln) und "Heavenly" (mit Nutella, Schokotropfen, Karamellstücken und Meersalz) in einen blauen Pappbecher. Dann geht die Bestellung an die Kasse: "Next customer!" Für weitere Fragen oder Freundlichkeiten ist keine Zeit - der Teig ist vermutlich süß genug.

Das Markenversprechen von "DŌ" ist Genuss ohne Magengrummeln: Bei der Zubereitung werden pasteurisierte Eier verwendet, die Mehle sind hitzebehandelt. Auf Konservierungsmittel verzichtet Tomlan nach eigenen Angaben. Sämtliche Teige seien "safe-to-eat", steht in pinkfarbener Schrift auf einem Hinweisschild. Den Kunden dürften etwaige Bauchbeschwerden so egal sein wie die Wartezeit und die geschäftsmäßige Abfertigung. Kein Hype ohne hassle. (Wer dem Ganzen dennoch misstraut: Der Teig lässt sich auch backen. Und in Shakes mixen. Und als Eiseinlage verarbeiten.)

Nach dem ersten Löffeln verschwindet jeder kritische Gedanke

Gegessen wird der rohe Teig an einem Februartag mit Schneeregen am besten zu Hause. Im Shop gibt es schlicht keine Sitzmöglichkeiten. Erste Enttäuschung zu Beginn der Verkostung: Auf dem Teig fehlen die bunten Streusel. Wobei die einzelnen Sorten schwer zu unterscheiden sind, "Sugar Cookie", "Heavenly" und "Signature Chocolate Chip" plumpsen in einem einzigen Klumpen aus dem blauen Becher auf den Teller. Nach dem ersten Löffeln verschwindet jedoch jeder kritische Gedanke aus dem Kopf - dort ist nur noch Raum für das hypnotische Knirschen des Zuckers zwischen den eigenen Zähnen.

Nein, das hier ist nicht so gut wie Teigschaber-Ablecken als Kind. Das ist gefährlicher, das ist in der Tat heavenly. Nutella und Karamell kleben am Gaumen, das Meersalz lässt die Geschmacksknospen erschauern. Oder erschaudern? Gleich noch mal einen Löffel, um sicherzugehen.

DŌ, Cookie Dough Confections, 550 LaGuardia Place, New York, NY 10012, Dienstag & Mittwoch: 10 bis 21 Uhr, Donnerstag, Freitag & Samstag: 10 bis 22 Uhr, Sonntag: 10 bis 21 Uhr, montags geschlossen.

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