Zukunftssorgen bei 1860 München Zittern hoch zwei

Kann sich Zweitligist 1860 München aus eigener Kraft retten? Der Vermarkter H.I. Squared von Investor Hasan Ismaik und Hamada Iraki garantiert dem Klub 5,5 Millionen Euro pro Jahr. Abgesichert ist die Summe schlecht - fließt sie nicht, droht die Insolvenz.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Lange nichts von Otto Steiner gehört. Nach Wochen des Schweigens aber hat sich der Aufsichtsratsvorsitzende des TSV 1860 München nun via Bild gemeldet, um die besorgten Fans des Fußball-Zweitligisten zu beschwichtigen. Bis zum 23. Mai muss der Verein bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nachgewiesen haben, dass er sein strukturelles Defizit (etwa zwei Millionen Euro) ausgleichen kann.

"Wir müssen für die neue Saison Liquidität in Höhe eines niedrigen siebenstelligen Betrages nachweisen und arbeiten daran, dass dies auch klappt", sagte Steiner, der zugleich versprach, dass Sechzig auch ohne Zahlungen von Investor Hasan Ismaik auskommen würde (den die Klubverantwortlichen bekanntlich gegen sich aufgebracht haben, indem sie in dieser Woche die Verträge von Trainer Alexander Schmidt und Sportdirektor Florian Hinterberger entgegen des ausdrücklichen Willens des Jordaniers verlängert hatten).

Das könnte klappen: Schließlich soll Sechzig dem Vernehmen nach von den Zahlungen Ismaiks im Sommer knapp 1,5 Millionen Euro zur Seite gelegt haben. Steiner sagt: "Wir sind uns dieses Szenarios bewusst. Und wir sind für diesen Fall vorbereitet." Das ist, klar, eine weitere Pointe. Denn sollte sich Sechzig aus sogenannter eigener Kraft retten, dann wohl wieder mit geliehenem Geld des Investors. Doch unabhängig davon und auch von der Frage, ob Ismaik diese zwei Millionen noch überweisen wird, droht der KGaA nun von anderer Stelle größeres finanzielles Ungemach: Es geht um die weitere Kooperation mit dem Vermarkter H.I. Squared, der zu jeweils 45 Prozent Hasan Ismaik und dem Finanzfachmann Hamada Iraki gehört.

Sie basiert auf einem Vertrag, den Geschäftsführer Robert Schäfer nach SZ-Informationen im Juni 2011 ohne finale Abstimmung mit Vereins-Aufsichtsrat und -Präsidium abgeschlossen hat. Statt sich mit ihnen abzusprechen, schrieb er an die Vereinsgremien: "Ich habe die große Freude, Ihnen mitzuteilen, dass es gelungen ist, die vorgegebenen Ergebnisse hinsichtlich der zukünftigen Vermarktung entsprechend Ihrer Vorgaben zu erzielen." Warum er schon unterschrieben hatte, begründete er so: "Um die Durchführbarkeit angesichts der bestehenden Zeitnot zu gewährleisten (. . .), war es erforderlich, die Vereinbarung bereits zu unterschreiben."

Hätten ihn Iraki und Ismaik damals nicht mittels ihrer Position im Beirat von 1860 in Schutz genommen, Schäfer wäre - vor allem aufgrund dieses Vorstoßes - von den Vereinsvertretern entlassen worden. Dieser Wunsch stand klar formuliert in einem Positionspapier, das Ende 2011 verfasst wurde.