Für ZDF-Moderatorin Müller-Hohenstein war Kloses Tor gegen Australien ein "innerer Reichsparteitag". Im Netz gab es Proteste - doch die Kirche sollte im Dorf bleiben.
Als Harald Schmidt 1992 die damals noch große Samstagabendshow Verstehen Sie Spaß? übernahm, tobte der Saal bei seinem ersten Auftritt. Der Entertainer genoss den mächtigen Applaus, das Trampeln, die Freudenschreie aus dem Publikum. Dann, nach gefühlten zwei bis drei Minuten, als das Klatschen noch immer nicht abnehmen wollte, sagte er trocken: "Hier ist ja eine Stimmung wie im Reichssportpalast."
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Und das Publikum? Es schrie, es kochte und johlte vor Freude. Es hatte den bösen Humor nicht verstanden.
Harald Schmidt kam gerade aus dem Spartenprogramm Schmidteinander des Dritten Programms, war unverbraucht, erlaubte sich so ziemlich alles. Irgendwie war er der große Anarchist des deutschen Fernsehens und ist es auf seine Weise ja auch bis heute geblieben. Sein Satz vom Reichssportpalast, wo einst Propagandaminister Joseph Goebbels die Anwesenden für den "totalen Krieg" begeisterte, "versendete" sich.
18 Jahre später "versendet" sich kaum noch etwas. Es gibt ein digitales Archiv, es gibt Online-Blogs und Kommentare, und das Gedächtnis verbreitet sich in Windeseile und bleibt für immer im Netz. Vor allem, wenn es um Fußball geht, und im Fernsehen beim ZDF im Schnitt 29,9 Millionen Leute dabei sind (Marktanteil: sagenhafte 74,4 Prozent).
Wie ein Sketch von Monty Python
Am Sonntagabend, in der Halbzeitpause des deutschen WM-Spiels gegen Australien, versuchte sich ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein unbewusst in Schmidts Fußstapfen. Ihrem ständigen Studiogast, Oliver Kahn, raunte sie nach der Wiederholung von Kloses Tor zum 2:0 zu: "Das ist für Miro Klose doch ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute trifft."
Wunderbar auch die Reaktion des einstigen Nationalmannschafts-Torwarts: "Ja, es ist wie eine Erlösung."
Das wirkt alles wie ein Sketch von Monty Python, aber diese Komiker sind Briten und können sich aufgrund einer alten Humortradition und einer anderen Geschichte solche Sprüche leisten. Dieses ZDF-Duo darf es nicht.
Unverzüglich wurde der Fauxpas von Müller-Hohenstein bei YouTube dokumentiert; die Aufregung schwappte im gleichen Moment zu Twitter und Facebook, umgehend wurde auch Müller-Hohensteins Wikipedia-Eintrag um diesen Satz erweitert.
Die Verbreitung nahm ihren Lauf: Bei Facebook wurde eine Initiative "Rote Karte für Müller-Hohenstein" gegründet und ein offener Brief unter politicyear.worldpress.com an das ZDF formuliert. Und dies trotz der schnellen Entschuldigung von ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz - der Satz sei "eine sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause", die "nicht wieder vorkommen" werde.
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da macht man sich seit wochen mal wieder die mühe einen kommentar zu verfassen und dann endet er im nirvana?!
Tja sehen Sie, ich habe einen boesen Bruder und der steht drauf Dinge zu sagen die als politisch unkorrekt betrachtet werden. Wir haben das in unserer Kneipenszene gut beobachtet, "Reichsparteitag" wird mit Sicherheit ein Klassiker.
Insofern wuensche ich Ihnen und ihren Leidensgenossen viel Spass beim schlussfolgern und falls Sie den Film "Bad Santa" kennen, Sie erinnern mich an den Kaufhauschef. Wenn nicht, auch nicht schlimm, es geht auch direkt, fuer Menschen wie mich, sind Menschen wie Sie, immer ein Heiterkeitserfolg.
Der Artikel von Lars Langenau ist eine genau so grosse Frechheit wie das Geplappere besagter Sortberichterstatterin! Ein an den Haaren herbeigezogener Vergleich jagt den nächsten. Zeichen der Zeit, erst mal losgelabert und plötzlich zuckt man zusammen und denkt "Hätt' ich doch bloss den Rand gehalten!" Aber das Weiss muss ja geschwärzt werden, Prost Mahlzeit...
...kommen die Besonnenen zu Wort. Da möchte ich die Beiträge noch um einen Wunsch erweitern:
Möge es der Himmel zulassen, dass all diejenigen, die so strenge Maßstäbe an ihren Mitmenschen anlegen, sich selbst an eben diesen Maßstäben messen lassen müssen!
Was hätten wir doch für eine schöne Welt!
Hallo, Ihr Klugärsche aufgepasst!
Fehler sind dazu da um sie zu begehen. Euch kann das natürlich nicht passieren.
Mischt Euch mal genau so tapfer ein, wenn es gilt,unser Land vor der totalen Pleite zu bewahren und die Schuldigen beim Namen zu nennen und sie bezahlen zu lassen. Das scheint mir wichtiger als ein Angriff auf eine Frau, die durch Euer unsinniges Dahergerede, wie es in unserer Rechtsordnung üblich ist, ihre Arbeit verlieren kann.
Es lebe der Sport!
S. Kehler
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