WM 2006 Was braucht es, um eine WM "gekauft" zu nennen?

Jack Warner

(Foto: dpa)
  • Seit Veröffentlichung des Freshfields-Reports behaupten DFB-Vertreter, es gebe "keine Beweise" für einen Stimmenkauf bei der Vergabe der WM 2006.
  • Allerdings sind in dem Bericht zugleich viele dubiose Vorgänge dokumentiert.
  • Der Vertrag, den die DFB-Werber mit Jack Warner, Chef des Nord-/Mittelamerikaverbands Concacaf, womöglich eingingen, wirft die meisten Fragen auf.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Dem hohen Besuch wurde jeder Wunsch erfüllt: Im Mai 2000 hielten Jack und Maureen Warner aus der Karibik fünf Tage Hof im Münchner Edelhotel Vier Jahreszeiten. Mister Warner verlangte ein privates Faxgerät und eine eigene Telefonleitung, die Misses benötigte dringend einen Regenschirm, Kniestrümpfe und Medikamente. Zwischendurch wurde dem Vorstandsmitglied des Fußball-Weltverbands Fifa nebst Gattin ein Luxus-Abstecher nach Berlin organisiert. 43 170,30 Mark kostete der Aufenthalt des Paares, inklusive Hotel- und Flugkosten. Bezahlt wurde die Sause vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Verwendungszweck laut Unterlagen: "Bewerbung WM 2006".

Seit Veröffentlichung des Freshfields-Reports am Freitag behaupten damalige wie heutige DFB-Vertreter gern, es gebe "keine Beweise" für einen Stimmenkauf bei der Vergabe der Sommermärchen-WM. Allerdings sind in dem Bericht zugleich so viele merkwürdige Vorgänge dokumentiert, dass sich die Frage stellt: Was braucht es eigentlich, um den Zuschlag für eine WM als "gekauft" zu deklarieren?

25 Verbände Asiens erhielten je ein Adidas-Ausrüstungspaket, Gesamtwert: fast eine halbe Million Mark

Es gab Freundschaftsspiele des Vorzeigeklubs FC Bayern in Ländern von Wahl- männern samt absurd hoher Gagen für die TV-Rechte an diesen Kicks. Mit den Verbänden Omans und Katars wurden Verträge zur "Unterstützung der Bewerbung Deutschlands" besiegelt. Afrikas Erdteilverband Caf mit Fifa-Vize Issa Hayatou an der Spitze durfte anno 2000 Mercedes-Limousinen nutzen, zumindest teilweise bezahlt vom DFB.

"Die WM war nicht gekauft"

Franz Beckenbauer bestreitet erneut die Kenntnis über den Millionentransfer nach Katar von seinem Konto. "Ich habe erst vergangenen Mittwoch davon erfahren", sagt er. Die Zweifel bleiben. mehr ...

25 Verbände Asiens erhielten je ein Adidas-Ausrüstungspaket, Gesamtwert: fast eine halbe Million Mark. Thailands (inzwischen wegen Korruptionsverdacht gesperrter) Wahlmann Worawi Makudi erhielt Tickets für die EM 2000, für fast 20 000 Mark. Und die Beispiele ließen sich wohl noch fortsetzen, wären nicht Ordner über diese Zeit aus dem DFB- Archiv verschwunden.

Keinen umgarnten die DFB-Werber liebevoller als den Korruptionskönig der Fifa Jack Warner

In jedem Fall waren die deutschen Gefälligkeiten so umfassend, dass laut Report schon Anfang 2000 der damalige DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder klagte, es sei nicht leicht, "alle Versprechen Franz Beckenbauers an die Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees zu erfüllen". Zugleich spart der Report sogar viele weitere Aktivitäten in Politik und Wirtschaft aus, die unmittelbar vor der Vergabe erfolgten, stets in Ländern mit Fifa-Vorstand: Großfirmen investierten in Thailand und Korea, Makudis Frau handelte plötzlich mit Mercedes-Autos, der Bundessicherheitsrat beschloss eine Waffenlieferung nach Saudi-Arabien.

Aber keinen umgarnten die DFB-Werber liebevoller als den größten Skandalfunktionäre der Fifa: Jack Warner aus Trinidad & Tobago, Chef des Nord-/Mittelamerikaverbands Concacaf. Weil sie auf ihn bauten? Weil Warner einspringen musste für den Südkoreaner Chung Mong-Joon, der laut Insidern mutmaßlich ausgeschert ist aus dem sicher geglaubten Wählerblock von acht Europäern und vier Asiaten?