Von Philipp Selldorf

Vor dem zweiten Vorrundenspiel gegen Serbien steckt die DFB-Teamleitung im Zwiespalt: Sie will die Hochstimmung erhalten, muss aber auf Gefahren hinweisen.

Oliver Bierhoff schwante sofort Böses, als er am Sonntagabend auf dem Weg zum Stadionausgang in Durban mit Fragen bestürmt wurde, die bereits die Antworten enthielten. Die Fragen besagten, dass es noch nie eine so gute Nationalelf gab wie diese; dass das neue deutsche Spielsystem Vorsprung durch Technik und weltweite Marktführerschaft garantiert; und dass entweder Mesut Özil oder Bastian Schweinsteiger oder womöglich doch Lukas Podolski die Superstars des Turniers sein werden, von Philipp Lahm und natürlich Arne Friedrich ganz zu schweigen. Bierhoff leistete nach besten Kräften Widerstand.

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Mit breiter Brust: Lukas Podolski (li.) und Mesut Özil proben im Training für das Duell gegen Serbien. (© dpa)

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"Am Ende war es ein bisschen einfach für uns", warf Bierhoff in die Debatte. "Australien ist nicht so aggressiv rangegangen, wie man das erwarten musste", erinnerte er, und trug dann er immer wieder eine Bitte vor: "Wir müssen aufpassen - wir dürfen das nicht so hoch hängen."

Balance halten

Drei Tage später. Im deutschen Quartier ist der Turnieralltag eingekehrt. Die Partie gegen Serbien ist noch 48 Stunden entfernt. Längst hat die Besatzung ihre Art von afrikanischem Lebensrhythmus gefunden, es herrschen Ruhe und Gelassenheit. Die Angst vor Sicherheitsproblemen hat sichtlich nachgelassen; in einer Ecke hinter dem blickdichten Zaun am Hotelgelände dösen die Polizisten wie alte Schäferhunde, die keinen Dieb mehr beißen; auch die Männer vom privaten Wachdienst nehmen es nicht mehr so genau mit den Kontrollen. Über den Hof schlendert der Bundestrainer, grüßend und scherzend. Auch sein Assistent Hansi Flick befindet sich in Plauderlaune.

Die Spieler machen ihre Witzchen mit den Leuten aus dem Betreuerstab und vertreiben sich die Mittagszeit, indem sie sich von Reportern angenehme Fragen stellen lassen. Unangenehme Themen scheint es ja spätestens seit dem 4:0 gegen Australien nicht mehr zu geben im DFB-Team. Dieser Auftritt hat großen Anklang gefunden. Auf einmal muss der Bundestrainer ständig Fragen beantworten, ob die Abwesenheit von Michael Ballack nicht eigentlich ein Segen sei, notorische Kritiker aus aller Welt sind plötzlich Freunde. Selbst der chronisch brummige Italiener Fabio Capello hat die Deutschen gelobt. Das letzte Ärgernis, das Deutschland der Fußballwelt noch beschert, ist der WM-Ball von adidas.

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