Von Thomas Hummel, Johannesburg

Angreifer Miroslav Klose hat eine miserable Saison hinter sich. Kaum Einsatzzeiten im Verein, schlechte Leistungen in den Testspielen. Doch alles deutet daraufhin, dass er gegen Australien beginnt. Warum hält Löw an Klose fest?

Joachim Löw ist bei seinen Interviews nach einem Länderspiel als freundlicher Mann bekannt. Der 50-Jährige stellt sich da zwischen Delling und Netzer oder zwischen Müller-Hohenstein und Kahn, wackelt ein wenig mit seinem Mikrofon umher und gibt mit badischem Akzent höfliche Antworten. Nach dem letzten Testspiel vor der WM gegen Bosnien-Herzegowina allerdings änderte sich das. Da überfiel den Bundestrainer merklich der Unmut. Der Grund: Ein Reporter hatte ihn gefragt, ob Miroslav Klose nun seinen Stammplatz verloren hat.

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Joachim Löws Lippen spitzten sich daraufhin gefährlich zu, die dunklen Augenbrauen zogen sich weit hinunter, und ganz entgegen seiner Gepflogenheit wollte er seinen Gegenüber gar nicht mehr ansehen. Löw sagte: "Der Miro ist ein wichtiger Spieler." Selbst auf die Intervention des irritierten Fragestellers, Klose sei im Vergleich zum Konkurrenten Cacau doch erheblich abgefallen, wollte Löw nicht von seinem Stürmer abrücken. Die Aussage blieb: Miroslav Klose wird noch kommen!

Der 32-jährige Stürmer ist die umstrittenste Personalie im deutschen Team. Klose hat eine schlimme Saison beim FC Bayern München hinter sich, kam in der exquisit besetzten Offensive fast immer als Letzter auf den Platz. Noch hinter seinem Nationalmannschafts-Kollegen Mario Gomez. Klose schoss nur sechs Pflichtspieltore für die Münchner und auch in den Testspielen des Jahres 2010 glänzte er mit der Fähigkeit, sich zwischen den gegnerischen Abwehrspielern unsichtbar machen zu können. Gegen Argentinien, Ungarn und gegen Bosnien kam Löw nicht drumherum, Klose auszuwechseln.

Was kümmern uns die anderen Meinungen?

Gemeinsam hatten alle drei Partien 2010, dass mit Kloses Auswechslung plötzlich ein neuer Geist in den deutschen Angriff kam. Dieser Geist hörte zumeist auf den Namen Cacau, manchmal auch auf den Namen Gomez. In den Minuten nach dem Bosnien-Test hätte niemand im deutschen Fußballland einen Knopf darauf verwettet, dass Klose an diesem Sonntag in Durban beim ersten WM-Gruppenspiel gegen Australien von Beginn an ins Moses Mabidha Stadium laufen würde. Bis zu Löws Interview.

Schon dort wie auch in späteren Aussagen weigerte sich der Bundestrainer zwar, sich ohne definitiv auf Klose als einzige Spitze in seinem 4-2-3-1-System festzulegen. Er ließ aber durchklingen, welche Präferenz er hat: Klose. Noch bei seinem einzigen Auftritt im Hotel Velmore in der vergangenen Woche betonte Löw: "Es war klar zu sehen, dass er sich körperlich viel wohler fühlt. Er zeigt sich im Training sehr beweglich und schnell in seinen Aktionen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass er langsam in Form kommt und seine körperliche Frische findet. Dies ist für sein Spiel ganz wichtig."

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