Verpflichtung von Mario Götze Machtvolles Ablenkungsmanöver des FC Bayern

Nur Stunden vor dem ersten Champions-League-Halbfinale wird bekannt, dass Dortmunds Mario Götze zum FC Bayern wechselt. Die Münchner lenken damit von der Steueraffäre ihres Präsidenten Uli Hoeneß ab - und konterkarieren ihre eigene Debatte über "spanische Verhältnisse" in der Bundesliga.

Ein Kommentar von Carsten Eberts

In früheren Tagen war die Stimmung zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund häufig mies, zuletzt war sie auffallend passabel. Die Aufregung über den möglichen Wechsel von Robert Lewandowski hatte sich gelegt. Beide Klubs waren ins Halbfinale der Champions League eingezogen, was dem deutschen Fußball die beste Bilanz seit Jahren bescherte.

Als der FC Bayern dann den FC Barcelona zugelost bekam, frotzelte BVB-Trainer Jürgen Klopp, er verwette seinen Allerwertesten, dass sich die Münchner bei ihrem neuen Coach Pep Guardiola wertvolle Tipps abholen. Die Bayern konterten genüsslich, malten sich aus, wie das wohl aussähe: Klopp ohne seinen Allerwertesten. Gefrotzel hier, Gefrotzel da. Sehr amüsant.

Damit ist nun Schluss: Nur wenige Stunden vor dem Anpfiff des ersten Halbfinals wird bekannt, dass Mario Götze zum FC Bayern wechselt. Um Mitternacht bringt eine Boulevardzeitung die Nachricht als erste, offensichtlich lanciert aus dem Umfeld des FC Bayern. Der Zeitpunkt ist derart heikel, dass er Fragen aufwirft. Der BVB steht wie gelackmeiert da, muss einen Tag vor dem Spiel gegen Real Madrid erklären, weshalb Götze, 20, ausgerechnet zum großen Konkurrenten wechselt.

Und der FC Bayern? Demonstriert seine Macht mit Härte. Nach Startrainer Pep Guardiola haben die Münchner mal eben das größte Talent im deutschen Fußball losgeeist, offenbar einen erklärten Wunschspieler Guardiolas.

Wenn es stimmt, dass sich die Bayern bereits seit längerer Zeit mit Götze einig sind, gibt es nur wenige Gründe für diesen Zeitpunkt. Der erste ist offensichtlich: Die Steueraffäre um Vereinspräsident Uli Hoeneß ist dem Klub sehr unangenehm. Die Bayern wollten die Nachrichtenhoheit zurückerlangen. Der Götze-Wechsel beendet die Debatte nicht, rückt aber zumindest für die Stunden bis zum Anpfiff eine viel bessere, weil positivere Geschichte in den Vordergrund.

Der zweite Effekt: Die Vorbereitung des BVB auf das Spiel gegen Real Madrid ist empfindlich gestört. Vielleicht als späte Rache für Marco Reus, der sich 2012 nicht den Bayern, sondern dem BVB anschloss. Die erste Reaktion aus Dortmund ist bezeichnend. Der Klub sei enttäuscht, mache Götze aber keinen Vorwurf, heißt es in der offiziellen Mitteilung, auch Götzes Berater nicht. Beide hätten sich "vertragskonform" verhalten. Von den Bayern hingegen habe man bis zum Zeitpunkt des Wechsels kein Wort gehört.

Fast wie Hohn steht damit die Debatte um "spanische Verhältnisse" im Raum, die Bayern-Boss Hoeneß losgetreten hatte, in Sorge um den Fußball in Deutschland. Weil die Bayern und der BVB so überlegen vorweg marschierten, dass andere Klubs auf lange Sicht nicht an die Platzhirsche heranreichen könnten. Wie in Spanien, wo Madrid und Barcelona seit Jahrzehnten die Meisterschaft bis auf wenige Ausnahmen unter sich ausmachen. Gemeinsam mit dem BVB wolle Hoeneß dieser Entwicklung entgegen wirken. Um die Spannung in der Liga zu erhalten.

Uli Hoeneß regte diese Debatte an, als er bereits vom Coup mit Götze wissen musste. Sein Klub schwächt den größten Konkurrenten nachhaltig, erfüllt die Ausstiegsklausel von 37 Millionen Euro. Auch so lassen sich spanische Verhältnisse in Deutschland verhindern.