Urteil gegen Uli Hoeneß Größe im Fallen

Ist noch nicht rechtskräftig verurteilt: Uli Hoeneß

(Foto: dpa)

Es ist ehrenwert und respektabel, dass sich Uli Hoeneß seiner Haftstrafe umgehend stellt. Allerdings birgt der Verzicht auf Revision - sollte auch die Staatsanwaltschaft davon absehen - für ihn auch einen großen Vorteil.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Das Wort Rechtskraft ist ein sehr anschauliches Wort. Es meint die juristischen Wirkungen, die von einem Urteil ausgehen. Für Uli Hoeneß bedeutet die Rechtskraft des Urteils, dass er in Kürze zum Antritt der Gefängnishaft geladen wird - das ist die Kraft des Urteils.

Hoeneß will diese Strafe nicht mehr hinausschieben, er will sich ihr stellen. Er fördert daher die Rechtskraft durch eigene Tatkraft. Deshalb verzichtet er auf Revision. Das ist ehrenwert, das ist respektabel. Das ist auch Ausdruck dafür, dass da einer Frieden schließen will mit sich, mit der Gesellschaft, mit der Rechtsordnung - und den vielen enttäuschten Anhängern.

In einer sehr respektablen Erklärung hat sich Hoeneß, wie er selbst das formuliert, seiner Verantwortung gestellt. Der Verzicht auf ein Rechtsmittel ist nach dem Urteil des Gerichts nun die eigene Antwort auf seinen Lebensfehler. Der Mann, der für so viele ein strahlendes Vorbild war, der sich dann mit einer Millionen-Steuerhinterziehung selbst vom Sockel stürzte - er zeigt im Fallen, im Abstieg ins Gefängnis, wieder Größe. Um seine Tatkraft und Energie zu beschreiben hat man von Hoeneß früher oft gesagt, er sei einer, der den Stier bei den Hörner packt. Nun packt er sich selbst bei den Hörnern. Das ist eindrucksvoll.

Dubiositäten aus der Blackbox Hoeneß

Der Verzicht des Angeklagten auf Revision hat - wenn man davon ausgeht, dass auch die Staatsanwaltschaft darauf verzichtet - natürlich auch einen großen Vorteil: Wenn das Urteil rechtskräftig wird, kann es sich nicht mehr zum Noch-Schlechteren wenden. Das Risiko, dass der Bundesgerichtshof zur neuerlichen Verhandlung und womöglich weiterer Aufklärung zurückverweist, entfällt. Das Risiko, dass aus der Blackbox des Falles Hoeneß noch ganz andere als die schon bekannten Dubiositäten bekannt werden, entfällt auch. Und die Gefahr, dass die Strafe letztendlich nicht milder, sondern noch härter ausfällt - sie wird vermieden.

Das kommt jetzt auf Hoeneß zu

Warum verzichtet Uli Hoeneß auf Revision? In welches Gefängnis muss der zurückgetretene Präsident des FC Bayern? Muss er wirklich dreieinhalb Jahre hinter Gitter? Und kann Hoeneß die Steuernachzahlungen überhaupt leisten? Antworten auf die wichtigsten Fragen. Von Bastian Brinkmann mehr ...

Dafür entschwindet aber die Chance, dass an Hand des Falles Hoeneß der Bundesgerichtshof klare Maßstäbe für die strafbefreiende Selbstanzeige entwickelt. Aber die gute Fortentwicklung des Rechts ist nicht unbedingt das erste Interesse des Uli Hoeneß. Er muss wieder Ruhe in sein Leben, in den FC Bayern bringen und also die Verantwortung für seine kriminellen Fehler übernehmen. Hinausschieben hilft da wenig.

Hoeneß, der sich mit seinen Spekulationsgeschäften in einer irrealen Welt bewegte, stellt sich der Realität. Damit beginnt die Resozialisierung eines Steuerstraftäters. Hoeneß ist von seinen Ämtern beim FC-Bayern München zurückgetreten. Der Haftantritt ist für ihn der Beginn des Weges, der ihn dahin führt, den Ansprüchen dieser Ämter wieder zu genügen.