Uli Hoeneß und die Steueraffäre Finale eines Spielers

Er versuchte es mit einer Selbstanzeige und setzte auf das deutsch-schweizerische Steuerabkommen. Mit riskanten Manövern hat Uli Hoeneß versucht, seinen Kopf in der Steueraffäre aus der Schlinge zu ziehen. Es ist ihm nicht geglückt.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Anfang Januar war Uli Hoeneß, 61, noch da, wo er am liebsten ist: auf der Überholspur. Bayern München dominierte die Liga - und dem Patron des Vereins war ein außerordentlicher Scoop gelungen. Bald schon sollte die Verpflichtung des Trainers Josep "Pep" Guardiola verkündet werden. Die Nummer eins der Trainerwelt und die Nummer eins unter den deutschen Fußballmanagern würden von der neuen Saison an ein Team sein. Unschlagbar.

Jeder, der Hoeneß kennt, weiß, was Erfolge für ihn bedeuten. Und das war der absolute Erfolg.

In diesen Januartagen galt es aber auch, ein Problem zu lösen. Seit gut einem Jahrzehnt hatte Hoeneß bei der Vontobel-Bank in der Schweiz ein geheimes Millionen-Konto, das dem deutschen Fiskus nicht bekannt war. Hoeneß hatte auf das Deutsch-Schweizerische Steuerabkommen gesetzt, das ihm eine geräuschlose und unauffällige Bereinigung der Steuerhinterziehung möglich gemacht hätte. Aber das Abkommen war gescheitert. Nun galt es, die Sache durch eine Selbstanzeige aus der Welt zu schaffen.

Das hat nicht funktioniert. Am Dienstag erfuhr die Süddeutsche Zeitung, dass die Justiz bereits am 20. März einen Haftbefehl gegen Hoeneß erlassen hat.

Das Drama begann im Januar

Angefangen hatte das Drama im Januar. Der Devisenhändler von der Vontobel Bank, der sich in der Causa Hoeneß auskannte, war in Urlaub. Hoeneß kam unter Druck. Gerüchte über ihn vagabundierten. Hoeneß engagierte seinen Steuerberater, der zweifelsohne sehr tüchtig ist, und der brachte einen nicht minder tüchtigen Kollegen aus der Kanzlei mit. Auch ist es Hoeneß gewohnt, Probleme selbst zu lösen, was die Sache nicht immer einfacher macht.

Die Selbstanzeige, die dann Mitte Januar beim für Hoeneß zuständigen Finanzamt Miesbach eingereicht wurde (fast zeitgleich mit der Guardiola-Verpflichtung), hätte ein Kunstwerk sein müssen, um auf den ersten oder auch zweiten Blick strafbefreiend zu wirken. Ein solches Kunstwerk aber war die Selbstanzeige wohl nicht.

Durch ständig neue Vorgaben der Justiz und der Politik sind Selbstanzeigen sehr kompliziert geworden. Alle Transfers müssen umfassend und vollständig erklärt werden. Die Selbstanzeige muss so detailliert sein, dass keine Ermittlungstätigkeit des Fiskus mehr notwendig ist, sonst liegt ein Formmangel vor. Ein solcher Mangel muss nicht bedeuten, dass sie unwirksam ist. Unter Umständen kann am Ende ein solcher Mangel auch geheilt werden.

Jüngster Manager, Lautsprecher, Steuerhinterzieher

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