Transfer von Mario Gomez Flucht nach Florenz

Auch im Trainingslager in Italien gab es für Mario Gomez einsame Momente.

(Foto: REUTERS)

Tore hat er stets zuverlässig geschossen, aber zuletzt wurde die Distanz zwischen Mario Gomez und dem FC Bayern immer größer: Nun wechselt der Stürmer in die Toskana. Warum ging er nicht nach Neapel? Der Klub bot mehr Geld und spielt Champions League.

Von Philipp Schneider, Riva

Das wohl Unvermeidliche zog sich hin, und jene Tage, die nun als die letzten des Stürmers Mario Gomez beim FC Bayern in die Vereinschronik eingegangen sind, werden sicher nicht die angenehmsten gewesen sein. Weder für Gomez selbst, noch für den Trainer Pep Guardiola, der ja am Gardasee weilt, um ungestört an Kader und System der kommenden Saison zu feilen.

Doch am Montagnachmittag bestätigte Markus Hörwick, der Mediendirektor der Bayern, schließlich, was zuvor bereits durchgesickert war: Mario Gomez wird zum AC Florenz wechseln. Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge und der Boss des italienischen Erstligisten, Andrea Della Valle, hätten "eine grundsätzliche Einigung" über den Transfer erzielt. Ein Kontrakt stehe zwar noch aus, "in den kommenden ein, zwei Wochen" soll aber unterzeichnet werden. Gomez wird in Florenz wohl einen Vertrag bis 2017 unterschreiben, der mit vier Millionen Euro pro Jahr dotiert sein soll. Noch am Nachmittag reiste er ab, Mario Gomez ging nicht einfach. Er floh aus Riva.

Es sei eine "schwierige Entscheidung" für ihn gewesen, erklärte er in einem Interview auf der Vereins-Homepage, "den besten Verein der Welt zu verlassen". Und fügte hinzu: "Bayern München hat mir den größten Wunsch, den man als Fußballer haben kann, ermöglicht: den Champions-League-Titel." Wozu er allerdings selbst nicht mehr viel beitragen durfte.

FC Bayern im Trainingslager Robben ist "ein Geschenk" für Guardiola

Acht Kandidaten für vier Positionen: Der offensive Konkurrenzkampf beim FC Bayern dürfte heftig werden. Arjen Robben erhält ein großes Lob von Trainer Pep Guardiola. Bastian Schweinsteiger verlässt das Trainingslager hingegen verletzt.

In den Tagen, die er im Trentino noch erdulden musste, hat sich Gomez professionell gegeben. Bei den neuen Trainingsspielchen mit Guardiola hat er fleißig mitgewirkt, und als die Bayern am Freitag gegen eine Amateur-Elf 13:0 gewannen, drehte er brav auf dem Nebenplatz Runden, obwohl er nicht einmal mehr im Kader stand. Zu groß war wohl das Verletzungsrisiko vor einem Transfer, und überhaupt: Warum sollte Guardiola ihn spielen lassen, wenn Trainer und Stürmer keine gemeinsame Zukunft mehr haben würden?

Ob Gomez in der Theorie einen Platz hätte finden können im System Guardiolas, diese Frage ist nicht geklärt. Der Spanier hat ihn ja gelobt, er nannte ihn gar einen "großen Fußballspieler". Ob größer als die Konkurrenten Mandzukic und Pizarro, das sagte er zwar nicht, aber es ist ja wirklich so: Gomez hat in seiner Zeit bei den Bayern meist das geliefert, was von einem Stürmer erwartet wird. Er schoss die Tore wie bestellt: 115 in 174 Spielen.

Warum also musste er gehen? Und wann genau stand fest, dass die Bayern ihn loswerden wollen? Schon, als er unter Trainer Heynckes als Stürmer Nummer drei kaum noch eingewechselt wurde, als Pizarro für Mandzukic ins Spiel rotierte? Und war das monatelang andauernde Buhlen um Dortmunds Offensivkraft Lewandowski nicht auch ein klares Zeichen an Gomez: Schau her, Mario, du hast bei uns keine Zukunft mehr?