Trainingslager in Katar Sammer schwört den FC Bayern ein

Neues vom Mahner: Matthias Sammer hat wieder vorsorglich Alarm geschlagen.

(Foto: dpa)
  • Zum Auftakt des Trainingslagers in Doha hält Bayern-Sportvorstand Sammer einen Vortrag zum Thema Leichtsinn auf dem Fußballplatz - und erinnert eindringlich an das Vorjahr.
Von Benedikt Warmbrunn, Doha

Schwer hängt der Wüstendunst über der Aspire Academy in Doha, eine Stahlskyline aus Flutlichtmasten und Baukränen ragt in ihn hinein, auch die Sonne setzt sich blässlich durch. Matthias Sammer hat sich daher gleich am Vormittag mit Sonnencreme eingeschmiert, "50 plus ist drauf", erzählt er am Mittag, "deswegen hoffe ich, dass alles gut geht". Auf zusätzlichen kosmetischen Schnickschnack hat er verzichtet, einen Anti-Aging-Effekt zum Beispiel habe seine Sonnencreme nicht, "Anti Aging", sagt der Sportvorstand, 48, "ist beim FC Bayern ohnehin zwecklos".

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Bei diesem hohen Lichtschutzfaktor darf nun durchaus davon ausgegangen werden, dass Sammer mittags einen klaren Kopf hat, als er zu den Journalisten spricht. Er hat ja ein Anliegen mitgebracht, "eine Hauptmessage", auch im katarischen Winter zieht Sammer seine Denkweise konsequent durch. Er ist also zu den Journalisten gekommen, um zu mahnen, weil er eine Gefahr sieht, und dass diese Gefahr sonst niemand sieht, ist für ihn nur ein Grund, umso lauter zu mahnen.

Der Denker Sammer ist ein Meister des antizyklischen Denkens, nach Niederlagen sieht er das Gute, in einer Siegesserie warnt er vor dem Ende des Guten, und so hat er auch in diesem Trainingslager des FC Bayern in Doha einige Punkte gefunden, die ihn nun zu einer gut halbstündigen Mahnwahnrede treiben. Acht Punkte Vorsprung hat die Mannschaft in der Tabelle der Fußball-Bundesliga, sie hat in DFB-Pokal und Champions League noch alle Chancen, selbst den anstehenden Trainerwechsel von Pep Guardiola zu Carlo Ancelotti hat der Klub reibungslos verkündet.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Trainer Guardiola selbst hat zudem gesagt, dass er weiter hoch motiviert sei, die Spieler sagen, dass sie weiter hoch motiviert seien. Also sagt Sammer: "Aber was dabei rauskommt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass nichts herauskommt, wenn der Kopf nicht zu hundert Prozent da ist." Also sagt er: "Bevor die Beine anfangen zu arbeiten, gehört da der Kopf dazu." Also sagt er: "Da oben ist die Luft sehr dünn, und da hat das falsche Gerät, der falsche Anschluss schon katastrophale Auswirkungen."

Seine Warnungen belegt Sammer sogar mit zwei überraschend einleuchtenden Beispielen, es sind Beispiele aus den vergangenen beiden Wintern des FC Bayern. Da startete die Mannschaft nach der Pause jeweils mit einer deutlichen Niederlage, überlistet von einer cleveren Taktik des Gegners. "Einmal", sagt Sammer, "war es zum Glück Salzburg", also nur ein Testspiel. Das vergangene Mal allerdings war es in der Bundesliga, beim 1:4 in Wolfsburg.