Fußball-Bundesliga Die Angst der Traditionsvereine vor den Verdrängern

Die Liga fürchtet den Leipziger Höhenflug: Marcel Sabitzer (r.) jubelt mit Emil Forsberg (l.) Marcel Halstenberg (M.).

(Foto: Eibner/imago)
Von Frank Hellmann

Heribert Bruchhagen blickt aus seinem Büro in der Geschäftsstelle der Eintracht Frankfurt Fußball AG direkt auf den Rasen der Arena. Bei längeren Interviews gönnt sich der Vorstandschef auch gerne mehrere Zigarettenpausen, und irgendwann, wenn der Funktionär alter Schule so richtig ins Plaudern gekommen ist, kramt er Schwarz-Weiß-Fotos hervor, auf denen er selbst noch als Aktiver abgelichtet ist.

Lang, lang ist's her. Aufnahme aus den 70er Jahren, als Bruchhagen noch für DJK Gütersloh spielte. Zweite Bundesliga Nord. Gegner damals unter anderem: Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg. Die waren nicht viel besser oder schlechter als sein damaliger Verein.

Die Anekdote nimmt der mittlerweile 67-Jährige häufig zum Anlass, um auf einen aus seiner Sicht verfälschten Wettbewerb hinzuweisen. Die Existenzberechtigung der Werksvereine will Bruchhagen zwar nicht anzweifeln, aber für den ehemaligen DFL-Geschäftsführer waren beide in der Bundesliga oft nur die "Verdränger", zu denen sich 2008 auch noch die vom SAP-Milliardär Dietmar Hopp bis ganz nach oben gehievte TSG Hoffenheim gesellte. Im vergangenen Sommer kam im FC Ingolstadt zwar kein klassischer Werksklub hinzu, aber ohne die Unterstützung des Autobauers Audi wäre der Standort gewiss auch nicht erstklassig.

Schon in diesem Winter: Traditionsvereine in Abstiegskampf

Dafür tummeln sich im unteren Tabellendrittel nun vorrangig namhafte Vereine. Vor dem sich abzeichnenden Abstiegsdrama in der Rückrunde werden aus diesem Lager die Töne schärfer, die Bemerkungen spitzer. Zum Jahreswechsel hat Bruchhagen im Fachmagazin kicker erneut vor den "Strukturveränderungen" gewarnt.

Für einen Klub wie Eintracht Frankfurt - die Hessen überwintern mit 17 Punkten auf Rang 14 - werde es immer schwieriger, Kontinuität zu wahren, warnt Bruchhagen. "Ich prognostiziere, dass sich in fünf bis acht Jahren viele Traditionsvereine im Abstiegskampf befinden. Klubs, die ähnliche Voraussetzungen haben wie die Eintracht, zum Beispiel Köln, Berlin, Bremen, Hamburg, Stuttgart und Hannover."

Provokanter Antrag vom Kiez

Der FC St. Pauli fordert, Vereine, die von der 50+1-Regel ausgenommen sind, sollen sich selbst vermarkten. Wolfsburg und Hoffenheim sind empört. Den Bayern käme ein Ende der Zentralvermarktung dagegen gelegen. mehr ...

Vielleicht ist die Anmerkung viel früher Makulatur: 96 überwintert gerade als Vorletzter (14 Punkte), Werder (15) auf dem Relegationsrang, punktgleich mit dem VfB (15). Die ehemaligen deutschen Meister Werder (2004) und Stuttgart (2007) müssen sich auf das Schlimmste gefasst machen, wenn die Aufsteiger SV Darmstadt 98 und FC Ingolstadt in der Rückrunde nicht einbrechen und Hoffenheim als Tabellenletzter noch die Kurve kriegt.

Wie hatte Bruchhagen schon im Frühjahr gelästert? "Die meisten Traditionsvereine können sich die Nase putzen und zwischen Platz acht und 18 spielen." Und bei einem Finanzgespräch im Sommer ließ er verlauten: "Es wird immer mehr eine Herausforderung, die Träume, Hoffnungen und Wünsche eines Umfelds zu bedienen." Weil die Erwartungshaltung schlicht nicht vereinbar mit der Realität ist.