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TV-Vermarktung in der Bundesliga:Provokanter Antrag vom Kiez

TV-Hersteller

Fußball im Fernsehen: Wer kriegt wie viel Geld?

(Foto: dpa)

Zweitligist FC St. Pauli hat mit einem provokanten Antrag zu den TV-Rechten für Unruhe in der Fußball-Bundesliga gesorgt. Nach Informationen des Fachmagazins Kicker fordert der Klub aus Hamburg in einem Schreiben an Ligapräsident Reinhard Rauball und Christian Seifert, den Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), dass bestimmte Vereine von der Verteilung der Einnahmen aus der Fernseh- und Gruppenvermarktung ausgeschlossen werden sollen. Dies betrifft vor allem die Werksklubs Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim. Ab dem kommenden Jahr könnte Hannover 96 genau wie Hoffenheim seit diesem Sommer von der 50+1-Regel ausgenommen werden, weil Präsident Martin Kind sich dann 20 Jahre für den Klub engagiert hat.

"Der Antrag ist unüberlegt und substanzlos", sagte Kind der Bild-Zeitung. "Wir denken, dass dieser Antrag nicht mehrheitsfähig sein wird. Sollte ihm stattgegeben werden, ist die Zentralvermarktung am Ende, dann würde es eine Einzelvermarktung geben." Über den wohl chancenlosen St. Pauli-Antrag soll auf der DFL-Mitgliederversammlung am 2. Dezember in Frankfurt beraten werden. Pikant: St.-Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig war früher in gleicher Funktion bei der DFL tätig. Der VfL Wolfsburg gab sich über seinen Geschäftsführer Wolfgang Hotze unbesorgt: "Wir sind der Auffassung, dass dieser Antrag gegen die Satzung verstößt". Aus Sinsheim hieß es: "

Die vier Erstliga-Klubs forderten in einer gemeinsamen Erklärung, die am Freitag von der DFL an die Bundesligavereine geschickt wurde, den Antrag des FC St. Pauli "als unzulässig, hilfsweise als unbegründet einzuordnen." Wörtlich heißt es: "Mit dem Antrag auf Ausschluss unserer Klubs von der satzungsgemäß geregelten Verteilung der Vermarktungserlöse erklärt der Antragsteller die Aufkündigung der Solidargemeinschaft in der Bundesliga und in der 2. Bundesliga." Eine Abrechnung "der Verteilung der TV-Erlöse rein marktwirtschaftlich, ausschließlich nach Nachfrage orientiert", würde "erheblich geringere Erlöse für die Vereine der 2. Bundesliga darstellen". Beide Dokumente liegen dem Kicker vor.

Bayern würde von einer Einzelvermarktung profitieren

Eine hitzige Debatte über den Antrag darf jedenfalls erwartet werden. Traditionsvereine wie Eintracht Frankfurt oder der Hamburger SV könnten dem Vorschlag möglicherweise nicht vollkommen abgeneigt sein und haben in der Vergangenheit ebenso wie Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke bereits Argumente für eine Neuverteilung der TV-Honorare gebracht. Watzke beispielsweise sprach davon, dass Tradition oder das Fanaufkommen der Klubs bei Auswärtsspielen bei der Verteilung der Einnahmen berücksichtigt werden.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef von Rekordmeister Bayern München, hatte zuletzt für die zentrale TV-Vermarktung geworben. "Unter einer Bedingung: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des FC Bayern und der Bundesliga darf nicht gefährdet sein." Denn die Bundesliga, so Rummenigge weiter, lebe "von der Spitze".

Eine Aufkündigung der Zentralvermarktung käme gerade großen Klubs entgegen. Branchenprimus Bayern München könnte mit einer eigenen Vermarktung deutlich höhere Erlöse generieren. Bislang werden die Übertragungsrechte zentral von der DFL vermarktet. Der laufende Vierjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro endet 2017. In dieser Saison verteilt die DFL aus der zentralen Vermarktung insgesamt 850 Millionen Euro, 170 Millionen davon (20 Prozent) gehen an die 2. Liga.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/mane

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