Thomas Bach im Porträt Herr der Ringe

Erst sammelte er Medaillen, dann Funktionen: Thomas Bach ist neuer Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, obwohl er umstritten ist. Inhaltliche Visionen hat der ehemalige Florettkämpfer kaum. Der Deutsche versteht es jedoch, Strippen zu ziehen, wie kaum ein anderer. Ganz wichtig dabei: seine exzellenten Verbindungen nach Kuwait.

Von Lisa Sonnabend

Es war der bislang vielleicht dramatischste Moment im ereignisreichen Leben von Thomas Bach. Mit 1:7 lag er bei der Fechtweltmeisterschaft 1977 in Buenos Aires mit der deutschen Florett-Mannschaft gegen den großen Rivalen Italien zurück, doch dann eröffnete Bach die Aufholjagd. Die Equipe kämpfte sich heran, immer näher. Am Ende stand es 8:8 nach Gefechten, Bach und seine Teamkollegen waren nach Treffern besser und gewannen Gold.

Am Dienstag, 36 Jahre später, stand in Buenos Aires wieder ein großer Kampf für Thomas Bach an. Er wollte Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden und damit mächtigster Mann im Weltsport. Er galt als Favorit - und das, obwohl er alles andere als unumstritten ist. Und wie schon 1977 war Bach auch 2013 erfolgreich.

Thomas Bach kam am 29. Dezember 1953 in Würzburg auf die Welt. Sein Vater litt an einer Kriegsverletzung und starb, als sein Sohn gerade einmal 14 Jahre alt war. Als Fünfjähriger griff Bach erstmals zum Säbel, der FC Tauberbischofsheim wurde so etwas wie sein zweites Zuhause. Während seine Mutter in ihrem Textilladen arbeitete, trainierte Bach unter Emil Beck, einem Friseur, der das beschauliche Tauberbischofsheim zum Zentrum für den deutschen Fechtsport machte. Unter Beck war der Ort aber auch eine abenteuerliche Ränkeschmiede des nationalen Sports.

Bach war ehrgeizig und erfolgreich. 1967 wurde er mit den Junioren Deutscher Meister, 1971 gewann er im Einzel die Bronzemedaille bei der Junioren-WM. 1976 gelang Thomas Bach der große Erfolg bei Olympia: Mit der Mannschaft um Emil Beck holte er Gold in Montréal - ein Erfolg, der ihm noch heute zugute kommt; denn im IOC sind ehemalige Olympiasieger immer gerne gesehen. 1977 folgte der dramatische WM-Gewinn in Buenos Aires.

Promovierter Jurist

Während seiner aktiven Zeit begann Bach, sich sportpolitisch zu engagieren. Er war Aktivensprecher, 1980 protestierte er gegen den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau - jedoch erfolglos. Zwar trieb er seine juristische Berufslaufbahn voran, promovierte mit "magna cum laude", doch in ihm war der Wunsch gereift sein, nach dem Fechten in der Sportpolitik eine Karriere zu machen.

Bach war redegewandt, selbstbewusst und souverän. Er wusste geschickt zu taktieren, andere für sich einzunehmen und lernte, sich im richtigen Moment den Meinungen anderer anzupassen, sich um heikle Positionen herumzulavieren und auch mal unwirsch zu sein, wenn es sich gebietet. Bach war begabt und lernte schnell. Statt Medaillen sammelte er nun Funktionen.

1982 wurde er Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee (NOK), 1991 schaffte er als Nachfolger von Willi Daume den Sprung ins IOC. Er profilierte sich, übernahm immer mehr Positionen.